Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Videos +++ Lang lebe König Guttenberg!
Freitag, 15.10.2010 Kommentare (4)
 
Weekender Woche 41
 

Lang lebe König Guttenberg!

Was wäre Deutschland doch für ein schönes Land mit einem schneidigen Monarchen. Wie gut, dass sich Karl-Theodor zu Guttenberg jetzt anschickt, den deutschen Thron im Sturm zu nehmen. Wer statt Kasperletheater lieber echte Könige bevorzugt, dem sei zum neuen Album der "Kings of Leon" geraten.
Geschrieben von:   
Adel verpflichtet © Ole Reißmann / Philibuster


Der König ist tot. Schon lange. Der Kaiser wird heute höchstens noch mit – wiederum König – Fußball in Verbindung gebracht. Kurzum: aus Deutschland kann überhaupt nichts werden, uns fehlt schlicht das, was Spanien, Schweden oder Großbritannien so einzigartig macht: die repräsentative Demokratie.

Karl-Theodor zu Guttenberg - der deutsche Monarch

Gut, wir hatten Repräsentanten. Wir hatten Helmut Kohl, der wäre denn aber eher als genussverwöhnter Cäsar oder Medicus durchgegangen, denn als Monarch. Er hätte auf einer Sänfte gelegen, sich von zarten Jünglingen Saumagen auf Feigenblättern kredenzen lassen und ganz nebenbei die Wiedervereinigung durchgewunken. Das Volk verlangt nach Einigkeit? So gebt ihm, wonach ihm gelüstet – und vergesst den Kuchen nicht.

Wir hatten Gerhard Schröder, die Ein-Mann-Oligarchie, den smarten Kumpeltypen, der sich zu nichts zu schade war. Der Prototyp eines starken Monarchen. Hätte er sich nur strikt an sein erstes Eheversprechen gehalten und sein Land nicht an einen Haufen geschäftstüchtiger Moskauer Alchemisten verkauft, die heiße Luft in einen gasförmigen Aggregatszustand überführen und hinterher in Gold verwandeln.

Wir haben Merkel, die starke Frau, der es mit ein wenig mehr Gespür für ihre Untertanen zur Ehre der glanzvollen Herrscherin gereichen würde. Eine Frau, die mit der Aufopferungsgabe einer Sisi und dem eisernen Willen einer Elizabeth II. die Deutsche Geschichte nachhaltig verändern könnte. Einzig am Glanz und an der Entschlussfreudigkeit mangelt es der Fürstin aus dem Ostreich. Und dann wäre da noch ihr etwas blässlicher Gemahl, der – oh weh – noch nicht einmal denselben Nachnamen trägt. Unverzeihlich.

Guttenberg und das Ende des RTL-Adels

Welch ein Glück also für Deutschlands Monarchie-Bestrebungen, dass uns mit Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg solch ein Prachtjunge ins Nest gelegt wurde. Ein schneidiger Scheitel-Monarchist der mehr Vornamen trägt, als sich Astrid Lindgren für Pippi Langstrumpf jemals hätte ausdenken können. Ein Mann, der all das mitbringt woran es den bisherigen KandidatInnen mangelte: Einen astreinen Stammbaum, mit Stephanie zu Guttenberg eine starke Frau samt straff organisiertem Familienleben, weltmännische Bildung, Volksnähe und ganz wichtig: einflussreiche – ebenfalls adelige - Freunde.

Die haben allen Grund, sich bei zu Guttenberg zu bedanken. Hat er sie doch von ihrem Hofnarren-Ruf befreit, den sich Foffi und Frederik von Anhalt über die Jahre in zahlreichen RTL-Formaten mühevoll erarbeitet haben. Der gewonnene Eindruck „Adel unterhält“ weicht wieder der traditionellen Formel „Adel verpflichtet“. In dieser Pflicht fühlen sich nun auf der einen Seite der – als nächster Kanzler heißt gehandelte – Karl-Theodor und auf der anderen Seite die monarchietreue Journallie – allen voran BILD -, die das Überpaar der „Sehrguttenbergs“ in ungeahnte Höhen stilisiert: Seht her! Wenn es so etwas wie den Prototypen eines guten Lebens gibt, dann hier bei den zu Guttenbergs, den Bewahrern deutscher Tradition. Da leuchtet es auch ein, dass man die Wehrpflicht abschaffen muss. Wer will sich als König schon mit einer Garde umgeben, die das Kampftrinken dem Kampf fürs Vaterland vorzieht? Schneidig wird es werden, wenn Karl-Theodor erst über Deutschland herrscht und seine Gemahlin den Thron über das Internet besteigt. Dann gibt es auch allen Grund für ein Revival der ungeliebten Vuvuzelas, aus denen dann voll die Fanfaren erklingen. Lang lebe der König! Lang lebe Guttenberg!

Kings of Leon - Come Around Sundown

Und während sich Deutschland noch bis 2013 gedulden muss, ergreifen zum heutigen Tage vier andere Könige die Macht: die Kings of Leon. Als sich die drei Brüder (plus Cousin) aus Nashville im Jahre 2003 gegen das Hipstertum aus New York und London erhoben, standen ihre Chancen, auf dem Musikmarkt Erfolg zu haben, mehr schlecht als recht. Zu seltsam muteten die Followills an, ihre rückständige Redneck-Optik, ihre schlichten Holzfellerhemden und Bärte waren schlicht: zu 90ies.

Doch gerade dieser hemdsärmelige Retro-Touch machte sie authentisch, war mehr „Indie“ als es die versnobten Wohlstandskinder der Strokes jemals sein würden. Dazu hatten sie – dank Calebs unverwechselbarer Stimme – einen ganz eigenen Sound, der sich irgendwo zwischen dem Southern Rock von Lynyrd Skynyrd und klassischem Blues bewegt. Zusammengefasst: Sie waren das, was viele Bands der Nullerjahre nicht waren: einzigartig. Der Erfolg gab ihnen spätestens zu ihrem letzten Album „Only By The Night“ Recht. Gleich zwei Hitsingles „Use Somebody“ und „Sex On Fire“, die zu Clubhits avancierten und sogar den Sprung ins Formatradio schafften, während die Strokes mittlerweile in der Bedeutungslosigkeit versunken waren.

Das jetzt erschienene „Come Around Sun“, klingt stellenweise wie der direkte Nachfolger zum bislang größten Erfolg der Band und wird damit sowohl zum Segen als auch zum Fluch. So ist es den Kings ein Leichtes, bereits im Vorfeld eine ordentliche Stückzahl des Albums abzusetzen, sind doch die Erwartungen entsprechend groß. Aber gerade die Erwartungshaltung der Fans limitiert gleichzeitig die einst so ungezwungene Musik der einstigen Farmerboys. Einmal in den Stadien der Welt angekommen, fällt der Schritt zurück zum reduzierten Stil des Debüts „Youth And Young Manhood“ schwer. So ist auch zu erklären, warum viele Songs von „Come Around Sun“ auch auf einer Doppel-CD mit „Only By The Night“ befinden könnten. „The End“, „Radioactive“ und „Pyro“ sind Beispiele dafür. Aber trotz der Anlehnung an das Vorgänger-Werk, schaffen es die Followills auch aus ihrem engen Korsett auszubrechen und zeigen mit „Mary“, „Back Down South“ und dem fast schon entspannten „Beach Side“ eine für die Kings of Leon ungewohnt sorgenlose Seite. Die großen Hits sucht man auf „Come Around Sun“ auch nach mehrmaligem Hören vergebens, dafür erhalten Fans der Kings ein Album das sich nahtlos in die Riege der letzten Werke einreiht. Auch wenn die Pferde der Könige aus Tennessee ein wenig müde erscheinen und in Anbetracht des schnellen und langen Parforceritts der letzten Jahre: es sei ihnen vergönnt, für dieses Album in eine gemäßigtere Gangart zu fallen.

Das aktuelle Video zur ersten Single "Radioactive" lässt sich übrigens hier bewundern.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tatva, Oktober 15, 2010

Der Guttenberg ...
... sollte sich meiner Meinung nach keine Krone aufsetzen, sondern viel eher eine Narrenkappe. Was Bild und Co. da aus dem Superpaar der Neocons machen, lässt sich ja eher als Satire bezeichnen, denn als Berichterstattung. Nur weil der Herr Minister mal AC/DC aufgelegt hat, bringt ihn das nicht näher ans Volk.
geschrieben von Margareth Gorges, Oktober 15, 2010

...
Deutschlands Geld- und Machtelite: Aristokratie verpflichtet, die Guttenbergs.

Bernd Engelmann zur Geschichte der Guttenbergs:
Auch sie sind von uraltem Adel, hatten - wie eine Sammlung in Oberndorf Kreis Höchstadt, die freiheitliche >Bauernschinderei, Volksausbeutung und unmenschliche Ausnutzung von Leibeigenschaft und Frondiensten< sowie die dabei benutzten Folterwerkzeuge betreffend, noch heute beweist - erheblichen Nutzen aus den Folgen des Bauernkrieges, waren schon vor dem Ersten Weltkrieg Goldmark-Multimillionäre und sind heute der Milliardärsklasse zuzurechnen, nahmen im Königreich Bayern einen erblichen Sitz in der Kammer der Reichsräte ein und haben seitdem an politischen Einfluss noch erheblich gewonnen. Ihr Sippenvertreter im Reichsrat von 1913 war Dr. Maximilian Freiherr von und zu Guttenberg.

hier weiterlesen - UND DANN SELBERDENKEN .......!
http://www.scharf-links.de/57....9c8e9d5f2d
geschrieben von Magdalena, Oktober 17, 2010

Garnichtguttenberg, ist das
Erschreckend ist in diesem Zusammenhang, dass die konservativen Ansichten der Guttenbergs ja so ziemlich alles in Frage stellen, was seit 68 erkämpft wurde. Und eine First-Lady, die sich die Reinheit des Internets auf die Fahnen schreibt, na danke! Deutschland, einig Elitenland.
geschrieben von RadicalRoyalist, November 11, 2010

Die Politik kritisieren, nicht die Herkunft
Flott geschrieben, gebe ich zu, aber auch eine Satire sollte einen realistischen Grund haben, von dem sie ausgeht.

Da stellt sich zuvorderst die Frage, wo "Deutschlands Monarchie-Bestrebungen" sich an Reichsfreiherrn von und zu Guttenberg ergötzen. Gibt's da ein Zitat? Eine Internetreferenz, die diese Behauptung vielleicht belegen könnte?

Der Adel als Stand wurde 1919 für abgeschafft erklärt. Also gilt der Adelstitel lediglich als Namensbestandteil. Dafür kann der Namensträger von 2010 nichts. Und schon gar nichts kann er für die Zahl der Vornamen oder nach welchen Regeln sie vergeben wurden. Das haben die Eltern zu verantworten und nicht das Kind, dem sie mitgegeben wurden. Rege ich mich auf, daß ich lediglich einen Vornamen trage? Nein! Bin ich neidisch, wenn jemand mit neun Vornamen bedacht wurde? Auch wieder nein! Sagen die Vornamen etwas über die politische Einstellung des Namensträgers aus? Auch nicht, höchstens über die der Eltern.

Bislang hat Reichsfreiherr von und zu Guttenberg Kanzlerambitionen verneint, aber das muß bei einem Politiker nichts besagen. Warum sollte er nicht auf das Kanzleramt abzielen? Steht diese Ambition nicht allen deutschen Staatsbürgern zu? Sollte sie ausgerechnet einem CSU-Mitglied aus Franken abgesprochen werden?

Darüber hinaus gibt es keine Aussage des Bundesverteidigungsministers bezüglich einer Erbmonarchie. Hier unterscheidet er sich von seinem Großonkel, Karl Ludwig Reichsfreiherr von und zu Guttenberg, der für seine monarchistische Überzeugung 1944 verhaftet wurde. In der Nacht vom 23. auf dem 24. April 1945 wurde von Guttenberg zusammen mit zwei weiteren Mitgefangenen, dem einstigen Botschaftsrat Albrecht Graf von Bernstorff und dem früheren Reichstags- und Landtagsabgeordneten Ernst Wilhelm Schneppenhorst, aus dem Berliner Gefängnis Lehrter Straße abgeholt. Alle drei Männer wurden vom SS-Begleitkommando meuchlings ermordet. Wo und wie die grausame Tat durchgeführt wurde, ist bis heute unbekannt.

Macht dies den heutigen Politiker zu Guttenberg verdächtig? Ich kann das nicht erkennen. Vielmehr denke ich, daß man die Politik des Bundesverteidigungsministers kritisieren soll und nicht seine Abkunft.
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden


Neueste Beiträge

Meistgelesen