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Weekender Woche 1
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Tunesien erlebt den Bürgerkrieg |
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| Auch im aktuellen Weekender liefern wir einen Blick auf Tunesien, wo sich grad die mittlerweile bürgerkriegsähnlichen Zustände überschlagen. |
| Geschrieben von: Nadia Shehadeh |
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Der Orient glitzert nicht mehr - er brennt © Philibuster
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Aus Sit-Ins wurden Demonstrationen, aus Steinen Molotowcocktails, aus prügelnden Polizisten anrollendes Militär: Tunesien brauchte nur wenige Wochen, um den Status des kompletten Ausnahmezustands zu erreichen. Über die Zahl der Toten kann momentan jedoch nur spekuliert werden: Mindestens acht Menschen sollen in der letzten Woche umgekommen sein; andere Quellen sprechen von bis zu 20 getöteten Demonstranten. Tunesien am Point of no return „Niemals“, so berichtet uns via Facebook Aboubaker Bouras, ein Jungakademiker aus Tunis, „hätten wir vor einigen Wochen geglaubt, dass Proteste solchen Ausmaßes in Tunesien möglich sein könnten.“ Allerdings habe sich noch kein Gefühl der „Erleichterung“ eingestellt: „Natürlich sind alle Tunesier jahrelang unter negativem Druck gewesen, vor allem die jungen Leute. Und jetzt scheint alles, was jahrelang unter den Teppich gekehrt wurde, aus den Leuten herauszubrechen. Trotzdem haben wir aber Angst davor, dass es der Regierung gelingt, die Proteste mit brutaler Gewalt einzudämmen - und dass dann keine großen Veränderungen mehr möglich sein werden. Der Kampf für mehr Freiheit kann hier jeden Tag zu Ende sein, wobei wir alle stark davon ausgehen, dass dennoch aufgrund der jetzigen Ereignisse die Amtszeit des Präsidenten spätestens 2014 vorbei sein wird. Ansonsten kann man davon ausgehen, dass bis zum bitteren Ende weiter protestiert wird. Die Leute haben genug von Repressionen, Unfreiheit und Staatskontrolle. So gesehen hat Tunesien also so etwas wie den Point of no Return erreicht.“ Der Kampf um die Menschenrechte Zumindest die Weltöffentlichkeit ist mittlerweile gezwungen, nicht länger den Blick abzuwenden und die Situation in Tunesien wahrzunehmen: Die Berichterstattung steigt – auch in Deutschland - stetig an. Dennoch – das Grundinteresse der Rezipienten-Mehrheit scheint weiterhin eher gering zu sein. Vielleicht hängt dieses Phänomen aber auch mit dem Sachverhalt zusammen, dass das Bedürfnis nach Freiheit, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit irgendwie noch immer als primär okzidentales Privileg angesehen wird. Erinnern wir uns an dieser Stelle also daran, dass es bei der Revolte in Tunesien um den Kampf um universelle und jahrelang massiv beschnittene Menschenrechte geht, und dass Tunesien mehr ist als ein attraktives Urlaubsland mit devotem Tourismus-Personal. Deswegen empfehlen wir heute mal tunesische Indenpendent-Musik vom Feinsten und präsentieren Badiâa Bouhrizi, bei der wir uns an dieser Stelle auch für stetige Information via Facebook in den letzten Wochen bedanken möchten. Wenn Nachrichtenportale und Politiker versagen, ist zumindest auf die Künstler Verlass. In diesem Sinne: Habt ein schönes, friedliches Wochenende und fühlt Euch gemocht. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Hannibal,
Januar 13, 2011
Fotos von Nabeul 13.01
Hier paar Fotos von den Schäden in Nabeul. Wobei sie bei weitem nicht alles aufzeigen:
http://www.facebook.com/album.php?aid=2072920&id=1337079916&l=77351c9c2b
geschrieben von Hannibal,
Januar 14, 2011
Das Volk hat gesiegt
Da der Präsident alle Forderungen nachgegben hat, ist es nun vorbei. Nach seiner Fernsehrede gingen die Leute auf der Strasse und feierten.
Er wird nach dieser Legislaturperiode nicht mehr antreten. Die Lebensmittelpreise werden gesenkt. Mei...nungs- und Pressefreiheit werden eingeführt. Das Inet wird nicht mehr zensiert. Die Gefangenen des Aufstandes werden freigelassen. Der Korruption wird nachgegangen....
geschrieben von Hannibal,
Januar 14, 2011 Ausgabgssperre und Anarchie
sorry, aber die Ereignisse überschlagen sich.
Gestern noch hieß es: Ben Ali bleibt noch nur für den Rest der Legislaturperiode und führt die Presse- und Meinungsfreiheit ein. Die Preise für die wichtigsten Lebensmitteln wurden ebenfalls gesenkt. Alles schien darauf hin vorbei zu sein. Gestern Nachts feierten die MEnschen ausgelassen auf die Strasse ihren Sieg. Doch Heute zeigte sich, daß viele Bürger gar nicht mehr gewillt sind noch länger auf die Abdankung Ben Alis zu warten. Die Demonstrationen fuhren fort. Und das schlimmste ist: Die Anarchie herrscht in viele Städten. Horden von Gewaltätige Jugendliche ziehen umher und plündern die Geschäfte. Heute den 14.01 Nachmittag wurde eine Landesweite Ausgangssperre von 17 Uhr bis 7 Uhr verhängt. Das Versammlungsrecht wurde aufgehoben. Die Regierung wurde entlassen. Neuwahlen wurden für die nächsten 6 Monate angekündigt. Ich werde euch so gut es geht am neuesten Stand halten. Kommentar schreiben:
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Auch die bisher ruhigen und friedlichen Städte Nabeul und Hammamet wurden nach gewaltätigen Ausschreitungen verwüstet. Supermärkte, Banken, Geschäfte und Autos wurden demoliert, in Brand gesetzt und geplündert. Die Einwohner beider Städte sind fassungslos, da die Demonstranten keine Einwohner waren, sondern kamen von andere Städte.
Obwohl die meisten Tunesier/innen für friedliche und gewaltlose Demonstrationen sind, lassen sich die gewaltäter nicht mehr kontrollieren und in Zaum halten.