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Deck -> Kolumnen -> Weekender -> Mit Nuttenschiffen durch den Bloggersumpf
Freitag, 28.01.2011
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Weekender Woche 4
 

Mit Nuttenschiffen durch den Bloggersumpf

Was für eine Woche: Ägypten folgt Tunesien im Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung, die Gorch Fuck wird zum Damoklesschwert für Guttenberg und Deutschlands Blogger kämpfen mal wieder um ihre Glaubwürdigkeit.
Geschrieben von: Michael Stepper   
Den letzten auf der Gorch Fuck fressen die Wölfe © Flickr Miss Brendalina Badchild / Philibuster


Es war abzusehen, dass Tunesiens Freiheitskampf in der arabischen Welt Kreise ziehen wird und weitere Bürger aufrüttelt, sich endlich vom Joch ihrer Unterdrücker zu befreien. Jetzt ist also Ägypten an der Reihe und die Bilder, die uns momentan erreichen, kommen uns bekannt vor. Es sind Menschenmassen, die sich gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak stellen. Zum großen Teil friedlich, doch die Regierung greift mit aller Härte gegen die Demonstranten durch, zeigt, dass sie mit allen Mitteln für den Machterhalt kämpfen und somit die gleichen Fehler wie ben Alis Mannschaft begehen wird. Mit wohl ähnlichem Ausgang. Da hilft es auch nicht, die komplette Internet-Infrastruktur lahmzulegen, denn gerade diese Form der Zensur stößt in aller Welt auf breite Ablehnung. Wie auch in Tunesien haben Hacker bereits die „Operation Egypt“ ausgerufen. Wie immer beobachten wir für Euch die Lage, aber es läuft uns kalt den Rücken runter, wenn wir lesen, dass die ägyptische Regierung gerade den Schießbefehl gegen das eigene Volk erlassen hat.

Meuterei auf der Gorch Fuck

Während also Mubarak sich noch der rauen See stellt, die ihn und seine Getreuen gerade umtost, hat es unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ungemein schwerer. Denn sein Vorzeige-Kahn das Marine-Segelschulschiff Gorch Fock Fuck wird gerade zum Eisberg für den adligen Titan. Wahrscheinlich nicht zum ersten Mal könnte es der Vorzeigeminister bereuen, dieses Amt überhaupt angenommen zu haben. Denn die massiven Probleme unserer Bundeswehr scheinen kein Ende zu finden. Nach peinlichen Sauftiraden und zahlreichen Fällen von (sexueller) Belästigung bei den Gebirgsjägern bringt jetzt der Ungehorsam auf hoher See Herrn Guttenberg in arge Erklärungs(see)not. Gerade die schleppende Aufklärung der Todesumstände zweier junger Matrosinnen rütteln am Nimbus des Vorzeigeministers. Kann es denn wirklich sein, dass unter unserem Theodor, dem Rächer der konservativ Entwerteten, ein solches „Nuttenschiff“ (andere schreiben „schwimmender Puff“) unter deutscher Flagge segeln darf? In der Zwischenzeit aber lenkt der Theo erst mal vom Thema ab, indem er sich mit Wolfgang Schäuble medienwirksam um die Sparpolitik in Deutschland anlegt. Nur so als Tipp: Man könnte ja mal bei der Bundeswehr anfangen und den Alkohol rationieren.

Schleichwerbung in deutschen Blogs

Nicht nur die reale Welt produziert einen Skandal nach dem anderen, die virtuelle bleibt ebenfalls nicht davon verschont, auch wenn man im folgenden Fall die Kirche mal in Kleinbloggersdorf lassen sollte: Netbooknews.de-Blogger Sascha Pallenberg hatte bereits letzte Woche mehrfach via Twitter verlautbaren lassen, dass ihm Informationen zu einem Schleichwerbe-Skandal in der deutschen Blogosphäre vorliegen, der den „ultimativen Tsunami“ nach sich ziehen würde. Blogger wären in Massen von einem Werbenetzwerk angeschrieben worden, um für Beträge zwischen 25 und 65 Euro in ihren Blogs Links mit bestimmten Keywords zu Firmen wie Base, Conrad oder die Hannoversche Leben zu setzen. Hinter den Anschreiben steckt laut Pallenberg die Onlinekosten GmbH, die die Blogger köderte, indem sie mit einer Kooperation mit dem berühmten Tech-Blog Basic Thinking warb (den das Unternehmen von Robert Basic kaufte, bislang aber laut Palleneberg nicht wirklich monetarisieren könne). Zudem verpflichtete man die Blogger zur Verschwiegenheit, die bei einem Bruch mit 5001,00 Euro zu Buche schlagen würde. Jetzt ist allerdings bekannt, dass diese Form des Link Buildings auf dem Feld der Suchmaschinenoptimierung kein Novum darstellt und aus juristischer Sicht durchaus legal ist. Die Frage ist eher, ob es sich für die verarmte Bloggerschicht lohnt, für die paar Piepen, den eigenen Ruf aufs Spiel zu setzen. Pallenberg kündigte aber bereits an, dass er – entgegen der Befürchtungen vieler Blogger – die auf den Nepp reingefallenen Blogs nicht namentlich nennen will. Dies wäre auch nicht nötig, da die Betroffenen sich in Zukunft sicher zweimal überlegen, ob sie solch ein Geschäft eingehen und damit die eigene Glaubwürdigkeit und damit ihr höchstes Gut riskieren. Einen interessanten Nebenaspekt bringt jetzt SPIEGEL Online ins Spiel: Pallenbergs Skandal-Veröffentlichung könnte laut dem Nachrichtenportal auch durch Eigeninteresse motiviert sein, da der Blogger anscheinend an einem Konkurrenzprodukt zu Basic Thinking arbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von götzenburg, Januar 31, 2011

...
Lustiges Snatching zu Guttenberg gestern auch bei Anne Will (die aus Versehen dann sogar zwischendurch mal "Ägypten" sagte...). Hat aber leider keiner so schön über die Gorch gesprochen, wie es hier der Fall ist. ;)
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