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Deck -> Der Phili-Vollpfosten -> WM Tag 18 - Zahme Löwen, träge Dickhäuter
Montag, 28.06.2010
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Der Phili-Vollpfosten
 

WM Tag 18 - Zahme Löwen, träge Dickhäuter

Mit Spannung wurde die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem schwarzen Kontinent erwartet. Zwar blieb das große Chaos aus, enttäuscht hat Afrika trotzdem - rein fußballtechnisch zumindest.
Geschrieben von: Sabine Fink   
Afrikas Fußball-Zeit wird noch kommen © Flickr Daniel Weber
 

Im Büro, beim Bäcker, im Biergarten - überall gibt es nur ein Thema: die Weltmeisterschaft in Südafrika. Und alle Interessierten sind sich einig: Den ganz großen Fußball haben wir noch nicht gesehen. Das Niveau des Turniers lässt über zwei Wochen nach dem Start zu wünschen übrig. Die Finalisten von 2006, Frankreich und Italien, sind in der Vorrunde ausgeschieden und auch Länder wie Brasilien zaubern nicht wie früher. Die größte Enttäuschung aber stellen die afrikanischen Vertreter dar. Dabei wollte sich der schwarze Kontinent bei dieser Heim-WM von seiner besten Seite zeigen, die Welt verzaubern mit bunten Farben und Tröten, guter Stimmung und schönem Fußball. „Ke Nako – Afrikas Zeit ist gekommen“ lautet das Motto dieser WM.

Zahn- und luftlos ins Gefecht


Was kam, war die Zeit des Scheiterns: Von sechs angetretenen Teams schaffte nur Ghana den Einzug ins Achtelfinale. Südafrika schied als erster Gastgeber einer Weltmeisterschaft in der Vorrunde aus und auch für Algerien, Nigeria, Kamerun und die Elfenbeinküste war nach der Gruppenphase bereits Schluss. Drei Siege, fünf Unentschieden und zehn Niederlagen – so die traurige Bilanz von Bafana Bafana und Co. Warum aber traten etwa die „unzähmbaren Löwen“ aus Kamerun so zahnlos auf?

Zwar gibt es jede Menge schwarze Topstars wie Samuel Eto’o aus Kamerun oder die Ivorer Yaya Touré und Didier Drogba, den Teams aber fehlt die taktische Disziplin anderer großer Fußballnationen wie Spanien. Um dieses Manko auszugleichen wurden im Vorfeld der WM erfahrene, ausländische Trainer verpflichtet. Vielleicht war genau das der Fehler.

Der Versuch, den Afrikanern eine europäische respektive südamerikanische Spielweise aufzuzwingen, misslang. Von der Leichtigkeit und der Freude im Spiel, die afrikanische Teams auszeichnet, war nicht viel zu sehen. Stattdessen ging ihnen defensiv die Luft aus und offensiv fehlte der Instinkt für die wichtigen Tore.

Tröte gut, alles gut

Sicher kann man den jeweiligen Fußballverbänden auch mangelndes Zeitmanagement vorwerfen. Der Großteil der neuen Trainer wurde kurz vor knapp engagiert. So trat etwa der Däne Lars Lagerbäck seinen Job bei Nigeria erst im Februar 2010 an und sein schwedischer Nachbar Sven-Göran Eriksson übernahm die Mannschaft der Elfenbeinküste einen Monat später. Wie soll man in drei/vier Monaten ein Team zum Erfolg bringen, für den andere Trainer in jahrelanger Vorbereitung kämpfen? Ein Team, das sich selbst kaum kennt. Denn anders als etwa in der deutschen Elf (sieben Spieler vom FC Bayern München) spielen die meisten Afrikaner bei unterschiedlichen Clubs im fernen Ausland.

Ghana hat übrigens das Achtelfinale gegen die USA in der Verlängerung mit 2:1 gewonnen und sich damit fürs Viertelfinale qualifiziert. Vielleicht kommt also Afrikas Zeit doch noch? Und wenn nicht, gibt es einen kleinen Trost. Ein afrikanischer Vertreter wird uns bestimmt bis ins Finale begleiten: die Vuvuzela.

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