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Deck +++ Videos +++ Deutschlands neue Hemdsärmeligkeit
Freitag, 24.09.2010 Kommentare (1)
 
Weekender Woche 38
 

Deutschlands neue Hemdsärmeligkeit

Dank Thilo Sarrazin wissen wir: heute zählt, was provoziert. Das hat in dieser Woche auch Sigmar Gabriel erkannt und bemüht sich jetzt um die nötige Street Credibility für den täglichen Politkampf. Wir empfehlen dem Eisbären-Knuddler wärmstens, sich vorher das neue Album von "Die Antwoord" anzuhören.
Geschrieben von:   
Sigmar Gabriel verschärft den Ton © SPD in Niedersachsen


Da hat Sigmar Gabriel also mal so richtig den Mann raushängen lassen: „Wer auf Dauer alle Integrationsangebote ablehnt, der kann ebenso wenig in Deutschland bleiben wie vom Ausland bezahlte Hassprediger in Moscheen“, verkündete der SPD-Chef diese Woche ganz Hassprediger-like. „Moooment!“, mag sich da jetzt manch einer denken. War nicht Gabriel der Typ, der Thilo Sarrazin ob eben solch wenig durchdachter Äußerungen hochkant aus der SPD werfen lassen wollte? Ganz genau. Der war das. Bleibt die Frage nach dem „Warum?“ und dazu muss man sich lediglich mit zwei Schulfächern auseinandersetzen: 1. Biologie (da sei allerdings Vorsicht angeraten, denn gerade der Bereich der Genetik sollte Experten vorbehalten bleiben) und 2. Geschichte.

Eisbär-Onkels und Selbstbedienungs-Klitschen

Aus ersterer lernen wir folgendes aus dem Kapitel „Rudelverhalten“: Das coolste Tier im Rudel (also das Alpha-Männchen) ist das mit dem dicksten Fell (oder dem dicksten Schnauzer) und zugleich das mit den dicksten Eiern (respektive mit den gewagtesten Argumenten). Weil jetzt aber Thilo Sarrazin der eigentliche Leitwolf ist, hat Sigmar Gabriel ein Problem: ein Image-Problem. Nicht nur wirkt er neben dem schneidigen Sarrazin und seinem agressiven Oberlippenbart optisch ein wenig plump, nein, auch sein Auftreten attestiert ihm eher Wachtel- denn Bulleneier.

Die Gründe hierfür finden sich in Fach Nummer zwei - der Geschichte. Und zwar in der persönlichen Geschichte des Sigmar Gabriel. Einem Typen, den der Kollegenkreis nie so richtig ernst nehmen konnte. Gabriel ist kein politischer Draufgänger, kein Helmut Schmidt, kein Joschka Fischer und schon gar kein Jürgen Möllemann. Sigmar Gabriel ist eher der nette Onkel. Der, den man mal zum Popbeauftragten der SPD gemacht hat und der daraufhin gerne als „Siggi Pop“ verspottet wurde. Und dann gibt es noch etwas, das Gabriel völlig unmännlich erscheinen lässt: Er ist nach wie vor Patenonkel des einst so knuffigen Eisbären Knut. Einen Eisbären würde Thilo höchstens tot auf dem Kopf tragen.

So macht Siggi jetzt also ein wenig auf Two Face. Mal lächelt er pausbackig und lieb in die Kameras und sagt ab und an sogar ganz vernünftige Dinge. Auf der anderen Seite hat er erkannt, dass der Ton, den Deutschlands Politiker anschlagen wieder schärfer werden muss. Das Volk will das so, es hat schließlich genug von drögem Gelabere. Hemdsärmligkeit ist wieder gefragt in der Republik und die bedient jetzt eben Sigmar Gabriel - bevor es andere tun.

Was sonst noch geschah:

Ebenfalls hemdsärmelig geben sich Deutschlands Politiker wenn es um Hartz IV und die Regelsätze geht. Am liebsten würde man die Stütze kürzen, wo es nur geht. Verwunderlich ist aber die Tatsache, dass man im gleichen Atemzug den Mitarbeitern der Hypo-Real-Estate Boni in Höhe von 25 Millionen Euro zugesteht. Wo die Bank doch ebenfalls nur von der Stütze lebt. Egal, sei es drum, auf diesen ganzen Politik-Zirkus haben wir jetzt nämlich „Die Antwoord“:

Die Andwoord - $O$

Seit Anfang des Jahres spuken die drei südafrikanischen Musiker als das Viral-Phänomen des Jahres durch sämtliche Blogs und youtube-Kanäle, und auch ein Teil der Philibuster-Redaktion ist mittlerweile heiß verliebt in diese Combo, die mit den Elementen des White Trash so sehr kokettiert, dass es fast schon Augenschmerzen verursacht. Die Konstruktion des „Fake“ aufs Korn nehmen und dabei Korn trinken – so könnte man die Lebensaufgabe der satirischen Hip Hopper definieren. Ihre Musik-Clips schwanken zwischen peinlich, unästhetisch und unheimlich, man guckt ratlos auf diese bis ins kleinste Detail ausgefeilte auf hip gemachte Häßlichkeit und denkt sich: Diese Menschen haben die Durchführung eines höheren Plans im Sinn – nur weiß keiner, wie dieser aussieht.

„Zef“ nennen „Die Antwoord“ ihren Style, und das heißt umgangssprachlich aus dem Afrikaans übersetzt so viel wie „Hinterwäldler“ oder „Prolet“ – und auf die penible Umsetzung dieser namentlich vorgegebenen Richtung wird großer Wert gelegt. Angefangen bei den peinlichen Künsterlpseudonymen „Ninja“, „Yo-Landi Vi$$er“ und „DJ Hi-Tek“ bis hin zu den overstylten Poor-Suburbia-Klamotten und Fremdschäm-Frisuren – nichts wird dem Zufall überlassen. Nach grandiosen Klick-Erfolgen im Netz erscheint nun demnächst und heißersehnt das erste Album der „Antwoord“ mit dem einprägsam klingenden Titel „$0$“. Darauf treffen sich altmodische Elektro-Beats und Regionalanleihen zum wilden Ghetto-Rave. Alles in allem ein absolut gelungenes Werk, das quasi die Ära des „Nu Hip Hop“ einleitet. Wir verweisen vorab auch auf die aktuelle EP "5", da das Album offiziell erst am 12. Oktober erscheint. Im mittlerweile legendären Clip zum Viral-Hit "Enter The Ninja", spielt übrigens auch der prominente südafrikanische Künstler Leon Botha mit. Dem Musiker, der an der seltenen Krankheit Progerie leidet, werden wir in der nächsten Woche unsere besondere Aufmerksamkeit widmen. In diesem Sinne: Schönes Wochenende!



Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von The Duke, September 24, 2010

Siggi
... da hat er es also auch endlich geschnallt. Wer politisch wahrgenommen werden will, muss - zu deutsch - so richtig auf die Kacke hauen. Ob das jetzt Versprechen sind "Die Rente ist sicher" oder Utopien "Die Arbeitslosigkeit muss weg" oder eben platte Parolen à la: "Wer sich nicht integrieren will, fliegt raus". Falls Gabriel damit auf die Nase fallen sollte, kann er sich einfach Angela Merkel zum weiteren Vorbild nehmen und die Sache ganz einfach aussitzen. Am nötigen Sitzfleisch sollte es ihm ja nicht mangeln.
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