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Deck -> Kopfkino -> Liebe in Zeiten der Knopfphobie
Dienstag, 29.09.2009
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K(n)opfkino - Kur(t)z-Geschichten für Knopfhasser
 
Liebe in Zeiten der Knopfphobie

Sie ist die wohl absurdeste aller Phobien: die Knopfphobie. Was sich albern anhört, ist für viele Menschen alltäglich. Geschichten aus dem Leben einer Knopfhasserin.

Geschrieben von: Mareile Kurtz   
Knöpfe, überall Knöpfe © Flickr pipnstuff


 
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eit ich denken kann, ekle ich mich vor Knöpfen. Vor Kleidungsknöpfen, um genau zu sein. Ich habe kein Problem mit der Tastatur einer Fernbedienung oder den Schaltvorrichtungen in einem Fahrstuhl. Diese Art von Knöpfen mag ich sogar richtig gern. Es sind lediglich diese runden, glatten Dinger mit Löchern in der Mitte, die mich zum Würgen bringen. Und wenn ich von „Würgen“ spreche, dann meine ich das auch so. Das Gefühl, das bei mir aufkommt, wenn mir auf der Straße jemand mit einer Bluse oder einem Hemd entgegenkommt, ist durchaus mit dem vergleichbar, das beim Anblick von Erbrochenem entsteht. Und das nicht zuletzt weil auch der Geruch von Knöpfen für mich unerträglich ist.

Die Bluse des Grauens

Über die Jahre habe ich gelernt, einigermaßen damit umzugehen. Wenn es nicht anders geht, kann ich heute sogar in Bettwäsche mit Knöpfen schlafen. Und sogar das Wort „Knopf“ kann ich inzwischen ausschreiben – wenn auch mit großer Überwindung und zittrigen Fingern. Als Kind hat mein Knopf-Ekel meiner Mutter allerdings großen Kummer bereitet. Einmal hatte sie mir zum Beispiel eine ganz besonders süße Bluse mit großen braunen Holzknöpfen für ein Kindergartenfest gekauft. Als ich mich weigerte, sie anzuziehen, hielt sie mich schlicht für bockig und versuchte, mir die Bluse mit sanfter Gewalt überzustreifen. Das war das erste und einzige Mal, dass ich meiner Mutter ins Gesicht geschlagen habe. Damals war ich vier Jahre alt. Um weiteren Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, habe ich knopflastige Kleidungsstücke im Kindergarten einfach heimlich mit meiner Bastelschere zerschnitten und ein Versehen vorgetäuscht. Was hätte ich meinen Eltern auch sagen sollen? Sie hätten mich doch für verrückt erklärt. Jeder hätte das. Deswegen habe ich auch nie jemandem davon erzählt. Auch nicht, als ich in die Grundschule kam.

Peinliche Begegnungen

An meinem ersten Schultag betrat ich das Klassenzimmer mit gemischten Gefühlen. Was würde ich erleben, wem würde ich begegnen? Mit heißen Ohren setzte ich mich auf den mir zugewiesenen Platz und beobachtete meine neuen Mitschüler aus den Augenwinkeln. Die meisten sahen sehr nett aus. Plötzlich nahm ein großes blondes Mädchen neben mir Platz und nickte mir freundlich zu. Ich nickte zurück und wollte gerade etwas sagen - doch dann entdeckte ich ihn. Ich hatte es schon geahnt, als sie den Raum betreten und es unter ihrem Anorak verdächtig aufgeblitzt hatte. Doch nun, da sie die Jacke abgelegt hatte, wurde mir das Ausmaß des Grauens bewusst: Ein gleblich schimmernder Riesenknopf thronte mitten auf ihrer Schulter und drohte mir jeden Moment ins Gesicht zu springen.

"Was ist?" Ohne es zu merken, hatte ich dem Mädchen die ganze Zeit apathisch auf die Schulter gestarrt. "Oh. Nichts. Gar nichts. Ich hab nur so da hingeguckt", stammelte ich und riss meinen Kopf ruckartig nach vorne in Richtung Lehrerin, die nun - Gott sei Dank - mit dem Unterricht begann. Wie sollte ich das bloß überstehen? Der Knopfgestank war allgegenwärtig. "Magst du auch kein Mathe?", flüsterte das Mädchen neben mir plötzlich. Ich drehte unsicher den Kopf in ihre Richtung und versuchte, in ihr Gesicht zu gucken - doch ich konnte den Blick einfach nicht von dem ekelhaften Blick auf ihrer Schulter abwenden. "Ähm...ja. Mathe. Nein. Ich meine ... ich bin hier, weil ... ich will lesen lernen, damit mir meine Mama die Geschichten von dem lustigen Briefträger Pitje Puck nicht mehr vorlesen muss." Das Mädchen starrte mich verblüfft an. Dann begann es zu kichern, drehte sich zu den anderen Kindern und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Das ging ja gut los.

Ausdrücke des Ekels

Als es zur ersten Pause geläutet hatte und ich mich traurig in den Sandkasten verkrümelt hatte, fiel mir plötzlich ein kleiner Junge auf, der langsam auf mich zu schlenderte. Er trug eine blaue Hose, einen weißen Pulli, hatte einen schwarzen Lockenkopf und sah sehr niedlich aus. Als er mich erreicht hatte blieb er unvermittelt stehen, steckte die Hände in die Hosentasche und malte mit einem Fuß im Sand herum. „Liest dir deine Mama auch immer Pitje Puck vor?“, fragte er schüchtern. Ich erschrak. „Woher weißt du das?“ Er stutzte. „Ich hab gehört, wie du das eben erzählt hast. Ich sitze neben dir.“ Peinlich! Das war mir gar nicht aufgefallen. Ich hatte nur Augen für den Riesenknopf rechts von mir gehabt. „Hm. Hab ich nicht gesehen“, antwortete ich unbeholfen.

Er schlug enttäuscht die Augen nieder und ich wurde panisch. Jetzt würde ich gleich auch noch den zweiten potenziellen Schulfreund vergraulen. „Aber ich kann nichts dafür!“ versicherte ich hilflos. „Ich musste woanders hingucken. Das war wegen dem ... wegen dem ...“, wie sollte ich ihm das bloß plausibel machen? „Wegen dem ... wegen dem Knopf!“. Der Junge riss erstaunt die Augen auf. „Ja! Ist der nicht ekelig? So riesig und so glänzend und dann auch noch mitten auf ihrer Schulter!“ Ich traute meinen Ohren kaum. „Findest du Knöpfe etwa auch blöd?“ – „Ich kann mir nichts blöderes vorstellen!“, rief er aufgeregt und begann, wie ein kleiner Flummi auf und ab zu hüpfen. Wir konnten uns vor Freude kaum halten. Mit immer drastischeren Ausdrücken versuchten wir unserer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. „Wie tote Augen!“, rief ich und begann ebenfalls zu hüpfen. „Wie ausgespuckte Bonbons“, hielt er dagegen. „Wie die Fettaugen auf einer Pizza. Nein, ich weiß was! Wie die glänzenden dicken Pickel, die mein großer Bruder im Gesicht hat!“ Wir kicherten. Zurück im Klassenzimmer konnte ich mich wieder nicht auf den Unterricht konzentrieren. Mein Herz raste, meine Ohren wurden heiß, meine Gedanken schweiften ab. Ich konnte einfach nicht aufhören, ihn anzustarren. Ihn – den niedlichen Jungen vom Pausenhof.

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Themen: Bremen Ekel Jeans Knopf Knopfphobie Liebe Monstrum test

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geschrieben von Mareile, März 07, 2010

Es ist keine Angst, sondern ein Ekel
Liebe Ria,

es ist keine Angst, sondern ein Ekel. Ich finde Knöpfe eben einfach widerlich. Ungefähr so, wie man einen dicken, glänzenden Pickel eklig findet. Wenn jemand so ein Ding im Gesicht hat, kann man ja trotzdem normal mit ihm reden, aber man guckt eben heimlich doch immer wieder auf den Pickel/Knopf. So kann man das vielleicht beschreiben :-)

Liebe Grüße,

Mareile
geschrieben von Maria, März 07, 2010

...
Das ist echt krass, ich habe einen bericht im fernsehen gesehen über Knopfphobiker. Meine Frage: Vor was genau habt ihr Angst? Ist es das Aussehen? Die Löcher? Ich kann das wirklich nur sehr schwer nachvollziehen. Es wär cool, wenn mir jemand etwas näher erklärt, was es mit dieser Phobie auf sich hat.
Liebe Grüßle
Ria.
geschrieben von Gerd, November 26, 2009

Knopfphobie
ICH HABE DIES SEIT DER KINDHEIT AUCH: FÜR MENSCHEN WIE MICH; IST DAS SO SCHLIMM DASS MAN DENKT; WER IST DENN JETZT NICHT NORMAL:: WIE KÖNNEN DIE LEUTE SOOOO HÄSSLICHE DINGE ANZIEHEN; DIE SCHÖNSTE FRAU SIEHT SO ZUM KOTZEN AUS

LIEBE GRÜSSE AN ALLE OHNE Kn..
Gerd
geschrieben von Mama aus Leidenschaft, Oktober 24, 2009

Es gibt wirklich Gleichgesinnte! :-)
Hallo!

Ich habe eine 3 jährige Tochter, die auch diese Phobie hat. Sie hat eine sehr starke Persönlichkeit (mit 3 Jahren!) und seitdem sie sprechen kann, ist alles was mit Knöpfen zu tun hat, ein absolutes Tabuthema für sie. Sie zieht auch keine Kleidung an, die irgendwo einen Knopf besitzt und auch die Bettwäsche darf keine besitzen.

Ich habe mir da noch gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht, aber als mich die Kindergärtnerin im Kindergarten ansprach, sie würde sich absolut weigern, einen Kittel beim Malen überzuziehen, weil da Knöpfe dran sind da kamen mir schon so Gedanken hoch, dass sie es wirklich ernst meint, mit den Knöpfen. Denn sonst würde sie sich im Kindergarten nicht so benehmen, wenn es nicht ein wirkliches Problem für sie darstellen würde.

Meine Frage ist nun an andere Betroffene, wie kann ich meiner Tochter noch helfen?
Ich kaufe nun nur noch Kleidung für sie, die sie selber mit aussucht oder die ich umtauschen kann.
Mehr als ihr Problem ernst zu nehmen kann ich dann doch gar nicht, oder ?

Über Antworten wäre ich dankbar!
geschrieben von Schlumpfinchen, Oktober 22, 2009

Einfach toll
Der Bericht spricht mir aus der Seele, auch wenn es bei mir nicht ganz so schlimm ist wie bei dir (ich kann zumindest in knopfhaltiger Bettwäsche schlafen).
geschrieben von Mareile Kurtz, Oktober 19, 2009

Ursachen
Liebe Frau Maier,

danke für das nette Feedback. Sie haben genau die richtige Frage gestellt: Was ist die Ursache? Ich bin da leider - genau wie alle Psychologen, mit denen ich bisher gesprochen habe - völlig ratlos. Ich mache mich deswegen nun einfach selbst auf die Suche und werde darüber hier weiterhin berichten.

Herzliche Grüße, Mareile Kurtz
geschrieben von Elke Maier, Oktober 18, 2009

Knopfphobie
Liebe Frau Kurtz,

ich höre das erste Mal von dieser Phobie. Ihre Geschichte finde ich sehr schön geschrieben.
Wie kann ich etwas über die Ursachen dieser Krankheit erfahren oder ist es eben nur eine
liebe Geschichte?

Liebe Grüsse von Elke Maier
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