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Mein Philibuster
Deck +++ Kopfkino +++ Schau mir in die Knopfaugen, Kleines!
Montag, 04.10.2010
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Kommentare (6) Drucken
 
Knopfvokabular
 

Schau mir in die Knopfaugen, Kleines!

Nicht nur Knöpfe in allen Farben rufen in unserer Knopfhasserin den blanken Ekel hervor. Das Wort an sich, ganz besonders dessen Plural und Kombinationen wie "Knopfloch" dürften laut unserer Autorin gerne der Zensur zum Opfer fallen.
Geschrieben von:   
Wer hat Angst vor dem K-Wort? © Flickr Squirrel Junkie


Bisher habe ich hauptsächlich davon erzählt, wie ich mit anderen Knopfphobikern Freundschaft geschlossen habe. Natürlich sind mir in meinem Leben aber auch schon Menschen begegnet, die – man glaubt es kaum! – sich nicht vor Knöpfen ekeln und sich dementsprechend kleiden und verhalten. Mein heutiger Freund Buck (Name geändert) zum Beispiel.

Als ich Buck vor vier Jahren kennenlernte, verknallte ich mich sofort in ihn. Und zwar heftig. Das lag zum einen an seiner ebenso starken wie sensiblen Persönlichkeit als auch an seiner männlich-verwegenen Erscheinung. Er war groß und kräftig und trug meistens zerschlissene Jeans und T-Shirts mit V-Ausschnitt. Ab und zu kramte er auch mal ein Hemd aus dem Schrank, doch das war eher die Ausnahme und somit verzeihlich. Was allerdings nicht verzeihlich war, war Bucks Ausdrucksweise – und damit meine ich nicht seinen leicht schwäbischen Akzent!

Das böse K-Wort

Als Nicht-Knopfhasser benutzte Buck das böse K-Wort völlig ungeniert. Und wenn es etwas gibt, das fast genauso ekelig ist, wie einen Knopf zu sehen oder anzufassen, dann ist es, das Wort auszusprechen, zu schreiben, zu lesen oder aus dem Mund von jemand anderem zu hören. Ein Phänomen, das bei vielen Knopfhassern zu finden ist. Schrieb mir doch gerade eine Leserin, dass ihr Knöpfe verabscheuender Sohn lediglich die Kompromissform „Nopf“ über die Lippen bringe. Besonders schrecklich ist für mich persönlich die Plural, also „Knöpfe“, weil das „o“ mit den beiden Punkten darüber an sich schon aussieht wie ein Knopf. Der Gipfel allen Ekels sind allerdings Redensarten wie „eine Träne im Knopfloch“, „den knöpfe ich mir vor“ oder „ein zugeknöpfter Typ“.

Wenn die Freunde meiner Eltern mir früher erklärten, mein Goldhamster sei ja so was von knuffig, weil er so niedliche „Knopfaugen“ habe, war ich danach jedes Mal so verstört, dass ich mein Haustier mit zittrigen Fingern aus dem Käfig herausnehmen-, ihn mir auf die Hand setzten- und ihm mit Nachdruck versichern musste, dass er ganz bestimmt nicht solche Augen habe und er nicht auf die komischen Menschen hören dürfe. Und ich versicherte ihm, dass ich nie zulassen würde, dass diese komischen Menschen ihn streichelten. Denn Menschen, die mit Wörtern wie „Knopfaugen“ um sich schmeißen, finde ich abstoßend.

Der Fischkopp im Schwabenland

Kommen wir nun zu Buck zurück, der von meiner schrägen Phobie und den semantischen Merkwürdigkeiten freilich nichts wissen konnte. So unkompliziert und offenherzig wie mit dem „hübschen Jungen vom Raucherhof“ kann das Kennenlernen schließlich nicht immer ablaufen.

Eines unserer ersten Dates bestand darin, dass Buck mich zu sich zum Essen einlud. Und während wir uns fröhlich mampfend gegenübersaßen, begann ich, von meiner nordischen Heimat zu erzählen und geriet – wie sooft – ins Schwärmen. Zwar wohnte ich schon seit einigen Jahren im Schwabenländle und fühlte mich dort pudelwohl doch als gebürtiger Fischkopp träumt man sich natürlich trotzdem manchmal an die Waterkant zurück.

Eine Katze namens Knöpfle

Als ich bei meiner heiß geliebten Katze angelangt war und traurig berichtete, dass ich sie schweren Herzens bei meinen Eltern hatte zurücklassen müssen, ergriff Buck unvermittelt das Wort: „Meine Schwester und ich hatten früher auch eine Katze. Die war total niedlich und verschmust.“ In mich hineingrinsend nahm ich einen Schluck Wein und schaute Buck verliebt an. Irgendwie war mir schon klar, dass er das nur gesagt hatte, um ein wenig bei mir zu punkten und die Katze wohl eher seiner Schwester als ihm gehört hatte. Immerhin hatte Buck mir erst ein paar Tage zuvor erläutert, dass seine Lieblingstiere Hunde seien und er mit Katzen nicht besonders viel anfangen könnte.

„Die hatte auch einen ganz tollen Namen“, fuhr Buck siegsicher fort. „Sie hieß ...“ Buck machte eine kunstvolle Pause. „Sie hieß Knöpfle!“ Das Lächeln verschwand aus meinem Gesicht. Krampfhaft umklammerte ich meine Gabel, um sie nicht stumpf fallen zu lassen. So etwas Ekelerregendes hatte ich noch nie gehört! Das böse K-Wort war mit der Verbindung mit dem „ö“, wie gesagt, schon grauenvoll genug. Aber auch noch eine Verniedlichung? Geht’s noch? Ich nenne meine Katze schließlich auch nicht Kotzi!

„Und weiß du, wer ihr den Namen gegeben hat?“, fragte Buck stolz. Offensichtlich erachtete er mein Schweigen als Rührung. „Ich! Und weißt du auch, warum?“ – „Hm?“, fiepte ich wie damals mein Hamster, wenn er aufgeregt und angsterfüllt war. In meinem Magen rumorte es. „Weil die so süße Knopfaugen hatte!“  

„Du bist ja verrückt!“

Nun ließ ich meine Gabel doch noch fallen und würgte laut. Buck bekam einen kleinen Schreck. „Was ist? Alles in Ordnung?“ Kurz überlegte ich, ob ich behaupten sollte, dass ich mich bloß verschluckt hätte. Allerdings war mein Gesicht derart angewidert verzogen, als ob ich gerade in eine Zitrone gebissen hätte, und sicher hätte Buck bei der Ausrede angenommen, dass mir sein liebevoll zubereitetes Essen nicht schmeckte und das wollte ich nun auch wieder nicht. Also sagte ich die Wahrheit – verpackte sie jedoch wenig taktvoll: „Das ist das Widerlichste, das ich je gehört habe!“

Buck zog verdutzt die Augenbrauen hoch und fixierte mich irritiert. „Wieso das denn?“ Ich sparte mir das lästige um den Brei herumreden. „Weil Knöpfe das Ekelhafteste sind, das es gibt auf der Welt! Wie kannst du deine arme Katze nur Knöpfle nennen? Auch noch so eine schreckliche Verniedlichung!“ Buck fixierte mich weiter und schwieg ein paar ungläubige Sekunden. Schließlich prustete er los und befand: „Du bist verrückt.“

Bis heute umschmeichelt mich mein Freund ab und an mit dem Kosenamen „Meine kleine Verrückte“. In Situationen, in denen ich ihn nur ganz zaghaft und mit spitzen Fingern umarme, weil er ein Hemd anhat, zum Beispiel. Doch meine Schrulligkeit scheint ihm irgendwie zu gefallen. Und mir gefällt, dass es ihm gefällt. Und mir gefällt, dass ich Buck weiterhin toll fand, obwohl er seine Katze mit einem derartigen Horrornamen getauft hatte. Denn einen größeren Beweis für meine bedingungslose Verliebtheit hätte ich ihm und mir selbst gegenüber kaum erbringen können.

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Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Nadja, Oktober 05, 2010

schau mir in die knopfaugen kleines
SUUUPER *LACH* Hey tolle Geschichte ! Wann ist das Buch drausen ...ich will das lesen !
Hab mich schon bei den paar zeilen fast kuggeli gelacht !
GLG
nadja
geschrieben von Mareile, Oktober 05, 2010

...
Hehe. Schön! Das freut mich! Das Buch kommt am 1. November auf den Markt! :)
geschrieben von Hella, November 28, 2010

KNOPFVOKABULAR
Hei Mareile,
erst mal du kannst super lustig schreiben, ich kauf mir dein Buch.
Und... jetzt kommts... ich hab auch ne Phobie und zwar nicht etwa vor Spinnen, oder Ähnlichem, sondern vor SCHNECKEN! Schon seit ich ein kleines Kind bin! Ich find es so schlimm bei Exemplaren die klein sind kann ich mich grad noch halten, aber bei Nacktschnecken oder Weinbergschnecken, muss ich mich jedesmal fast übergeben. Auch eine Patientin meines Vaters (er ist Arzt) hat Angst vor Knöpfen ist aber gelernte Schneiderin, am meisten hasst sie Perlmutt Knöpfe. Und meine Freundin hat eine Phobie vor ausgestopften Tieren.

LG
Hela
schick mir doch als Antwort eine Email
geschrieben von Mareile, November 28, 2010

...
Hi Hella,

danke für's Kompliment! Im Buch kommt auch eine Schneckenangst-Geschichte vor. Wird Dir also sicher gefallen! :-)

Schreib mir doch einfach an m.kurtz@philibuster.de. Dann können wir uns mal länger austauschen. Würde mich freuen!

LG, Mareile
geschrieben von Holla, April 04, 2012

...
Deine Geschichten sind echt herrlich und mir geht es da eigentlich ganz genauso, wie du da immer beschreibst.

Allerdings... müssen denn diese widerlichen Bilder oben sein? Und wenn dich das Wort so ekelt... warum taucht es dann überall auf *GRUSEL*... ich benutze ja grundsätzlich nur das englische Äquivalent, dessen Buchstabenkombination ist bei weiten nicht so eklig...
geschrieben von mf, Juni 01, 2012

...
Ich mag das K-Wort auch nicht und spreche bei technischen Geräten lieber von Tasten, Schaltern etc.
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