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Mein Philibuster
Deck +++ Kopfkino +++ Des Kaisers knopflose Kleider
Mittwoch, 20.10.2010
(40 Bewertungen)
Kommentare (2) Drucken
 
Einkaufen mit Knopfphobie
 

Des Kaisers knopflose Kleider

Eine Knopfphobie ist auf den ersten Blick eine drollige Angelegenheit. Doch wie zum Teufel findet man die passende Kleidung, die ohne die verhassten Plastikdinger auskommt?
Geschrieben von:   
Einmal Kleidung ohne Knöpfe, bitte! © Carolin Wessel / Philibuster


Vor ein paar Tagen ging die Promo für mein Buch los. Sprich: Die ersten Journalisten haben sich mit mir über meine merkwürdige Phobie und meine Geschichten unterhalten. Dabei fiel mir auf, dass eine Frage immer wieder gestellt wurde: Wie bitteschön kleidet man sich denn und kauft Klamotten ein, wenn man keine Knöpfe mag? Eine gute Frage!

Die Jeans-Ecke ist immer unbedenklich

Zwar bin ich längst Profi im Kleider-Scanning und erkenne unmittelbar nach Betreten des Geschäfts von welchen Kleiderstangen ich mich fernhalten muss. Von denen mit Blusen- und Blazern beispielsweise. Bei Pullovern, Strickjacken, T-Shirts und Stoffkleidern kommt es drauf an, ob sie mit einem einzelnen oder mehreren Knöpfen verunstaltet wurden. Die Jeans-Ecke ist hingegen immer unbedenklich, weil wir Knopfphobiker mit Metall- und Druckknöpfen komischerweise überhaupt kein Problem haben. Doch ganz so unkompliziert, wie ich es gerade dargestellt habe ist es natürlich nicht immer. Manchmal kann der Einkaufsbummel auch ziemlich kniffelig werden. Wenn der Winter vor der Tür steht und es Zeit für warme Mäntel wird, zum Beispiel.

Letzte Woche bin ich auf der Suche nach einem neuen Lieblingsgeschäft in eine Boutique im Stuttgarter Westen geschlurft, wo ich sofort einen kuscheligen, grünen Mantel entdeckte. Das Problem: Er hatte Knöpfe. Insgesamt drei. Einen Dicken, Schwarzen vor dem Bauch (um den Mantel zu schließen) und zwei Grüne – jeweils auf der Schulter. Und Knöpfe auf der Schulter sind der absolute Horror! Muss man doch befürchten, jedes Mal mit dem Kinn dagegen zu ticken, wenn man den Kopf zur Seite dreht. Dieser Mantel kam also auf keinen Fall in Frage. Tragisch! Denn eigentlich war er sehr, sehr schön.

„Ziehen Sie mir den Mantel wieder aus!“


„Probieren Sie den Mantel doch einfach mal an. Vielleicht fällt die Entscheidung dann leichter“,  schlug die freundlich aussehende Boutique-Besitzerin vor, die plötzlich hinter mir stand und mein Zögern wohl als Schüchternheit deutete. „Ich ... ähm. Also, ich weiß nicht.“ – „Probieren Sie es einfach. Ich glaube, der Mantel wird Ihnen ganz toll stehen!“ Mit diesen Worten hatte mir die Verkäuferin den Mantel auch schon übergeworfen und zugeknöpft. Entsetzt starrte ich auf den leuchtenden Riesenknubbel vor meinem Bauch und streckte die Arme wie ein eingemummeltes Marshmallow-Männchen weit von mir. Aus den Augenwinkeln sah ich die Knöpfe auf meinen Schultern blitzen. „Ist alles in Ordnung?“ – „Nein!“, rief ich panisch. „Ziehen Sie mir den Mantel wieder aus!“

Die Frau tat, wie ihr geheißen. Ich atmete tief durch. „Wissen Sie, ich finde den Mantel ganz toll. Ehrlich! Ich ekle mich nur so sehr vor den Knöpfen. Ich hab da so ’ne komische Phobie“, stammelte ich und hoffte, dass ich die nette Boutique-Besitzerin, die ihre Kleider offensichtlich mit sehr viel Liebe auswählte und teilweise sogar selbst kreierte,  nun nicht verletzt hatte. Doch die Verkäuferin lächelte nur sanftmütig. „Sagen Sie das doch gleich! Eine Freundin von mir hat auch eine Knopfphobie, müssen Sie wissen. Ich kenne das Drama. Wenn Sie wollen, ersetze ich die Dinger einfach durch Schnallen und Haken.“ Ich war platt. „Also ... wenn das geht ...“ – „Na, klar. Kommen Sie nächste Woche wieder. Dann müsste er fertig sein.“ Ich jubelte und warf der Verkäuferin vor lauter Freude eine Kusshand zu. Meine neue Lieblingsboutique war gefunden!
Meine Mama, die Knopfexpertin

Meine Mutter, die ja sowieso schon des Öfteren zur Leidtragenden meines Knopfekels wurde, hatte kürzlich bei einer Shopping-Tour allerdings nicht ganz soviel Glück wie ich. Als ich vor ein paar Monaten nach Berlin eingeladen wurde, um die Presse-Fotos für mein Buch machen zu lassen, schickte ich sie los, um besonders schreckliche Knöpfe für das Shooting zu organisieren. Denn wenn jemand (außer mir) weiß, welche Knöpfe das Zeug zum Brechmittel mitbringen dann ist es ohne Zweifel meine Mama.

Lieb, wie meine Mama ist, düste sie sofort in den nächsten Knopfladen und machte sich hoch motiviert an die Auswahl der grauenvollen Requisiten. Nachdem sie eine viertel Stunde lang mehrere knallbunte Riesenknöpfe aus den Regalen gepickt hatte, kam schließlich eine Verkäuferin zu ihr und fragte: „Entschuldigen Sie. Aber darf ich mal fragen, wo Sie die ganzen Knöpfe ran nähen wollen? Die passen doch gar nicht zueinander.“ – „Die sind nicht zum Annähen. Ich suche Knöpfe für ein Foto-Shooting.“

„Perfekt! Der ist so richtig schön ekelig!“

Die Augen der Verkäuferin leuchteten auf. „Ach, so? Darf ich Ihnen vielleicht behilflich sein? Wie sollten die Knöpfe denn aussehen?“ – „Sie sollten möglichst groß, bunt und glänzend sein und zwei oder vier Löcher haben“, erläuterte meine Mutter fachmännisch. „Okay. Dann schauen sie doch mal hier, dieser große Orangefarbene. Ist der nicht toll?“. Die Verkäuferin deutete stolz auf einen Knopf neben der Ladentheke. Nun leuchteten die Augen meiner Mutter auf. „Perfekt! Der ist so richtig schön ekelig!“ Das siegessichere Lächeln auf dem Gesicht der Verkäuferin verschwand mit einem Schlag. „WIE BITTE?“ Meine Mutter räusperte sich verlegen. „Huch ... Also, ich meine ... Meinte Tochter ... ach, das wäre jetzt zu kompliziert. Ich würde dann gern zahlen.“

Themen: Jeans Kleider Knopf Knopfekel Knopfphobie Knöpfe Shopping
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tina, Mai 17, 2011

...
ich bin sowas von froh, dass ich diese Kolumne entdeckt hab!! inzwischen kann ich die Knopfphobie von meinem 4jährigen Sohn ganz gelassen sehen und bin immer wieder erstaunt, wieviele Leute das tatsächlich betrifft!!
geschrieben von Saskia, Mai 13, 2013

Endlich Gleichgesinnte gefunden!
Hallo - ich kann das absolut nachvollziehen! Wann gibt es endlich eine absolut knopffreie (schon das Wort bringt mich zum Würgen) und dennoch schicke, figurbetonte Business-Mode? Und Arbeitsmode? Warum muss in einem Arbeitsanzug (aka "Kesselpäckchen" oder "Blaumann") versteckt ein funkionsloser Knopf sein? Wenn alles andere wunderschöne Reissverschlüsse oder wenigstens Nieten oder Druckknöpfe hat (mit Jeans hab ich zB kein Problem)

Bin total froh, diese Kolumne gefunden zu haben und würde gerne VIEL mehr lesen (aber, wenn es geht, ohne die fiesen Bilder und möglichst auch ohne die Worte, das ist - Koumphophobiker werden's verstehen - einfach widerlich.) - mehr Tipps für coole Klamotten, Einkaufen, Liebe in Gegenwart von (mein Schatz trägt mir zuliebe ganz viel T-Shirts, das finde ich total süß) und Ursachen - ich hab auch schon von frühester Kindheit an zu den Knopfhassern gehört. Keine Ahnung warum, Ich will mich auch nicht erinnern, denn das wäre sicher total abartig und höchst widerlich!

Angeblich war auch Steve Jobs Koumphophobiker - wenn das besserem Design dient, müssen wir uns zusammenschließen und eine Toga-tragende Partei oder sowas gründen, die die Herrschaft dieser widerlichen Dinger bricht. Überhaupt, wann sind die in der Geschichte aufgetaucht? Es ging doch jahrtausendelang auch ohne!

Liebe Grüße
Saskia

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