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Deck -> Der Phili-Vollpfosten -> WM Tag 4 - Blow me if you can
Montag, 14.06.2010
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Der Phili-Vollpfosten
 

WM Tag 4 - Blow me if you can

Die Vuvuzela ist inzwischen bekannt als Instrument, das Fans wie Spieler gleichermaßen auf die Nerven geht. Doch nicht zu vorschnell mit der Kritik. Wer versucht, der Terror-Tröte Töne zu entlocken, wird auf arge Probleme stoßen. Ein Selbstversuch.
Geschrieben von: Timm Saalbach   
Terror-Tröten will gelernt sein © Axel Bührmann
 

Meine ist 90 Zentimeter lang und trägt die holländischen Farben. Überhaupt könnte ich mich mit dem orange-blau einer Horde Wohnwagenfahrer anschließen – ein Werbegeschenk eben, und damit den Unternehmensfarben geschuldet. Leider erfüllt sie ihren ureigenen Zweck nicht, zumindest noch nicht. Krachmachen. Ich hab das Ding nach Anleitung zusammengesteckt und wie ein Wilder reingeblasen: nichts, nur heiße Luft, ein abgewürgtes Elend. Also heißt es googeln: „Um die Vuvuzela zu blasen, benötigt man Lippen- und Lungenkraft“ heißt es da. „Sie emittiert einen monotonen Klang wie ein Elefant oder ein tiefes Nebelhorn.“

Ich übe weiter. Kann ja nicht so schwer sein. Übrigens trägt meine Tröte den Namen Fan-Fare, ein Wortspiel des Herstellers. Statt herzhaft zu lachen, puste ich weiter aus voller Lunge in das Plastikinstrument: wieder nichts! Wie machen das diese Südafrikaner bloß? Auf einer Schweizer Internetseite finde ich Entlastung: „Der Gebrauch der Vuvuzela will geübt sein“, so lese ich. „Um der Vuvuzela einen Ton zu entlocken, braucht es ein Fußballer- oder Hockeyherz, aber nicht zwingend eine Radfahrerlunge.“ Ein Smiley verdeutlicht mir, dass ich wohl nicht der einzige bin, der erstmal keinen Ton aus der Nervensäge bringt. Und jetzt wird es esoterisch: „Halte die Vuvuzela mit der kleinen Öffnung an deine Lippen – Dein Mund und die Vuvuzela werden so eins. Nun spitze Deine Lippen und blas, was das Zeug hält.“ Ja, herzlichen Glückwunsch, was versuch ich denn die ganze Zeit?

Optik ist nicht alles


Entgegen einer ihrer attestierten Wortbedeutungen „isiZulu“ für „Krachmachen“ verweigert mir die Ikone des südafrikanischen Fußballs den Dienst. Stattdessen versuche ich mich mit ihr auf intellektueller Ebene anzufreunden, vielleicht hilft das. Bereits in den 90er Jahren wurde die Trompete aus Blech oder Plastik populär, bevor sie 2001 ihren Durchbruch schaffte. Das südafrikanische Unternehmen Masincedane Sport produzierte sie in Massen. Wenn es ums Geschäft geht, darf natürlich auch der Deutsche nicht fehlen: Zwei findige Rheinländer haben sich frühzeitig und exklusiv das Recht zur Produktion und zum Vertrieb für alle Länder der europäischen Union gesichert.

Auch diese wissenschaftliche Annäherung bringt mir wenig, ich mache mir Gedanken über mein Lungenvolumen. Auf einer anderen Internetseite wird mir erklärt, dass die Tröten dreigeteilt und mit einem Schalldämpfer versehen sind. Nun, einen Schalldämpfer benötige ich definitiv nicht. Die Dreiteilung soll den Vorteil bringen, dass durch die verschiedensten Farbkombinationen fast alle Länderdarstellungen möglich sind. Meine Trompete besteht aus nur zwei Teilen, vielleicht liegt es daran. Die ersten Städte, unter anderem Köln, sollen die Fan-Faren bei Public Viewings verboten haben. Dies jedoch nicht, weil in der Jeckenstadt keiner in der Lage ist, einen vernünftigen Ton zu erzeugen. Angeblich gefährden die „lärmenden Riesentröten“ nicht nur die Ohren, sondern auch die Sicherheit der Fußballfans. Daher heißt es aufgepasst liebe Kölner, denn im Extremfall könne ein Verwarnungsgeld von 35 Euro erhoben und die Vuvuzela einkassiert werden. Nun, ich habe meine noch und versuche es ein letztes Mal. Keine Chance. Auch zu dieser WM werde ich also meiner Erregung auf übliche Art und Weise Ausdruck verleihen, sollte es die Gemengelage auf dem grünen Rasen oder an öffentlichen Schauplätzen erfordern.

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