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Mein Philibuster
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Donnerstag, 22.10.2009
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Magermodel-Debatte
 

Die neue alte Dürre in der Mode

Brigitte vs. "Brigitte": Das Ex-Model Brigitte Streubel hält das Vorhaben der Zeitschrift "Brigitte", Magermodels aus dem Heft zu verbannen für sinnlos.
Geschrieben von:   
Der Kampf der Ideale: mager oder normal © Ferdinand Haschner / Philibuster


Von mir aus, ich kauf sie eh nicht - und wenn ich mal irgendein anderes Modemagazin beim Zahnarzt oder einer Freundin durchblättere oder eine Fashionshow im Fernsehen sehe, dann möchte ich in all den vergänglichen Modetrends mich verzaubernde Elfen, ephebenhafte, schlanke, geschmeidige, androgyne Wesen und eigenwillige Typen sehen. Sind alle Dünnen "dürr"?  

Warum finden wir heute dürre Mädchen so schön?

Seit etwa 40 Jahren wandelt sich das Bild der schönen Frau. Früher sahen Frauen immer mehr oder weniger gebärfreudig aus. In den dürren Mädchen ist dieses Ideal fast vollständig verschwunden. Der jugendliche bis asexuelle Körper ist schön. Junge Mädchen verweigern sich erstmal früheren Vorstellungen von Weiblichkeit, befreien sich fast bis zur Entkörperlichung aus alten Rollenbildern über Diätenwahn, Bulimie, Anorexie oder plastische Chirurgie. Sind sie Opfer irgendwelcher Idealvorstellungen? Wieso wird das als Krankheit oder Sucht gesehen? Sucht ist immer auch Suche. Doch wonach suchen sie? Warum wollen alle oder viele so sein und sind unglücklich mit ihren ausladenden Körpern?  

Die sind nun mal nicht schön.  Vor einiger Zeit bekamen wir durch die Werbung von "Dove" mit den dicklichen Mädchen einen ersten Vorgeschmack auf „normale“ Frauen; zuvor fotografierte Annie Leibowitz sehr ästhetisch ältere Frauen, dann erstmals eine nackte Schwangere, Demi Moore. In der Vogue gab es vor Jahren phantastische Modeaufnahmen einer 93-Jährigen in "Issey Miyake"-Kreationen.  Doch all das blieben und bleiben Ausnahmen.

Wenn der Chefredakteur der "Brigitte", Andreas Lebert, ab 2010 Fotostrecken nicht mehr mit professionellen Models, sondern mit sogenannten "echten" Frauen produzieren will, wird das vielleicht kurzfristig seine Auflage steigern, aber die Arbeit mit Photoshop wird bleiben, denn ästhetische Menschen sind in diesem Metier/Modezirkus unabdingbar und Modezeitschriften verkaufen Träume und nicht die Realität.

Der Kampf mit dem Körper

Die Träume dieser Mädchen sind zunächst ganz einfach: bewundert zu werden für die eigene Schönheit. Die Macht des Körpers auf andere zu spüren. Viel Geld zu verdienen. In der ganzen Welt herumzukommen. Darum gehen viele Mädchen heute gleich nach Paris oder New York und nicht nach Hamburg oder München. Weil sie Profis werden und internationalen Standards entsprechen wollen. Von dort gebucht, können sie gleich höhere Honorare verlangen, denn genau wie Hochleistungssportler werden sie nur eine gewisse Zeit erfolgreich sein. Heutzutage sind selbst Prinzessinnen in europäischen Königshäusern und viele junge Schauspielerinnen so schlank wie die Models in Paris. Sie können sich auch am ehesten die teure Haute Couture leisten ...

Wir werden nicht nur im Internet virtueller, sondern entmaterialisieren auch unsere Körper. Diese innere Verfassung, die "geistiger" ist, erzeugt einen weniger ausladenden Körper. Deshalb tun sie alles dafür, elfenhafter auszusehen. Sie bekommen dadurch positive Bestätigung, weil sie "schön" sind. Vermutlich machen sie in solchen Körpern auch andere Erfahrungen, die ‚schöner’ sind, als die in den ‚hässlich’-normalen Körpern. Erstaunlicherweise gehen da die Frauen den Männern voran, denn schöne männliche Körper sind dagegen auch heute noch etwas muskulöser - wenngleich viel weniger als früher. Die extreme Dürre der "weiblichen" Schönheit haben sie noch nicht. Werden sie mehr und mehr auch in diese Richtung gehen: dürre, weibische Jünglinge?

Damals und heute

Diese ganze Entwicklung habe ich vor 40 Jahren am eigenen Leib erlebt. Ich wollte keine Frau nach den bisherigen Vorbildern werden: unseren Müttern. Twiggy, Francoise Hardy oder Veruschka waren es schon eher. Als Teenager war ich essgestört, wollte niemals heiraten oder Kinder kriegen. Ich arbeitete ein Jahr in Düsseldorf als Model (u.a. für "Brigitte junior"), aber schnell wurde mir dort alles zu eng. 1969, mit 19 Jahren, bekam ich die Einladung, für eine größere Pariser Agentur zu arbeiten und zog dorthin. Als ich bei den ersten go-and-sees die Präsentationsmappen der anderen Models mit ihren Veröffentlichungen sah, war ich beeindruckt und zugleich frustriert. Ich fühlte mich wie ein pummeliges Hippie-Mädchen und nahm aus Frustration zunächst zu. Aber mein Ehrgeiz war geweckt und ich begann dann, alle möglichen Diäten auszuprobieren: Stuhlgang ohne Abführmittel wurde unmöglich; ein endloser Kreislauf, der im Krankenhaus endete. Ich hatte Gallenkoliken und die Ärzte meinten, dass ich tierisches Eiweiß nicht schnell genug verdaue und vegetarische Kost bevorzugen sollte. Ich wurde Vegetarierin und begann außerdem mit Yogaübungen, achtete mehr auf mich. Statt Baguette gab es jetzt Müsliriegel, Karotten und Äpfel für unterwegs oder in Restaurants die Vor- und Nachspeisen.

Jetzt fühlte ich mich "schöner" und begann erste Einladungen zu Partys anzunehmen. Ein "sit-down-dinner" in irrsinnig schönen Gemächern auf den Champs-Elysees mit französischen und amerikanischen (Warren Beatty) Schauspielern endete in einer Orgie. Ich war nur mal kurze Zeit im Badezimmer verschwunden um mich "aufzufrischen" und fand bei meiner Rückkehr niemanden mehr am Tisch vor, hörte nur merkwürdige Geräusche aus einem Nebenzimmer und sah nach. Im Halbdunkel konnte ich nur ineinanderverschlungene nackte Körper ausmachen. Ich drückte mich an die Wand und überlegte, wie ich da wohl heil wieder rauskomme. Plötzlich spürte ich, dass ich an eine Hand genommen wurde, die mich durch eine Nebentür hinauszog. Maria Schneider war mein rettender Engel. Kaum fühlte ich mich in Sicherheit, spürte ich, dass sie das gleiche Interesse wie die Männer an mir hatte. Mein Glück war, dass sie zu der Zeit mit Brigitte Bardot liiert war.

Die Zeit nach dem Schönheitsterror

Eigentlich ging es auf dem Markt ständig um die Beschaffung und Vermittlung von "Frischfleisch". So faszinierend es erstmal war, denn diese Freizügigkeit kannte ich nicht, so war nicht nur ich nach einer Weile überfordert und abgestoßen, sondern auch die anderen Mädchen. Privatpartys nahm ich daher nur noch nach Absprachen mit der Agentur an.

Meine Essstörungen hielten an, zusammen mit dem sich gehetzt fühlen, meine Schulden bei der Agentur wurden nicht weniger und tiefer gehende Beziehungen zu Menschen waren mir in dieser Zeit nicht möglich.

Nach meiner Modelzeit mit ihrem Schönheitsterror entdeckte ich, wie ich wirklich aussehen wollte. Und zwar nicht wie eine Mutti, sondern relativ dünn, wie meine Freunde sagen und beziehungsfähiger.

Lesen Sie hier Michael Steppers Einschätzung, warum die Brigitte-Aktion sich vor allem als PR-Coup entpuppt.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Patricia, Oktober 27, 2009

...
Der Text gefällt mir. Merkwürdig, dass Schönheit so sehr am Gewicht festgemacht wird. Dabei handelt es sich um einen Faktor unter vielen, der mit Sicherheit eine große Rolle spielt. Ich finde, wir sollten unseren Blick weiten und uns weniger um Kilos streiten. Dann erkennen wir, dass neben den superschlanken auch rundere Menschen sehr schön sein können.
geschrieben von mawaberlin, November 03, 2009

Magere Model und (empanzipations-) arme Werber nicht mit Geld füttern
Auch wenn das vornehmlich eine PR-Geschichte für brigitte ist - so finde ich das sehr gelungen. Wir als PR-Agenur medienarbeiten.de haben übrigens von unserer Redaktionskatze mediakitty einen tollen Kommentar dazu bekommen:

http://www.medienarbeiten.de/blog/?p=446

"Das Frauenbild in der Mode ist hingegen so was von überholt und teilweise unfraulich / frauenfeindlich. Da überlegt man sich doch, für wen die Mode gemacht wird. Die Antwort hier in der Agentur lautet eindeutig: für die selbstbewußte und emanzipierte Kundin (...)

Stichwort: Emanzipation. Na dann: RE-Aktivieren. Revolutionieren. Und magere Models und Werber nicht (!) mit Geld füttern"

geschrieben von Jennifer Farke, März 11, 2010

Initiative gegen Magermodels
Man sollte durchaus öfter die Modefirmen anschreiben, die magere Models auf Fotos einsetzen. Das scheint eine eigene Initiative dazu zu sein:
http://magermodels.blogspot.com .

LG Jennifer
geschrieben von Janja, Mai 05, 2014

!!!
Wieso sollte man irgendjemanden anschreiben?? Man sollte ws öffentlich machen und die ganzen Agenturen und Markenlabels bestrafen! Und das nicht mit Geldstrafen, Geld haben die ja genug, sondern mit Verboten. So dass die eine Zeit lang gar nicht erst mehr was herausgeben könne o.ä. !
geschrieben von lilly, August 06, 2014

...
Allgemein sind Models sehr hübsch und sexy, doch manche übertreiben es wirklich.
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