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Dienstag, 03.11.2009
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Netzdebatte
 

Die Genügsamkeit der „Digital Naives“

Verschwenden wir zu viel Zeit im Netz oder bereiten wir uns auf ein Leben vor, das die Grenzen der realen Welt überschreitet? Michael Stepper und Rainer Langhans über Sinn und Unsinn des exzessiven Netzkonsums.
Geschrieben von:   
Generationenkonflikt im Netz: Zeitverschwendung oder Sinnsuche? © Ferdinand Haschner / Philibuster


Die Generation der Krisenkinder lebt nicht, sie wohnt noch. Gerne in WGs, einer Form des Zusammenlebens, das der Bequemlichkeit der 20- 35-Jährigen entgegenkommt und ihren prekären Lebensstil unterstreicht: Man lebt zusammen wie Freunde, die Wohnpartner kommen und gehen, es werden lose Regeln definiert und den Müll bringt schon irgendwer raus. Hauptsache man bleibt nicht allein.  

Denn allein sein, das kann diese Generation nicht und das gilt auch für das Netz. Facebook, Twitter und die VZ-Produkte sind längst die WGs des digitalen Prekariats, die Kommunen der digitalen Bohème. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Man wirft dieser - meiner - Generation vor, ihre Zeit im Netz zu verschwenden und das eigene Fixstern-Dasein zur Maxime zu erheben. Und so altbacken und spießig die Vorwürfe der meist Älteren erscheinen mögen, so falsch sind sie gar nicht. Denn wir – und ich zähle mich ausdrücklich dazu – schaffen es tatsächlich, in sozialen Netzwerken Unmengen von Zeit totzuschlagen.

App, app and away

Auf jede neue Sau, die durchs virtuelle Dorf getrieben wird, springen wir begeistert auf. Wir freuen uns über jede weitere Facebook-App, die uns den digitalen Alltag versüßt. Wir spielen Farmville, bis uns das angebaute Gemüse zu den Ohren rauskommt und entdecken dann den nächsten Clon, der uns genau das gleiche Spielprinzip anhand eines virtuellen Aquariums verkaufen will. Auch dieses Spiel, spielen wir mit, weil uns irgendein „Freund“ eingeladen hat, ergänzt mit einer persönlichen Nachricht, dass das ja nun alle spielen. Wer noch bei Farmville den Bauer gebe, wäre sowieso von gestern und diese ewig Gestrigkeit doch ohnehin der „#fail“ schlechthin. Und so kaufen wir uns für fiktive Coins Guppyfische, Fischfutter und sonstigen Nippes, den man unbedingt braucht, weil man dem Freundeskreis in kürzester Zeit zumindest in zweistellige Level-Bereiche folgen will.
  
Unsere Generation ist mehr denn jede Generation davor abhängig von Trends. Egal welche Internet-Spielerei gerade als en Vogue gilt, wer nicht mitmacht, verliert - an Ansehen. Um beim Bild der WGs zu bleiben, der Streber, der sich in sein Zimmer verzieht, um zu lernen, wird niemals in den Kreis der Typen aufgenommen, die nächtelang die Playstation im Wohnzimmer belagern, um die Million Punkte bei Guitar Hero zu erreichen. Und das schmerzt in sozialen Netzwerken umso mehr, da diese Schmach nun einem weitaus größeren Publikum zugänglich wird.

Von den „Digital Natives“ zu den „Digital Naives“

Doch meine Generation ist nicht nur gutmütig, wenn es um Einladungen zu neuen Spielen oder den zahlreichen, meist sinnlosen Quizzes geht, sie geht auch äußerst naiv mit persönlichen Daten um. Nicht nur, dass man froh ist, dass Facebook so großzügig ist, und für diese Zauberwelt keinen Eintritt verlangt. Man übersieht glatt, dass man für diese große bunte Sause längst mit dem wertvollsten Gut bezahlt hat – der digitalen Identität: Adresse, Kredikarten-, Telefonnummer und viel wichtiger: persönlichen Vorlieben, was Werbung im Internet angeht.

Meine Generation freut sich, wenn die Piratenpartei bei der Bundestagswahl mit zwei Prozent abschneidet. Endlich hat man den zukünftigen Schäubles etwas entgegenzusetzen. Schluss mit der Schnüffelwut. Dabei sind wir es selbst, die mit unseren Daten viel zu unachtsam umgehen, sie wildfremden Unternehmen anvertrauen und uns dann wundern, wenn ein 20-Jähriger für unsere Seelen plötzlich eine Menge Geld sehen will.

Allgemein reden wir von der Freiheit im Netz, wir ärgern uns, dass Politiker immer wieder fordern, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Und doch begeben wir uns selbst in den digitalen Frondienst und schaffen Unmengen von Klicks ran, die die Werbepreise von Facebook und Co. beflügeln und diesen Unternehmen die Marktführerschaft sichern.

„Warum tun wir das?“, würden die 68er wieder fragen. Weil es bequem ist, so bequem wie in eine WG zu ziehen, in der man kaum Verantwortung übernehmen muss - vor allem nicht für sich selbst. Hauptsache man ist nicht allein.

Lesen Sie hier Rainer Langhans' Argumente für exzessiven Netzkonsum und ein neues Miteinander im Netz.

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