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Weekender Woche 3
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Germany is blamiering itself |
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| Fremdschämen in neuer Dimension war in der letzten Woche angesagt, vor allem in anbetracht der Mitglieder unserer oberen Kasten. „Wir sind peinlich!“ hätte da das Motto der letzten sieben Tage lauten können, dabei zeigt es eigentlich: Wer hoch hinaus möchte, der sollte sich blamieren, wo er nur kann. |
| Geschrieben von: Nadia Shehadeh |
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Deutschland blamiert sich © Philibuster
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Fangen wir also an mit dem ersten schmerzfreien Vertreter unserer „Blamage-Bagage“. Ja, und da kotzt es uns selbst an, dass wir diesen Namen wieder auf`s Papier bringen müssen, aber wir tun es dennoch: Thilo Sarrazin. Wir machen's, weil uns jüngst der direkt legendäre und peinliche Auftritt Sarrazins bei der BBC ("Germany is doing itself away") dazu inspirierte, auch anderen zum Erfolg zu verhelfen - deswegen ein Exkurs auf den Sarrazin'schen Fünf-Punkte-Plan für all diejenigen, denen es danach gelüstet, gewinnbringenden Autorentätigkeiten nachzugehen: 1. Erinnere Dich an all die Smalltalks, die Du bei privaten Grill- und Sonstwie-Feiern geführt hast. Konzentriere Dich dabei nur auf diejenigen Themen, die sich damit beschäftigen, welche Kollektive unseres Landes für irgendwelche Miseren verantwortlich gemacht werden können. Such Dir ein Feindbild. 2. Erhöhe die Chancen des Provokationsgehalts Deiner im Smalltalk entwickelten Thesen, indem Du Dich beispielsweise mit Personen umgibst, die sich einbilden, aufgrund marginalen Kontakts zu Vertretern verschiedener Milieus Experten für irgendwas zu sein. Das ist hochgradig wichtig, denn Thilo beispielsweise wurde ja von den Mythen und Legenden der Kollegiumsgefährten seiner Lehrer-Ehefrau zu seinem Opus Magnum inspiriert – die wussten schließlich zu berichten, was bei „dem Mehmed“ und „der Fatima“ schief gewickelt ist. 3. Verzichte gemäß dem zuvor genannten Punkt unbedingt und auf jeden Fall auf wissenschaftliches Arbeiten. Beschäftige Dich am besten mit Themen, die Dir aufgrund Deiner eigenen Ausbildung zwar nicht total, aber immerhin halbwegs fremd sind. 4. Warte auf einen Zeitpunkt, in dem mittlere Schichten (also Deine Käuferschaft!) massiv anfällig sind für Status-Ängste, und schmeiß Dein Buch auf den Markt. Wichtig ist, dass Du hier bestenfalls einen Zeitpunkt wirtschaftlicher Krise auswählst, da dann die Menschen der mittleren Kaste – deren Status ja eher einkommensbedingt ist und sich nicht auf Besitz gründet – besonders anfällig sind für menschenfeindliche Tendenzen. 5. Blamiere Dich ein bisschen in Presse, TV und Radio - gerne auch über die Landesgrenzen hinaus. Sorge dafür, dass möglichst viele Medien unfreiwillig Werbung für Dich machen, weil sie Dich total bescheuert finden – schlechte Presse ist ja bekannterweise die Beste. Und nie vergessen: In zwei Jahren wird kein Schwein mehr darüber reden, aber DU bist dann immer noch Buch-Millionär! Familienpolitik am lebenden Objekt Soviel also zu unserer ersten komfortablen Geschichte, aber da wissen wir selbstredend, dass eine solche Karriere nicht für jeden geeignet ist. Deswegen wagen wir einen Blick auf einen weiteren zwar peinlichen, doch höchst erfolgreichen Werdegang, der bisher auch primär aus dem Rühren in diversen Fettnäpfen bestand. Unsere halbwüchsige Familienministerin Kristina Schröder hat sich nun nämlich endlich mal ein Beispiel an Ursula von der Leyen genommen und ist schwanger. „Alter Verwalter“, hat man da für zwei Millisekunden gedacht, „jetzt sind wir die Schrötze vielleicht bald los, die muss dann ja erstmal direkt den Windeldienst antreten!“ Aber Pustekuchen, natürlich nicht, denn Madame droht an, direkt nach Wurf wieder den Dienst aufzunehmen. Wahrscheinlich will sie am lebenden – also eigenen – Objekt demonstrieren, wie obergeil die von ihr zerhobelte Familienpolitik funktioniert. "Waidmanns Heil!" können wir da nur sagen, aber wundern darf es nicht, denn Frau Schröder regiert ja nach dem Irrglauben „Was ich nicht weiß, interessiert auch die Leute einen Scheiß!“ Ja, und offenbar weiß sie nicht, dass es außerhalb ihres Ministeriums doch so ein bis zwei Menschen gibt, die nicht unbedingt auf ein Salär in Ministerhöhe zurückgreifen können, um sich luxuriöse Baby-Bespaßung zu leisten. Jackpot - ficken und gefickt werden Aber auch egal, denn kommen wir zu Casus Drei: Auch den Sprösslingen der Creme de la Creme unserer Gesellschaft sollte zugemutet werden, zumindest tendenziell anzustreben, mit eigener Leistung Geld oder zumindest Ruhm und Ehre zu erwirtschaften. Diesem ehrenhaften Vorhaben nahm sich dann auch der Junior des bayrischen Innenministers Joachim Herrmann an, indem er beschloss, die Nationalherrschaft im Bereich des längst ausgestorbenen deutschen „Gangsta-Rap“ an sich zu reißen. Und der Junge war sich zu nichts zu schade: Ordinärer Künstlername („Jackpot“), durchschnittliche Lyrics mit Hang zu Fäkalsprache („2010, ich hab alles gefickt!“) und Videos, in denen auch mal eine Pulle Wodka im Arm gehalten wird – so viel Stehvermögen hatte nicht mal Jimmy Blue. Bei einer Million YouTube-Klicks droht Jacob Herrmann der Plattendeal, wobei der General-Support der BILD-Zeitung hier für einen schnellen Bums sorgen wird. Gratulieren wir also allen genannten Personen zur ihrer grenzenlosen Schmerzfreiheit können, und fassen wir unser Wort zum Sonntag nochmal in einer einfachen Formel zusammen: Stumpf ist Trumpf, und wer es in diesem Land zu etwas bringen will, dem sollten Peinlichkeiten und Tätigkeiten, die rein repetitiv, reproduzierend, vielleicht sogar falsch und/oder absolut sinnentleert sind, nicht zuwider sein. Dann klappt es auch, zumindest mit der Kohle. In diesem Sinne: Ein fremdbeschämendes Wochenende Euch allen. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Emil Blume,
Januar 21, 2011
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@Mabely
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Das ist ja eine Zumutung.