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Deck -> Kolumnen -> Weekender -> Dr. Guttenberg - der Mashup-Minister
Freitag, 18.02.2011
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Weekender Woche 7
 

Dr. Guttenberg - der Mashup-Minister

Karl-Theodor zu Guttenberg, die Lichtgestalt unserer Politikerkaste, ist entzaubert, seine Doktorarbeit wohl zu großen Teilen erschummelt. Damit bietet der Unereichbare seinen Kritikern endlich Angriffsfläche, wird aber auch ein Stück weit menschlich und dadurch fast schon sympathisch.
Geschrieben von: Michael Stepper   
Dank Mashup zum Minister: Karl-Theodor zu Guttenberg © World Economic Forum / Philibuster


Es gibt da eine Southpark-Folge, die wir unserem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wärmstens ans Herz legen können. „Simpsons already did it“ heißt das gute Stück und thematisiert die Problematik, dass Innovation heute kaum noch möglich ist. Ob in der Literatur, der Musik oder eben in Film und Fernsehen: was will man noch Neues bringen, wenn doch inzwischen schon alles irgendwann von irgendwem in den großen Kulturpool gekippt wurde?

Schnelle Karrieren fordern Opfer

Das soll keine Ausrede für Herrn Guttenberg sein, aber welcher Doktorand kennt das Problem nicht: zu welchem Thema kann man wirklich noch revolutionär Neues beitragen? Dazu kommt, dass der Doktortitel an sich ein verstaubtes Zeremoniell der Akademikerwelt darstellt. Wer wissenschaftlich arbeiten will, sollte einen vorweisen können, um überhaupt mitspielen zu dürfen im Club. Ebenso ist der Titel in Politikerkreisen Nachweis für Spezialwissen, das den Ministerposten erst rechtfertigt. Der Fall Kristina Schröder hat gezeigt, in welche Bredouille solch ein Muss-Titel aufstrebende Karrieristen bringen kann. Politischer Erfolg ist heutzutage programmiert, viel Zeit bleibt nicht, viele Gelegenheiten auch nicht, um den Sprung an die Macht nicht zu verpassen. Da muss dann auch PR- und marketingtechnisch alles passen. Tadellose Führungszeugnis, Erfolg auf Erfolg und ein Doktortitel in Rekordzeit. Dass sich Frau Schröder fremder Hilfe bemächtigte, zeigt ja nur, dass sie dieses Pensum alleine gar nicht geschafft hätte und sich so heute auch niemals Deutschlands jüngste Familienministern nennen könnte. Ähnliches gilt für den stets so „Sehrgutten Guttenberg“, den ewigen Primus, den Musterschüler, der anmutet wie frisch aus einem stocksteifen, britischen Internat importiert. Schnelle Karrieren fordern Opfer, Leichen, über die man gehen muss. Wer hat schon Zeit, sich auf dem langen Weg zum Bundeskanzler-Posten mit so popeligen Details wie einer Doktorarbeit auseinanderzusetzen?

Der Shitstorm im Wasserglas

"Dr." Karl-Theodor zu Guttenberg hat jetzt erst einmal Konsequenzen aus der sogenannten Copy-and-Paste-Affäre gezogen und will vor ausgewählten Journalisten vorläufig auf seinen Doktortitel verzichten. Da haben die fleißigen Bienchen, die im GuttenPlag-Wiki emsig Plagiatsnachweise sammeln, doch ganze Arbeit geleistet und dem Wunderknaben mal so richtig in den Arsch getreten. Denken sie, denn am Ende haben sie doch irgendwie auch ihre eigene Netzkultur in Frage gestellt. Eine Kultur, die auf dem Prinzip Copy-and-Paste basiert und oft auch nicht zimperlich mit Quellenangaben umgeht. Im Grunde ist Guttenbergs Doktorarbeit nichts anderes als ein schlecht zusammengezimmertes Mashup, das sich zudem nicht an die Spielregeln hält (Quellennachweis). Ein Konstrukt, das eher an Helene Hegemanns „Axolottl Roadkill“ erinnert als eine wissenschaftliche Abhandlung.

Es war eine Frage der Zeit, bis die makellose Hülle der Fantasiegestalt Guttenberg erste Schönheitsfehler aufweist, das ist nur zu menschlich. Ob das allerdings etwas an seiner Beliebtheit ändern wird, bleibt abzuwarten. Ob es nun aber nötig war solch einen Riesenbohei um das Thema Copy-and-Paste-Affäre zu machen, bleibt fraglich. Interessanter erscheint da die Frage: warum müssen MinisterInnen unbedingt einen Doktortitel vorweisen können? Macht das zwangsläufig einen besseren Politiker aus ihm/ihr?

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Feliks Dzerzhinsky, Februar 18, 2011

Das hat der arme Mann nicht verdient
Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!
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