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Deck -> Kolumnen -> Weekender -> Zum Gedenken an Loki Schmidt
Freitag, 22.10.2010
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Weekender Woche 42
 

Zum Gedenken an Loki Schmidt

Die Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt starb in dieser Woche. Eine Würdigung, die zur Abwechslung auch mal ganz ohne Musik auskommt.
Geschrieben von: Nadia Shehadeh   
Mehr als nur eine Kanzlergattin - Loki Schmidt © Ferdinand Haschner / Philibuster


Nähme man Loki Schmidt nur als die „Frau von“ wahr, wie das bei den Guttenbergs momentan noch der Fall ist, würde man ihr kaum gerecht werden. 68 Jahre war sie mit Helmut Schmidt verheiratet – eine Zeitspanne, in der die Leben zweier Menschen so untrennbar miteinander verbunden sind, so dass eine isolierte Betrachtung hinfällig wird. Es gab kaum ein Gespräch, kaum einen Vortrag, in dem Helmut Schmidt nicht von seiner Loki erzählte.

„Knicksen ist nichts für mich“

Wie bei seinem Vortrag über Japan in Berlin, einen Tag vor ihrem Tod. Es ging um die gottähnliche Stellung des japanischen Kaisers, als Schmidt just eine Anekdote einfiel: „Meine Frau und ich, wir machten in den 1970er Jahren einmal einen offiziellen Besuch in Tokyo, und der Tenno gab uns ein Essen. Vorher hatten sowohl der japanische als auch der deutsche Protokollchef meiner Frau die Regel eingeschärft, nach der niemand den Tenno anreden dürfe, es sei denn, der Kaiser selbst begönne das Gespräch“, erzählte Schmidt, und ließ dann erheitert und fast ein bisschen stolz die Pointe los: „Meine Frau, die links vom Kaiser saß, hat sich an die Regel nicht gehalten.“

So war Loki Schmidt: Authentisch, gerade heraus, sympathisch. „Knicksen ist nichts für mich“, sagte sie einmal, und damit fiel sie ein bisschen heraus aus dem Zirkus der Ehefrauen der Mächtigen und der Monarchen.

Eine Verbindung mit Kultstatus

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, studierte sie Pädagogik und wurde Volks- und Realschullehrerin. Ihrem Mann finanzierte sie das Studium der Volkswirtschaft, womit sie einen der wichtigen Grundsteine für Schmidts politische Laufbahn legte. Auch während und nach der Kanzleramtszeit blieb sie bescheiden, engagierte sich als Botanikerin im Pflanzenschutz und gründete später die „Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen“. Irgendwann „beichtete“ sie augenzwinkernd, dass ihr die Rolle der Kanzlergattin dabei auch ganz recht war: „Ich habe ja in der Bonner Zeit, wie soll ich sagen, das Amt meines Mannes ein bisschen ausgenutzt, um Gehör zu finden.“ Auf eine kleine Lehrerin hätte ja „sonst keiner gehört“. Diese kleinen Anekdoten zeigen, wie sehr sich das Paar die Bälle zuspielte.

Fast schon zusammengeschweißt führten die Schmidts ihre nahezu symbiotische Ehe, sie pflegten gemeinsam fast schon legendäre Angewohnheiten wie das passionierte Rauchen, das sie jedes Rauchverbot ignorieren ließ und das zu den WDR-Sketchen um „Loki und Smoky“ inspirierte. Spätestens damit erreichte die Verbindung der Schmidts Kultstatus.

Kurz vor ihrem 91. Geburtstag in diesem Jahr wünschte sich Loki noch für sich und ihren Mann, dass „wir beide gleichzeitig davongehen". Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung – sie ging allein.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von altkanzlerfan, Oktober 22, 2010

...
Ein ganz großes Paar, ein großer verlust. Helmut Schmidt ist das Beste zu wünschen.
geschrieben von Magdalena, Oktober 22, 2010

R.I.P. Loki
Loki Schmidt war eine tolle Frau und Loki und Smoky ein amüsantes Format. Wer kann heute schon noch behaupten, dass er seit über 68 Jahren mit seiner Frau zusammen ist? Hut ab vor dieser Leistung und diesem Paar. Deutschland trauert und der Himmel hat ein paar (Rauch-)Wolken mehr. Mach's gut, Loki!
geschrieben von dampfloki, Oktober 22, 2010

...
Vor allem ein absolut wohltuendes Paar im Selbstdarsteller-Zirkus der Politiker. Authentisch und ehrlich - ohne auf Schauspielerei vor der Kamera zu setzen. Wenn man sich Helmut Schmidt anhört - da sitzt jedes Wort. Ich hoffe Helmut bleibt uns noch lange erhalten.
geschrieben von Arno Krüger, Oktober 25, 2010

...
Liebe Frau Shehadeh,
bisher hielt ich Sie ja für eine Rauschnauze, aber ich muss sagen, Sie schreiben auch sehr gelungene Nachrufe. Schlagen da vielleicht zwei Herzen in Ihrer Brust?
geschrieben von Janine, Oktober 26, 2010

...
Loki Schmidt war eine beeindruckende Frau und Deutschland kann stolz auf sie sein. Mit 91 hat sie ein erfülltes Leben geführt. Jedoch hoffe ich, dass ihr Mann Helmut Schmidt die Kraft aufbringt, ihren Tod zu verkraften.
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