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Mein Philibuster
Deck +++ Kopfkino +++ Battlefield Button
Montag, 20.09.2010
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Knopfkriege
 

Battlefield Button

Unsere Knopf-Kolumnistin ist zurück. Endlich hat sie in Sachen Knopfphobie eine Leidensgenossin gefunden, mit der sie in einem ekligen Schlagabtausch die Grenzen des Erträglichen auslotet.
Geschrieben von:   
Oh mein Knopf! © Carolin Wessel / Philibuster


Wenn man sich als Knopfphobikern in einen hübschen Studenten verliebt, der ebenfalls unter einer Knopfphobie leidet, ist das fast zu schön, um wahr zu sein. Vor allem, wenn dieser die Gefühle auch noch erwidert. Doch wie häufig mag sich eine derart märchenhafte  Schicksalsfügung, wie ich sie in „Liebe in Zeiten der Knopfphobie“ beschrieben habe, wohl ereignen?  „Allerhöchstens einmal! Wenn überhaupt!“, mag der eine oder andere  Skeptiker nun sicher denken. Aber weit gefehlt! Es passierte mir sage und schreibe: Ganze zwei Mal!

So verschieden wie Reißverschluss und Knopf! 

Zugegeben: Als mich mein abgrundtiefer Knopfekel erneut mit einem lieben Menschen zusammenbrachte, handelte es sich bei der Person nicht um einen Mann, sondern um eine Frau. Und freilich wurden wir auch kein Liebespaar. Doch wenn es etwas gibt, das mindestens genauso schön ist, wie sich zu verlieben, dann ist es, eine gute Freundin und Seelenverwandte zu gewinnen. 

Auf den ersten Blick war mir meine Seelenverwandte (die ich jetzt einfach mal „Svenja“ taufe) allerdings ein wenig suspekt. Denn als Svenja eines Tages als neue Kollegin in meiner damaligen Redaktion anfing, vermutete ich: Diese Frau und ich sind nicht auf einer Wellenlänge! Ich hatte schwarz gefärbte Haare, Svenja blondierte. Ich kam aus dem Norden, Svenja aus dem Süden. Ich trug Lederjacken und Porno-Pony, Svenja gepunktete Kleidchen und Pferdeschwanz. Kurzum: Svenja und ich waren so unterschiedlich wie Reißverschluss und Knopf. Das dachte ich zumindest. Doch ich irrte mich. Ich irrte mich gewaltig! 

„Die Verrückte hier hat 'ne Knopfphobie!“ 

Das Ausmaß meines intoleranten Schubladendenkens wurde mir allerdings erst bewusst, als mein Kollege Manuel, mit dem ich sehr gut befreundet war, Svenja eines Sommerabends zu einem Treffen im Biergarten mitbrachte. Nachdem wir eine Weile schweigend dagesessen und in die Sonne geblinzelt hatten, legte Svenja ihre Strickjacke ab und Manuel meinte: „Tja. Ich würde mir ja jetzt auch gerne meinen Pulli ausziehen. Aber dann nörgelt Mareile wieder wegen meinem Hemd rum.“ Svenja horchte auf. „Wieso? Was ist denn mit deinem Hemd?“ Manuel grinste ob des Wissens einer nie dagewesenen Sensation und erläuterte: „Nichts. Mareile findet nur die Knöpfe darauf eklig. Ob  du's glaubst, oder nicht: Die Verrückte hier hat 'ne Knopfphobie! HAHAHA ... ha ... “ Als Manuel merkte, dass seine Bemerkung niemanden zum mitlachen animierte, verstummte er abprubt. Auch Svenja lachte nicht. Sie starrte mich nur mit riesengroßen Kulleraugen an. Ich starrte grimmig  zurück. Was würde eine wie die wohl zu so einem durchgeknallten Phobiker-Vogel wie mir sagen? 

„Du hast auch eine Knopfphobiiiieeee?!?!?!“ Während Svenja den Satz fassungslos in meine Richtung schleuderte, streckte sie ihre Arme so weit nach mir aus, dass sie beinahe vornüber aus ihrem Klappstuhl kippte. „Äh ... wieso? Wer denn noch?“, fragte ich irritiert, das Offensichtliche nicht erkennend. „Na, ich!“ 

Ready to rumble! 

Als Svenja und ich uns tags darauf im Großraumbüro der Redaktion wieder gegenübersaßen, waren wir beide völlig überdreht. Zum einen, weil der Biergartenbesuch zu einer feuchtfröhlichen „Wir hassen Knöpfe!“-Party ausgeartet war und wir kaum Schlaf gefunden hatten. Zum anderen, weil wir uns immer noch nicht darauf hatten einigen können, wer von uns beiden sich mehr vor Knöpfen ekelte und dementsprechend härter im Nehmen war. Das wollten wir nun klären. Kaum hatte ich meinen Rechner hochgefahren, als auch schon der Messenger aufpoppte. Svenja schrieb: „Ready to rumble?“ Ich antwortete: „Aber sowas von!“

„Aaaah!“ Als ein überdimensionales Einmachglas voller glibberig glänzender Perlmuttknöpfe auf meinem Bildschirm erschien, schrie ich unwillkürlich auf. Svenja kicherte sich eins ins Fäustchen. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen! Mit zittrigen Fingern tippte ich das schlimmste aller K-Wörter in die Google-Bildsuche und feuerte das knallbunte Bild eines, aus unzähligen Knöpfen bestehenden, Herzens an Svenja zurück. „Aaah!“ Dieses Mal  schrie sie auf und ich lachte hämisch. Svenja eröffnete die nächste Runde mit dem bebilderten Rezept einer Knopftorte („Aaah!“), ich wiederum setzte die Fotografie eines Knopfohrrings entgegen („Aaah!“). Wir schenkten uns nichts. Immer verbissener gingen wir an die  Recherche. Fast rann uns der Schweiß von der Stirn. Zwar hätten wir den augenzwinkernden Wettstreit jederzeit unterbrechen können, doch irgendwie machte es auch Spaß, sich zu ekeln und zu gruseln.

Ekel-Potpourries und journalistische Features

Als die skrupellose Svenja den letzten Trumpf aus dem Ärmel zog und mich diabolisch grinsend mit der virtuellen Führung durch ein Knopfmuseum zu foltern begann und ich selbstvergessen vor mich hin würgte, knallte unser Chef, der direkt neben mir saß,  plötzlich demonstrativ eine Mappe auf seinen Schreibtisch. „Sagt mal,  Mädels. Was macht ihr da eigentlich die ganze Zeit?“ - „Äh... ach. Nichts, nichts!“ Ertappt und erschrocken fingen wir an, die Horrorbilder auf unseren Monitoren wegzuklicken. „Ist mir eigentlich auch egal“, fuhr unser Chef fort. „Aber eure Artikel sind bis heute Mittag fertig ... ODER?“ 

Natürlich hatten weder Svenja noch ich an diesem Vormittag auch nur ein einziges brauchbares Wort getippt. „Scheiße! Was machen wir jetzt?“, fragte Svenja über den Messenger. „Arbeitsteilung!“, schlug ich vor. „Ich recherchiere, du schreibst!“ - „Abgemacht!“ Wie sich nun  herausstellen sollte, harmonierten Svenja und ich nicht nur dann wunderbar miteinander, wenn es um die Erstellung eines Ekel-Potpourries ging, sondern auch, was journalistische Features betraf, denn beide Artikel bekamen wir mit vereinten Kräften tatsächlich noch vor dem Mittagessen fertig.

Und während Svenja und ich uns die Finger wund tippten, musste ich plötzlich daran denken, wie ich sechs Jahre zuvor den „hübschen Jungen vom Raucherhof“ kennengelernt hatte, wie wir erst ein Paar und später, nach der Trennung, gute Freunde geworden waren und wie verblüffend es war, dass mir nun dieses coole, blonde Mädel gegenübersaß. Kurz entschlossen hackte ich in den Messenger: „Hab ich ein Glück, dass ich eine Knopfphobie hab!“ Svenja schickte einen Smiley  zurück. 

Themen: Knopf Knopfekel Knopfphobie Knöpfe Phobie
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von mf, Juni 01, 2012

...
Ich leide auch unter einer Knopfphobie und ich hab immer geglaubt, dass ich der einzige Mensch bin, dem es so geht.
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