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Deck +++ Videos +++ Eine Ansage für Assange
Freitag, 03.12.2010 Kommentare (2)
 
Weekender Woche 48
 

Eine Ansage für Assange

Der WikiLeaks-Chef Julian Assange gilt als neuer Staatsfeind Nummer 1 in den USA. Warum aber zur Hölle verkennen gerade die Deutschen die Bedeutung des Whistleblower-Masterminds für Freiheit und Demokratie? Ein Plädoyer für einen smarten Underdog.
Geschrieben von:   
Julian Assange - der Staatsfeind Nummer 1 © Flickr espenmoe / Philibuster


Es sind die heldenhaften, fast schon romantischen Taten von investigativen Journalisten und ihren Whistleblowern, die Generationen von Lohnschreibern ermutigten, ihren – damals – hoch angesehenen Beruf zu ergreifen. Woodward und Bernstein, die 1972 die Watergate-Affäre publik machten, werden heute noch als Prototypen dieser Gattung von Journalisten gesehen, die durch Hartnäckigkeit, Spürsinn und den geschickten Einsatz von Informationen zur vierten Macht im Staate avancierten.

Auf zur fröhlichen Hexenjagd

Nach diesen Standards müssten Julian Assange und seiner Whistleblower-Plattform WikiLeaks von der Bevölkerung höchste Anerkennung entgegengebracht werden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: In Assange haben die USA einen neuen Staatsfeind gefunden, einen, der ihrem System der Vertuschung und gezielten Fehlinformation einen Strich durch die Rechnung macht und gnadenlos offenlegt, was niemals für die Augen und Ohren einer breiten Öffentlichkeit bestimmt war: Geheimdokumente über mordende Soldaten im Irak, Afghanistan und jetzt die interne und streng vertrauliche Kommunikation der US-Diplomaten. Wie unsouverän die US-Regierung mit dieser Affäre umgeht, verdeutlicht die Hexenjagd auf Assange und die geplante Anklage wegen Spionage.

Und auch in Deutschland erstaunt das Echo auf die Veröffentlichung der Depeschen. So kommt eine Online-Umfrage der BILD zu dem – für BILD-Verhältnisse erstaunlichen - Ergebnis, dass 52 Prozent von über 165.000 Lesern die Veröffentlichung der Dokumente für sinnvoll befinden. Ein gänzlich anderes Bild aber zeichnen die Umfrageergebnisse des ARD-DeutschlandTrends, wo sich 53 Prozent der Befragten gegen die Existenz eines Portals wie WikiLeaks aussprechen. 

Von der Schlechtigkeit der Welt

Sollten mündige, aufgeklärte Bürger eines demokratischen Landes nicht anders reagieren? Gerade die Deutschen sind für Ihren Hang zum Gemecker berühmt. Was die Politikerkaste auch beschließt, der Deutsche weiß immer alles besser, schreit nach Gerechtigkeit und immer wieder nach Transparenz. WikiLeaks ist bemüht um diese Transparenz, die den einfachen Bürger (gerade in den USA) aber heillos zu überfordern scheint. Woran soll man bitte noch glauben, wenn einem der plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, auf dem man sich bislang so sicher wähnte? Mit einem Mal ist der amerikanische Traum nicht mehr als ein fragiles Gerüst aus Lügen und Intrigen, das nur durch den massiven Einsatz von Propaganda aufrechterhalten werden kann.

Warum aber  - und diese Frage lässt mir keine Ruhe – werden die Inhalte der Depeschen, die zweifellos enormes Sprengpotenzial besitzen, hierzulande kleingeredet und  auf die Meinung über deutsche Politiker reduziert? Warum schreiben angesehene Geister wie der "The European"-Chefredakteur, Alexander Görlach, den Coup in Grund und Boden? Lieber diskutiert Deutschland die gandalfeske Frisur des Investigativ-Phantoms Assange, anstatt ihm ein Denkmal zu bauen, wie das Blogger Don Alphonso zu Recht fordert. Endlich wagt einer den Aufstand und legt offen, was uns eigentlich alle anginge. Ob man das nun aus Bequemlichkeit wissen will, steht auf einem anderen Blatt Papier – dass die Welt schlecht ist, ist im Westen ja nichts Neues.

Nächster Halt, Legendenstatus

Roberto de Lapuente hat sich ebenfalls zum Thema Assange geäußert und kritisiert die bildliche Darstellung des WikiLeaks-Chefs. Seiner Meinung nach kriminalisierten deutsche Medien seine Person durch die gezielte Auswahl von Bildmaterial, das Assange stets als undurchsichtige, zuweilen unsympathische und gefährliche graue Eminenz eines zwielichtigen Apparates zeigt. Diese Darstellung, so de Lapuente mache es einfacher, Assanges geplante Verhaftung zu rechtfertigen. Ein interessanter Gedankengang, doch mag ich mit dieser Ansicht nicht konform gehen. Fragt sich eher, was Assange mehr hilft: eine Darstellung als Opfer und Spielball der Regierungsapparate und Geheimdienste oder ein romantisches Image vom smarten Underdog, der das System Weltpolitik vorführt und dabei so weit geht, sein Leben aufs Spiel zu setzen? Da kommen die Vorwürfe, Assange sei in Schweden in einen Sexskandal verwickelt, doch gerade recht. Jeder Staatsfeind hat so seine Bagatelle oder Unachtsamkeit, die ihn am Ende zu Fall bringt. Bei Al Capone war das Steuerhinterziehung, bei John Dillinger Verrat. Im Fall Assange wären es die Aussagen zweier schwedischer Damen, die ihm erzwungenen, ungeschützten Geschlechtsverkehr vorwerfen und ihn die Freiheit (und wer weiß was noch) kosten könnten. Für die Legendenbildung sind diese Tatsachen sicherlich förderlich, vorteilhafter und aufrichtiger wäre aber die Geste eines Staates, Assange politisches Asyl zu gewähren. Diese Vorstellung erscheint aber wohl nicht nur mir zu romantisch.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von S.G, Dezember 04, 2010

*kopfschüttel*
Nun, da sind ja bei der ARD ganze 5% mehr dagegen.
Wenn man dann mal bedenkt das die Zielgruppe der ARD zu 20% noch
nichtmal Internet hat, spricht das doch noch mehr FÜR Wikileaks.

Aber " ein gänzlich anderes Bild " ist hier wohl der falsche Ausdruck!

*kopfschüttel*
geschrieben von tucktuck, Dezember 04, 2010

...
Natürlich sympathisieren viele mit Assange, aber nur, weil sie die lustigen Witz-Enthüllungen über unsere deutschen Politiker so charmant finden. Ich meine, dass selbst der SPIEGEL mehr auf den Spaß-Faktor der Depeschen abzielt - das sagt doch alles. Deswegen sage ich auch: Denkmal. Denn die Tragweite der Wikileaks-Enthüllungen ist größer als jeder Lache über Merkel-Teflon. Deswegen steht ja - so denke ich jedenfalls - im Text auch: "Verkennung". Wichtiges Wort!
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