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Gewalt gegen Männer
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Die Schwächen des starken Geschlechts |
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Gewalt gegenüber Jungen und Männern wird oft weniger Bedeutung beigemessen als Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen. Doch auch das starke Geschlecht ist nicht gefeit vor Übergriffen - geschlechtersensible Analysen fehlen nach wie vor. |
| Missbrauch |
| Geschrieben von: Hans-Joachim Lenz |
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Auch Männer brauchen Geborgenheit und Schutz © Flickr kwerfeldein
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Die drei zentralen Fragen in der Missbrauchsdebatte lauten: 1. Woher kommt Missbrauch? 2. Was ist Missbrauch?
und 3. Wie vermeidet man ihn? Erschwerend zu dieser Fragestellung kommt hinzu, dass in der Aufgeregtheit um das Thema viele Begriffe wild durcheinandergewürfelt und in die Debatte geworfen werden. Vergessen wird auch oft, dass es sich in vielen aktuellen Fällen um meist männliche Opfer und Täter handelt. Ein Eklärungsversuch auf Begriffebene: 1. In der Diskussion findet eine verharmlosende Begriffsvernebelung statt: von „Missbrauch“, „Pädophilie“ und „Sexualität zwischen Kindern und Priestern“ ist die Rede. - Der Begriff "Missbrauch" ist ein nicht geeigneter Begriff. Wenn ich eine Sache oder eine Person "missbrauche", heißt das, dass es auch einen nicht-missbräuchlichen Gebrauch geben muss, was es bei der Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern nicht gibt. Sexualität zwischen zwei Menschen setzt die freiwillige Entscheidungsfähigkeit beider Personen voraus, was zwischen einem minderjährigen Kind und Erwachsenen nicht gegeben ist. Die präzisere Bezeichnung wäre „sexualisierte Misshandlung“ bzw. „sexualisierte Gewalt“. - Der Begriff "Pädophilie" ist ein Verschleierungsbegriff. Da es nicht um „Liebe zum Kind“ geht, sondern um sexualisierte Übergriffe bzw. Gewalt, wäre der Begriff "Pädosex" angemessener. - "Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen" kann nicht einvernehmlich stattfinden, da die Sexualität eines Kindes und eines Erwachsenen etwas völlig anderes ist. Je nach Schwere der Tat, ist der Begriff des "sexualisierten Übergriffs" oder der "sexualisierten Gewalt" geeigneter. Kinder brauchen den Schutzraum, nicht mit Erwachsenensexualität überladen und von diesen für ihre eigenen Empfindungen instrumentalisiert zu werden. 2. Mit den Offenbarungen über schreckliche Ereignisse in der Kindheit und Jugendzeit wird scheibchenweise eine Opferwirklichkeit deutlich, vor der bislang gesellschaftlich weggeschaut und die von den Betroffenen Jahrzehnte, teilweise ein Leben lang, beschwiegen wurde. Allerdings sind in der öffentlichen Darstellung weniger die Opfer als mehr die Täter im Blick. Das Opfer wird dafür hergenommen, den Täter und die Täterschaft bzw. das dahinter wirkende System (der Kirche) besser verstehen zu wollen. In den Medien kommen bislang kaum Opfer zu Wort und die bisherigen Analysen beschäftigen sich so gut wie nicht mit den Opfern, den Folgen und Auswirkungen und den Möglichkeiten der Verarbeitung. Im medialen Umgang wie mit den Opfern umgegangen wird, droht die "Missbrauchssituation" auf einer anderen Ebene fortgeführt zu werden. 3. Es kommt bislang nicht in den Blick, dass die Opfer und auch die Täter männlichen Geschlechts sind. Es fehlt völlig eine angemessene geschlechtersensible Analyse, welche die Vorkommnisse in den Kontext der Konstruktion von Männlichkeiten stellt. Nur dann wäre zu verstehen, warum die männlichen Opfer so lange geschwiegen haben und warum in dem seit dreißig Jahren in Deutschland währenden Diskurs um Gewalt und Geschlecht bislang Männer so gut wie nur als Gewalttäter und kaum als Opfer von Gewalt dargestellt wurden. Und es würde deutlicher, wie die schamvolle Angst "kein richtiger" Mann oder gar dem Verdacht "homosexuell" zu sein, viele Betroffene zum Schweigen verleiteten. Außerdem würde auch deutlich, wie der Wunsch von Betroffenen in der jeweiligen Institution anerkannt zu werden und Erfolg zu haben, durch Vorgesetzte innerhalb der Hierarchien benützt werden können, um die von ihnen begangenen Übergriffe zu verdecken. Das gleiche Muster findet sich auch beim Militär (siehe als „Initiationsritual“ verharmloste Übergriffe bei der Bundeswehr). Die große Frage ist, was tragen Männer so mit sich herum, worüber sie nie gesprochen haben? Wo setzen Jungen und Männer ihre Grenzen? Was muss ein Junge oder ein Mann alles aushalten, um noch dazuzugehören? Die älteren Männergenerationen der Kriegs- und Nachkriegsjahrgänge sind massiv angefüllt mit derartigen Widerfahrnissen, für die sich nie jemand interessiert hat, nach dem Motto: Ein Mann muss das alleine hinbringen. Unsere im Auftrag des Bundesfamilienministeriums 2002-2004 durchgeführte Studie „Gewalt gegen Männer“ hat gezeigt, dass für Männer vieles selbstverständlich ist (bis hin zu Übergriffen und verdeckter und offener Gewalt) und als zum Mannsein zugehörig gesehen wird, beispielsweise im Alltag, beim Militär und im Krieg, am Arbeitsplatz, in religiösen Gemeinschaften, worüber sich eigentlich nur wundern lässt. Um dazu beizutragen, dass die heutige Generation von Jungen und jungen Männern nicht wieder Jahrzehnte braucht, damit die auch gegenwärtig stattfinden Übergriffe und Vergewaltigungen zeitnah aufgedeckt werden können, ist es wichtig, Jungen in ihrer Verletzbarkeit ohne Vorbehalt anzunehmen. Denn Jungen und Männer, Frauen und Mädchen sind gleich verletzlich und beide sind gleich schutzwürdig. Zur Person: Hans-Joachim Lenz ist Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Männerforschung und gründete in den 70er-Jahren universitäre Männergruppen. Von ihm stammt auch das Buch "Spirale der Gewalt - Jungen und Männer als Opfer von Gewalt". Kommentare zu diesem Artikel:
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