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Dienstag, 03.11.2009
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Netzdebatte
 

Austausch statt Daten-Paranoia

Verschwenden wir zu viel Zeit im Netz oder bereiten wir uns auf ein Leben vor, das die Grenzen der realen Welt überschreitet? Michael Stepper und Rainer Langhans über Sinn und Unsinn des exzessiven Netzkonsums.
Geschrieben von:   
Das Netz: Sozialer Treffpunkt oder Zeittotschlaginstrument? © Ferdinand Haschner / Philibuster


Ich sprach heute mit einer 22-jährigen Frau, die in einem Dorf lebt. Sie hat, heißt es bei Betreuern und Therapeuten, eine "soziale Phobie". Sie kann nicht mit den Menschen, die es konkret erlebt, weil sie unecht, verlogen und unmenschlich seien. Sie hat sich mit den üblichen Psychopharmaka und –therapien behandeln lassen. Sie bleibt "krank". Ich frage sie nach dem Netz. Sie könne Menschen eigentlich nur im Netz ertragen. Da wäre auch Verständnis, nur da.

Ich konnte sie nur zu gut verstehen, denn es ging mir in ihrem Alter genauso. Was ist das für eine sinnlose Welt? Was machen die da bloß? Wie kann man nur so kindisch sein? Ich konnte es nicht verstehen. Ich konnte nicht mitmachen. Ich blieb draußen. Furchtbare Zeit. Erst spät fand ich Wege zu den "Menschen". Initialzündung war für mich die 68er-Erfahrung, dieser kommunikative oder Liebesrausch. Leider währte er nur kurz. Aber ich fand einen Weg, ihn weiter zu leben …

Ich sagte zu ihr: Du suchst – und Du wirst finden. Es ist etwas ganz Besonderes, das Du finden wirst: Dich. Dann sind die Menschen nicht mehr schrecklich oder langweilig …

Wir hatten damals das "Netz" einer globalen Ekstase. Daraus entstand das Netz – wieder eine globalen Ekstase? Keine Angst, nennen wir es nur "Virtualität".
Und da leben die Jungen, die "Natives" des Netzes. Natürlich.

Und was bekommen sie zu hören?
Nehmen wir die zwei typischen Vorwürfe an die Netzgeneration, die "digitalen Natives":

1. Was sie im Netz tun, sei nicht sozial oder intelligent, sondern Zeittotschlag.

2. Sie seien nicht nativ, sondern naiv, sich mit all ihren Daten ins Netz zu stellen.

Was ist denn sozial? Sich gegenseitig helfen beim Überleben. Sich austauschen über das Leben - nicht nur mit den Nächsten, sondern auch mit Mehreren.
Was ist intelligent? Nachdenken und sich austauschen über geistige und kulturelle Themen.

Und all das passiert nicht bei Facebook, Farmville, wenn man Freunde sucht und findet?
Oh doch. Mehr als in den bisherigen sozialen Systemen, gleich ob wir sie Kapitalismus, Kleinfamilie, Kirche und so weiter nennen. Aber das Netz erzeugt doch keine sozialen Erfahrungen, "fragmentiert" doch die Leute? Tut es eben nicht. Das Netz ist die neue, die größere Kommune. Es ermöglicht mehr soziales Verhalten als je zuvor. Unser damaliger kommunikativer oder sozialer Rausch, der von "68", wird vom Netz aufgegriffen und dauerhafte Realität.

Wie geht das? Es  geht mit dieser "Naivität" der natives, alles über und von sich ins Netz zu stellen. Nur damit! Denn Kommunizieren heißt, möglichst alles auszutauschen. Und gerade das ermöglicht das Netz, der riesige Marktplatz. Aber die Bösen, die Geldscheffler und Polizisten, die Personaler und Überwacher, die können dann doch …! Ja, das können sie. Und das wissen die natives ganz genau. Und tun es trotzdem, obwohl immer alle warnen.

Warum? Weil sie darauf vertrauen, dass die Kommunikation siegt und nicht das Misstrauen, der alte Krieg. Und daher stellen sie die Voraussetzungen dafür, ihre "Daten", ins Netz.
Diese sozialen Aktivitäten werden auch unsere so genannte reale Welt verändern – zum Guten. Auch wenn die "Bösen" viel tun, damit es nicht dazu kommt.

Und diese Aktivitäten sind überaus politisch. Also nichts von "unpolitisch" und "lasch"!

Und dass das viele noch nicht sehen, das macht nichts:
Sie, wir werden das weiter machen.
Und dann werden wir alle es sehen … 

Lesen Sie hier Michael Steppers Einsicht, warum seine Generation eben doch jede Menge Zeit im Netz totschlägt.

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