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Deck +++ Videos +++ Lasst euch nicht verarschen ...
Sonntag, 27.03.2011 Kommentare (1)
 
Weekender Woche 12
 

Lasst euch nicht verarschen ...

Das Schweizer Prinzip der Neutralität hätte man in Bezug auf den Krieg gegen Libyen wohl doch besser dem Ricola-Land überlassen. Dazu ein übermütiges Brüderle, dass in Sachen Moratorium über das Ziel hinausschießt, dabei hatte der Affenzirkus unserer Regierung doch gerade ein so gutes Konzept, um die Wähler zu verarschen.
Geschrieben von:   
Libyen: Die Geier warten schon © Carlos Latuff


Nach wie vor ist die gesamte Welt in Aufruhr: nukleare Katastrophe in Japan, Krieg gegen Libyen und dazu noch die haarsträubenden Todesfälle von Schauspielerin Liz Taylor und Eisbär Knut. Es scheint fast so, als wäre das Jahr 2011 bisher nicht gerade vom Glück gesegnet gewesen. Dazu kommt noch das wenig vorteilhafte Verhalten Deutschlands in seiner Innen- und Außenpolitik, das so manchen Bundesbürger am Verstand der politischen Führung zweifeln lässt.

Aber wir haben doch gar nix gemacht …

In den letzten zwei Wochen hat sich die Bundesregierung nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da hat man einen Sitz im Sicherheitsrat und enthält sich dann bei der Entscheidung, ob eine militärische Intervention gegen Libyen angestrebt werden soll oder nicht. Ja aber Russland, China, Brasilien und Indien wollen schließlich auch nicht mitmachen, tönte da Außenminister Westerwelle und brachte uns damit in ganz ausgezeichnete Gesellschaft. Zugegeben, warum sollte man sich auch gegen einen Despoten stellen, der sich darüber hinaus auch noch in direkter Nachbarschaft zu den EU-Ländern befindet? Und bei so vielen Brandherden auf der Welt könne man schließlich nicht jedem helfen. Über so viel Naivität kann man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Wenn der Wahlkampf ansteht, dann setzt sich die Regierung eben gern auch mal die Pappnase auf, in der Hoffnung, dass die Anti-Kriegshaltung gerade wieder hip ist. Es scheint fast so, als begründete sich die deutsche Politik zurzeit auf mitunter sehr fragwürdig erscheinenden Spontanentscheidungen.

Doch da sind wir wohl haarscharf am Trend vorbeigesegelt. Wir können nur hilflos zusehen, wie dieser erneute Fehltritt Westerwelles international Wellen schlägt, aber zur Wiedergutmachung für unsere internationalen Freunde gibt’s dafür zum Ausgleich 300 Soldaten für Aufklärungsflüge in Afghanistan, um die Bündnispartner bei ihrem Einsatz in Libyen zu entlasten. Bitte, bitte seid nicht mehr böse mit uns …

Brüderle und Schwesterle

Das in Fukushima wahr gewordene „Restrisiko“ der Kernenergie beeindruckte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle nicht im Geringsten. So gelang es ihm sogar, uns in dieser Situation, in der vielen wohl eher zum Weinen zumute ist, doch mal wieder zum Lachen zu bringen. Er äußerte gegenüber von Wirtschaftsvertretern, dass das Moratorium schlichtweg eine Wahlkampfstrategie sei und, „dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien“.  Diese ehrlichen Worte stimmen wahrscheinlich ziemlich genau mit den Befürchtungen vieler Atomkraftgegner überein, was die Idiotie unserer Demokratie wieder einmal vortrefflich in Szene setzen konnte.

Es scheint fast so, als rechtfertige die Tatsache, dass man als Vertreter des Volkes gewählt wurde auch automatisch, dass die Menschen damit einverstanden sind, dass man nun – mit der nötigen Macht versehen – einfach macht, was einem gerade in den Sinn kommt. Die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke scheint dabei nur die Spitze des Eisberges der individuellen Selbstverwirklichung unserer Volkvertreter zu sein, mit dem der Wille der Wähler kollidiert. Aber solange Kapitän Merkel rechtzeitig vor der Landtagswahl eine rasche 180° Kurskorrektur vornimmt, wird schon alles gut gehen. Und wenn man dann wieder in ruhigere Gewässer segelt, dann darf wieder jedes Besatzungsmitglied an seinem eigenen kleinen Denkmal weiterbauen, ob nun Stuttgart 21 oder wie man den Leuten im Rahmen der Gesundheitspolitik das Geld aus der Tasche ziehen kann. Selbst dran doof, wer die Wahlversprechen für bare Münze nimmt. Schwesterle Merkel wird Brüderle Rainer jedenfalls sicher erst einmal den Kopf gewaschen haben für seine ehrlichen Worte. Die braven Trottel, die einen gewählt haben, darf man schließlich nicht zu sehr beunruhigen. 

Gefundenes Fressen

In Fukushima ging indes der Kampf gegen den Super-GAU weiter. Im Fernsehen und in den Zeitungen zeigte sich dabei, dass gute Nachrichten durchaus vernachlässigt werden können, so schafften es die am Anfang der Woche noch so erfolgsversprechenden Kühlungsversuche lediglich in einem Nachsatz erwähnt zu werden, während die Rückschläge und die zunehmende Bedrohung gen Ende der Woche wieder für Top-News sorgten. Dies wurde am letzten Wochenende besonders deutlich, als die Bildzeitung nach den ersten positiven Meldungen aus Fukushima, die 100 besten Lebensmittel zum Abnehmen auf der Titelseite präsentierte. Weiter so!

Eisbär voraus!

Zu allem Unglück starben dann auch noch Liz Taylor und Knut der Eisbär. Für Liz wars sicher an der Zeit, doch Knuts Ableben traf die Besitzer all der flauschigen Kuscheltierreplikate hart. Und so wünschen zahlreiche Trauernde, dass Knut über die Regenbogenbrücke geht und endlich wieder mit Tierpfleger Thomas Dörflein vereint wird. Bei soviel Herzschmerz verschlägt es einem doch schon fast die Sprache. Vielleicht trifft Knut ja dann auch auf sein braunes Gegenstück, den Bären Bruno, der frei durch Österreich streifte, bis Jäger ihn an der Rotwand erlegten. So kann es eben manchmal gehen, der eine ist so süß, dass er nach Kräften aufgepäppelt wird, während man den anderen zur Strecke bringt. Es ist wie überall auf der Welt, manchmal entscheidet die Haut- oder Fellfarbe und manchmal entscheiden die Lobbyisten. Zoos und Jägerschaft haben uns nicht zum ersten Mal einen Bären aufgebunden. 

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von JBQ, März 29, 2011

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Brilliant, Miss Schäfer, vor allem der letzte Absatz. Eine Schweigeminute für Bruno!!
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