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Deck -> Der Phili-Vollpfosten -> WM Tag 7 - Bunt kickt gut!
Donnerstag, 17.06.2010
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Der Phili-Vollpfosten
 

WM Tag 7 - Bunt kickt gut!

Nicht nur das Spiel hat sich über die Jahre verändert. Auch die Arbeitsmaterialen der Fußballer unterlagen dem Wandel der Zeit. Gerade Spielerfüße sind heutzutage oft in optische Grausamkeiten gehüllt.
Geschrieben von: Timm Saalbach   
Kicken wie ein Känguruh - der Copa Mundial © Flickr nikozz
 

Früher war alles besser? Nein, zumindest aber war früher einiges anders. Etwa Fußballschuhe. Sie waren schwarz und aus Leder. Ein meist weißes Logo verwies auf den Hersteller, später dann hielten die neon-farbenen Signets Einzug. Sie trugen die Namen der Großen der Kicker-Zunft: Beckenbauer oder Maradona etwa. 1979 kam der Copa Mundial aus 100 Prozent Känguruh-Leder auf den Markt – ursprünglich für die WM 1982 in Spanien entworfen – der bis heute meistverkaufte Fußballschuh der Welt. Später dann die Erstausgabe des Predator. Sie lagen eng am Fuß an, boten Stabilität für weite Pässe oder Gewaltschüsse und genügend Sensivität für Trickser. Vor allem aber waren sie massiv, Stollen konnten wahlweise in verschiedenen Stärken aufgeschraubt werden. Für unangenehme Gegner oder tiefes Geläuf nahm man die langen aus Eisen. Zudem sind sie früher kaum aufgefallen, ein Accessoires, das seinen Zweck erfüllte – heimlich, still und leise.

Heute trägt kaum einer der WM-Stars noch den engen Schwarzen. Bunter und greller lautet die Devise rund um den Erdball. Sie sind orange, pink, grell gelb oder leuchtend blau und tragen Namen wie Hochgeschwindigkeitsflugzeuge oder Mega-Blockbuster aus Hollywood: T90 Laser II, Mercurial Vapor Superfly II, F50 adizero TRX oder Powercat 1.10. Ob sie dem optisch-ästhetischen Gesamteindruck des Geschehens auf dem Spielfeld schaden oder ihn aufwerten sei dahingestellt. Franck Ribéry jedenfalls war’s egal. Er warb schon 2008 für rosa Fußkleider seines Herstellers. Zeichentrickheld „Paulchen Panther“ stand in den Werbespots Pate für Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Man stelle sich nur vor, Franz Beckenbauer wäre früher in rosa Schuhen aufgelaufen.

Leichtgewichte aus dem Hightech-Labor

Was ist denn nun der Unterschied zwischen den Fußgewändern früher und heute? Besuch in einem einschlägigen Sportgeschäft. Natürlich bin ich nicht der einzige, der sich in Zeiten der WM für die bunten Schlappen interessiert, vielleicht jedoch einer der wenigen ohne potenzielle Kaufabsicht. Ich nehme mir einen nach dem anderen aus dem Regal, schaue mir Material, Nähte und Verarbeitung an, wiege sie mit den Händen. Ein Verkäufer wendet sich mir zu. Ich stelle ihm meine Fragen, sein unentwegtes Nicken verrät mir, dass ich mit meinen Vermutungen goldrichtig liege: Das synthetische Material ist extrem leicht und glatt, schmiegt sich eng an den Fuß. Dadurch hat man ein sehr gutes Gefühl für den Ball. Durch das geringe Gewicht wird der Fuß schneller und der Schuss härter. Der glatte Überzug über den Schnürsenkeln vermeidet Unebenheiten und sorgt für noch mehr Aerodynamik und Schussgenauigkeit. „Mehr als eine handelsübliche Banane wiegen diese Schuhe wohl nicht mehr“, frage ich. „Richtig“, stimmt er mir zu. „Dieser hier sogar nur 165 Gramm.“ Schraubstollen gäbe es bei den neuen Modellen keine, sagt er schließlich. Die Kunststoffnocken sind asymmetrisch angeordnet, was den Halt auf dem Rasen verbessert. Er schwitzt. Es mag am Wetter liegen. Vielleicht an meinen löchernden Fragen. Schließlich erblicke ich am Ende des Regals tatsächlich zwei schwarze Artgenossen und vermute Retro-Alarm. Es sind der besagte Copa Mundial und ein alter Bekannter, den ich - ehrlich gesagt - hier nicht erwartet hätte: Ich nehme das Exemplar Kaiser 5 aus dem Fach und weiß wieder, wie sich Fußball damals angefühlt hat.

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