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Der Phili-Vollpfosten
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WM Tag 15 - Unwürdige Weltmeister |
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| Italien und Frankreich, die beiden Finalisten von 2006, sind wider Erwarten in der Vorrunde der WM 2010 ausgeschieden. Ein Rückblick auf die Weltmeisterschaft in Deutschland und eine Analyse der Gründe für das Scheitern. |
| Geschrieben von: Niklas König |
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Italien ist raus, ein Nachfolger wird händeringend gesucht © Flickr coda
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WM 2006 in Deutschland: Finale, Italien – Frankreich: In der siebten Spielminute zeigt der argentinische Schiedsrichter Horacio Elizondo auf den Punkt. Elfmeter: Frankreichs Spielmacher Zinedine Zidane läuft an, der dreifache Weltfußballer lupft den Ball rotzfrech an, Italien-Schlussmann Gianluigi Buffon – längst geschlagen, der Ball streichelt die Querlatte, ehe er haargenau hinter der Linie auftippt – ein weiterer genialer Moment eines genialen Fußballers, es steht 1:0. Nur zwölf Minuten später gleicht Marco Materazzi per Kopf aus. In der regulären Spielzeit schaffen es beide Teams nicht, ihre weiteren Chancen in Tore umzumünzen. Verlängerung, die 110. Minute: Die beiden Torschützen unter sich, erst ein harmloses Klammern beider, dann verbale Attacken. Während sich Zidane schon aus dem Staub macht, schickt ihm Meterazzi letzte Liebesgrüße mit auf den Weg. Zu viel für Frankreichs Nummer 10: Zidane dreht sich um, lässt den italienischen Verteidiger auf einen halben Meter an sich herantreten – holt aus, und stemmt seinen Kopf mit aller Gewalt auf die Brust des vorlauten Italieners. Die Rote Karte nimmt der Fußballer von Real Madrid ganz selbstverständlich hin – was soll er auch machen? Nach dieser Aktion.
In den letzten zehn Minuten der Partie passiert fußballerisch nichts mehr: Elfmeterschießen. Außenverteidiger Fabio Grosso läuft zum entscheidenden Strafstoß an, nachdem David Trezeguet bereits vergeben hatte, er trifft. Die Italiener reißen die Hände in die Höhe, die Franzosen lassen die Köpfe hängen. Zwei große Mannschaften, die eine Weltmeister, die andere Vize, überschattet von einer traurigen Aktion eines großen Spielers. Todesgruppen und übermächtige Gastgeber WM 2010 in Südafrika: Während die Italiener in der "Todesgruppe F" versagten, konnten die Franzosen sich nicht gegen Südafrika, Mexiko und Uruguay durchsetzten. Italien und Paraguay trennten sich im ersten Spiel 1:1 – damit konnten wohl beide ganz gut leben. Doch die Fußballgroßmächte Neuseeland und Slowakei warteten bereits auf die Squadra Azzurra. Erstere gingen mit 1:0 in Führung, ehe Italien wenig später durch einen Elfmeter zum 1:1-Endstand ausglich, wie auch sonst. Gegen die weltweit gefürchteten Slowaken sah es schon ganz anders aus. Nach zwei Treffern durch den Ex-Nürnberger Robert Vittek, nach dem selbst Real Madrid schon seine Fühler ausgestreckt haben soll, hieß es am Ende 3:2 für den haushohen Favoriten aus der Slowakei. Die Squadra Azzurra - als Gruppenletzter ausgeschieden. Die Franzosen ihrerseits trafen im ersten Gruppenspiel auf Uruguay – 0:0. Dann musste die Equipe Tricolore gegen Mexiko bestehen, keine Chance: 0:2. Der Elf von Raymond Domenech blieb ein letztes Endspiel gegen Südafrika. Das Team, das nicht nur wegen des Gastgeber-Vorteils und des erfahrenen Trainers Carlos Alberto Perreira gefürchtet ist, sondern vor allem, weil es mit spielerischer Leichtigkeit, ungeheurer Disziplin und technischen Finessen beim 0:3 gegen Uruguay überzeugte. Kein Spaziergang also für Frauenschwarm Franck Ribéry und Co. Am Ende mussten die Franzosen einsehen, dass die Bafana Bafana schlicht und ergreifend eine Nummer zu groß war. Mit 1:2 war man noch gut bedient und konnte durchaus erhobenen Hauptes zurück nach Europa fliegen, ohne sich für die jüngsten Ereignisse schämen zu müssen. Zu alt, zu egoistisch Spaß bei Seite! Man sollte die peinlichen Auftritte zweier großer Fußball-Nationen mit der nötigen Ernsthaftigkeit beleuchten: Die Nummer eins sowie Nummer zwei der letzten Weltmeisterschaft sind ausgeschieden. Warum? Bei Italien ist die Erklärung relativ simpel und liegt auf der Hand. Trainer Marcello Lippi scheute nach 2006 Veränderungen, setzte weiterhin auf die schon in Deutschland (zu) alte Truppe. Die Verteidigung ist ohne Alessandro Nesta und Paolo Maldini ohnehin nicht mehr die, die es mal war. Abwehrchef Fabio Cannavaro ist ein Fußball-Oldtimer, seine „Panini“-Karten haben schon lange Sammlerwert. Zudem fiel Schlüsselfigur und Spielmacher Andrea Pirlo den Großteil der Weltmeisterschaft verletzungsbedingt aus. Um die Gründe der schwachen Leistung der Franzosen zu analysieren bedarf es ebenfalls keinen Doktortitel. Ein in der Öffentlichkeit, sowie bei den Spielern unbeliebter und höchst umstrittener Trainer formte ein Team, welches keines war. Ein Sammelsurium aus Individualisten, aus Egoisten, ja, gar aus Narzissten. Einen Mann ließ er auf der Bank versauern: Thierry Henry, Superstar, Torjäger, Kultfigur und Kapitän zu gleich. Für Domenech trotz mangelnder Alternativen kein Grund, den Angreifer vom FC Barcelona von Beginn an auflaufen zu lassen. Die Mannschaft ist an den hohen Erwartungen, den Eigeninteressen der Spieler und des Trainers, aber vor allem an sich selbst zerbrochen. Man kann nur hoffen, dass sich die diesjährigen Finalisten ihrerseits als würdiger erweisen. Kommentare zu diesem Artikel:
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