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Deck +++ Das Duell +++ Missbrauch +++ "Strenge und Mitgefühl"
Montag, 15.03.2010
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Kloster Ettal
 

"Strenge und Mitgefühl"

Beim Thema Missbrauch stürzen sich die Medien, wie bei vielen sogenannten Superthemen, teilweise recht blind und einseitig ins Geschehen. Ein differenzierter Blick auf das Internatsleben im Kloster Ettal aus der Sicht eines ehemaligen Schülers.
Missbrauch
Geschrieben von: Otto Huber   
Wenn Strenge in Gewalt umschlägt © Flickr nerosunero


Menschen sind nicht unfehlbar, auch nicht Erzieher und Eltern. Vor dem 68er-Aufbruch war generell die Erziehung oft sehr streng, im Elternhaus wie in den Schulen. Als dieses fantastische Buch über das Erziehungsmodell „Summerhill“ rauskam, verschlangen wir das alle. Hier berichtete uns jemand von unserem Traum! Aber die damaligen Lehrer waren Soldaten gewesen, keine Weicheier und kannten kaum Zärtlichkeit. Im Kloster gab es allerdings das Ritual von Aussprachen, wo sich die Erzieher Rat holen und über ihre Probleme untereinander mit dem Abt austauschen konnten.

Es gab in Ettal, anders als es jetzt überall berichtet wird, ein hohes Maß an gutem Willen und an bemühten Patres. Ihr pädagogischer Eros bestand darin, die besonderen Begabungen von uns Schülern zu entdecken und zu fördern. Sie motivierten mich, meine Begabungen abzurufen und auszubilden. Oft passierte das auch durch Strenge, aber auch durch sehr viel Mitgefühl. Diese Patres hatten etwas geleistet, das war uns Schülern durchaus bewusst: Anders als die meisten Menschen hatten sie auf Geld, Sex und Macht verzichtet, waren Idealisten eines geistigeren Lebens. Das haben wir Schüler auch geachtet. Aber wie man als Jugendlicher auch den Haß auf manche Restriktionen der Eltern entwickelt und ihr Handeln nicht versteht, erst spät als Erwachsener den Sinn dahinter erkennt, so scheinen sich die positiven Gefühle mancher damaligen Schüler heute merkwürdig umzukehren.

Die stete Anwesenheit von Mr. Hyde

Ich habe nie einen Übergriff der Patres an mir oder anderen erlebt und mir wurde davon auch nicht berichtet. Einen Mönch allerdings erinnere ich, einen Feuerkopf, der sich wohl mehrfach vergessen hat und zuschlug. Der wurde zu einsamer Arbeit von der Gemeinschaft isoliert, eine Tragik, finde ich. Er hatte lange an seinen Schuldgefühlen zu arbeiten. Aber jeder Mensch hat doch auch einen Schweinehund in sich, den Mr. Hyde. Da sollte man nicht den Stein werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt.

Diese Diskussion derzeit ist völlig aus den Fugen geraten. Auch Psychologen machen Fehler und die können für den Patienten erheblich verstörend sein. Anders als in deren Praxen findet das Leben in den Internaten vor aller Augen statt. Schüler können sich heute zusammen tun, sich bei Eltern und dem Direktorium beschweren, alles ist heute dank der 68er-Welle viel offener und damit freiheitlicher. Mir scheint, dass das in der Aufregung gerade völlig vergessen wird. Mir tun die Ettaler Brüder leid. Diese Anklagen haben sie meiner Erfahrung nach nicht verdient.

Zur Person:

Otto Huber, Hotelier und Dramaturg in Oberammergau, spielt dort auch bei der Festspiel-Aufführung eine Rolle, er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Von 1958 bis 1966 war er Externer des Internats im Kloster Ettal, später Lehrer an einem Gymnasium.



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