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Deck -> Der Phili-Vollpfosten -> WM Tag 1 - Der Blick gen Südafrika
Freitag, 11.06.2010
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Der Phili-Vollpfosten
 

WM Tag 1 - Der Blick gen Südafrika

Stell Dir vor Du wachst auf und das Google-Logo verrät Dir: es ist Weltmeisterschaft. Ein schönes Gefühl – für manche. Für andere eher ein lästiges Beiwerk des Sommers. Die Phili-Redaktion verrät, was sie sich von der WM in Südafrika verspricht.
Geschrieben von: Redaktion Philibuster   
Südafrika 2010 - WM im Land des Aufbruchs © Flickr DimitraTzanos
 

Neun Autoren, neun verschiedene Meinungen zum medienbeherrschenden Thema der nächsten vier Wochen, der Fußball WM 2010 in Südafrika. Der Auftakt unserer WM-Kolumne - dem Phili-Vollpfosten.

Ferdinand: Das ausgebleichte Fähnlein am AUDI 80 verträgt einen neuen Anstrich. Die Lepatata muss ich noch entstauben für den Auftakt im nächstgelegenen Münchener Biergarten. Auch wenn's  mit der WM nicht klappen sollte; wir sind  immerhin Europameister im Singen und bald auch wieder Bundespräsident.

Nadia: Fußball-WM? Da verspreche ich mir auch in diesem Jahr die pure Härte des Lebens: Gegner, Aggressionen, und einzelne Männer, die sich in der Gruppe stark fühlen. Dazu Fußballkommentatoren, die zwischen politischer Instrumentalisierung und sachlicher Berichterstattung switchen. Ich werde dazwischen sitzen und heimlich Deutschland die Daumen drücken. Yär!

Timm: Komischerweise gehe ich dieses Jahr zum ersten Mal mit einem klaren Fokus auf die Deutsche Elf in eine WM. War ich bisher häufig hin- und hergerissen zwischen „schön spielenden“ Mannschaften und denen, die den Adler tragen, ist es mir heute völlig wurscht, ob wir mit Rumpelfußball Weltmeister werden.

Michael: Fußball interessiert mich eigentlich nicht die Bohne. Ob Bundesliga, Champions-League oder DFB-Pokal, jede Tierdoku fesselt mich mehr an die Mattscheibe als das Gekicke, zu dem ich noch nie den rechten Zugang gefunden habe. Auch der Massentaumel lässt mich kalt, vielleicht auch weil ich künstlich erzeugte Euphorie zum Kotzen finde. Und nein, ich stehe auch nicht wirklich drauf, wenn mich die beleibte Bäckereiverkäuferin auf dem Nachhauseweg vom Rad zerrt und meinen Kopf beherzt an ihre schwarz-rot-gold-verlaufene Apfelbacke drückt. Und das nur weil der Schweini (darf man ja nimmer sagen) oder der Poldi  (darf man das noch sagen?) grad wieder „einen rein gemacht hat“. Wie alle vier Jahre werde ich mich in den kommenden Wochen wieder vornehm zurückhalten, mit meinem Halbwissen könnte ich sowieso nicht punkten. Einen interessanten Aspekt will ich aber nicht ungenannt lassen. Es wird sicherlich spannend zu sehen, wie Südafrika diese WM handelt, wie sie es schafft, das Chaos im Lande für vier Wochen vergessen zu machen. Dafür wünsche ich dem Land alles Gute. Und wenn die Deutschen das Ding nach Hause holen, freue ich mich auch gerne mit.

Max: Ich freue mich schon riesig auf die WM, weil es in meinem Freundeskreis Tradition ist, jedes Spiel auf den riesigen Leinwänden in der Frankfurter City anzuschauen. Und Weltmeister werden die USA. Das gönne ich meinem fußballinteressierten Gastbruder, bei dem ich künftig in den Staaten leben werde.

Mimi: Was, Fußball-WM? Sind schon wieder vier Jahre vorbei!?

Andreas: Die erste WM auf afrikanischem Boden wird nicht viele Veränderungen mit sich bringen. Die Fifa macht sich mit ihren strikten Vorgaben, wie das Turnier auszusehen habe, die Taschen voll und gleichzeitig den emotionsgeladenen Fußball kaputt. Immerhin tröten die Vuvuzelas lautstark gegen alles an, was sich ihnen in den Weg stellt. Meine persönliche Hoffnung ist, dass in Sachen Sicherheit nichts passiert, wobei das wohl eher Wunschdenken ist. Die ersten Meldungen von ausgeraubten Journalisten und Einbrüchen in Spielerhotels gibt es ja bereits. Vielleicht schafft es der Fußball aber dennoch für einen Monat die Welt ein klein wenig schöner zu machen. Wenn am Ende dann Argentinien gewinnt, freu ich mich. Aber auch England wäre nett. Nur eins, das könnte ich nicht verkraften: wenn Italien tatsächlich mit seinem Anti-Fußball den Cup verteidigt.

Mareile:
Ein Sommermärchen. Das war die Fußball-WM 2006 in der Tat für mich. Ja, ich weiß, der Begriff ist ausgelutscht und ihn zu benutzen schon fast peinlich. Doch im Sommer 2006 bin ich mit Mexikanern durch die Innenstadt von Hannover getanzt – zu der Dudelsackmusik eines Schotten. Ich bin mit 40.000 anderen Festivalbesuchern auf dem „Hurricane“ in Scheeßel vor der provisorisch errichteten Leinwand auf und abgesprungen und habe gebrüllt: „Hey, hey. Wer nicht hüpft, der ist ein Schwede, hey!“, während die Mainstage, auf der gerade „Skunk Anansie“ spielte, vollkommen verwaiste. Ich habe splitternackte Männer beim Endspiel gegen Portugal ekstatisch schreiend durch Stuttgart flitzen sehen, während ich mich selbst im Bikini einem Fahne schwingenden Polizisten in die Arme warf und ihn überreden konnte, mit mir im Streifenwagen den Autocorso mitzufahren. Mit Blaulicht. All das kann ich dieses Jahr nicht erwarten, denn in diesem Jahr ist Deutschland - einig Fußballland - nicht der Gastgeber. Deswegen ist mir die WM 2010 egal. Das heißt, als mir eine Freundin aus L.A. gestern erzählte, ihr europäischer Favorit seien die Niederlande, da spürte ich urplötzlich doch wieder dieses Kribbeln im Bauch.

Niklas:
Die WM beginnt. Vier Jahre habe ich auf dieses Event warten müssen. Auf die Tatsache, dass Fußball-Laien wieder fernab vom Fach zu simpeln beginnen, dass sich selbst Frauen Flaggen auf ihre Wangen schmieren und dass ganz Deutschland zu Fußball-Deutschland wird. Alle haben einen Traum, vereint in Wohnzimmern, Biergärten oder beim Public-Viewing - das nächste Sommermärchen steht vor der Tür.

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