Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Serien +++ Das schlaue Buch +++ Keine Angst vor nassen Füßen
Montag, 08.11.2010
(124 Bewertungen)
Kommentare (3) Drucken
 
Ekel und Phobien
 

Keine Angst vor nassen Füßen

Immer mehr Menschen leiden an Alltagsphobien, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Aber was tun, wenn einen beim Anblick von Füßen, Watte oder Geschirr plötzlich das blanke Grauen packt?
Geschrieben von:   
Angst vor Füßen, Fesseln und Aufzügen - für jeden ist das passende dabei © Flickr savannah.louise


Neulich kam eine alte Bekannte zu mir und meinte: „Mareile, die Sache mit dem Knopfekel ist zwar ganz witzig. Aber ich kann einfach nicht glauben, dass du noch nie in deinem Leben etwas mit Knöpfen getragen hast.“ Darauf antwortete ich: „Brauchst du auch nicht.“ Denn das ist ja die Krux mit den spezifischen Alltagsaversionen: Manchmal kann man sich den verhassten Objekten schlichtweg nicht entziehen – wenn man wie ich als Schülerin gekellnert hat und jedes Wochenende schwarze Röcke und weiße Blusen tragen musste, zum Beispiel. Und auch eine Wattegegnerin muss sich früher oder später abschminken oder einen Tampon benutzen. Genau wie Pappe- und Papier-Verabscheuer auch mal ein Buch lesen wollen oder einen Karton öffnen müssen. Und auch ein Mensch, der sich bis ins Mark vor den eigenen Füßen oder Porzellangeschirr ekelt, muss schließlich irgendwie durch den Alltag kommen. Wie das möglich ist, verrate ich in meinem Buch „Pfui Spinne, Watte, Knopf!“ und - auszugsweise – auch hier: Phobiker und ihre T(r)icks.

1) Koumpounophobie (Ekel vor Knöpfen)

Im Leben eines jeden Knopfphobikers wird irgendwann der Tag kommen, an dem er ein Hemd oder eine Bluse tragen muss. Beim Vorstellungsgespräch, einer Geschäftspräsentation oder der mündlichen Diplomprüfung. Tipp: Nicht verzweifeln, sondern die Knopfleiste vorher von der Oma oder der Mama zusammennähen lassen, sodass die Bluse oder das Hemd wie ein Pullover über den Kopf gezogen werden kann. Alternative für Frauen: Anstatt einer Bluse kann auch ein schickes, weißes Shirt und dazu eine schwarze Weste getragen werden. Denn bei einer Weste beginnt die Knopfleiste erst unter der Brust und ist somit angenehm weit von Gesicht und Mund entfernt. Weiterhin gilt: Wechselklamotten mitnehmen, damit man sich direkt nach dem Termin wieder umziehen kann.

2) Bambakomallophobie (Ekel vor Watte)

Für eine Frau mit Watte-Ekel kann es im Alltag heikel werden. Zwar könnte Frau rein theoretisch auf Make Up und somit auf Abschminken feat. Wattepad verzichten, doch welche Frau will das schon? Mal ganz abgesehen davon, dass einmal im Monat sowieso ein Tampon zum Einsatz kommen muss. Was also tun? Erstens: Wattepads mit Gesichtswasser so nass machen, dass sie nicht mehr fusseln und sich kaum mehr nach Watte anfühlen. Zweitens: Nagellack kann auch mit speziellen Holzstäbchen entfernt werden. Einfach bei der Kosmetikerin nachfragen. Drittens: Tampons müssen qualitativ hochwertig und fest gepresst sein, so dass sie keine Fäden und Flusen ziehen. Hier gilt: Je teurer, desto erträglicher. Und noch was: Immer gut die Zähne putzen! Beim Zahnarzt wird es dank der Speichelstillenden Wattebäusche nämlich doppelt gruselig.

3) Papyrophobie (Ekel vor Pappe und Papier)

Manche Menschen glauben, dass Papier und Pappe ihre Hände trocken, spröde und rissig machen. Außerdem können sie das schabende Geräusch von Pappe nicht ertragen. Trotzdem lesen sie aber gerne Bücher und Zeitungen. Der Trick: Einen großen Pott Creme immer griffbereit stellen, sodass die Hände alle 10 – 20 Seiten ausgiebig eingeölt werden können. Bei Umzügen werden ob der Kartons Handschuhe und Ohrstöpsel empfohlen. Für das Öffnen einer Pizzaschachteln muss hingegen ein nicht ganz so großer Aufwand betrieben werden, sondern lediglich eine bestimmte Pose eingenommen werden: Linken Finger in das linke Ohr stecken, rechtes Ohr gegen die rechte Schulter drücken und die Schachtel mit der verbliebenen Hand so schnell wie möglich aufklappen. Vorteil: Sollte der Papyrophobiker je den Wunsch verspüren, sich als DJ zu versuchen – die richtige Pose hätte er schon drauf!

4) Podophobie (Ekel vor Füßen)

Wenn ein Mensch sich sowohl vor den Füßen der Mitmenschen als auch vor den eigenen ekelt und das verhasste Körperende weder angucken noch anfassen will, muss er erfinderisch werden. Im Sommer gilt: Im Freibad nie direkt hinter jemandem schwimmen und in den Straßen den Blick stets nach oben richten – Flip Flop-, Sandalen- und Aldiletten-Träger lauern überall! Was das Waschen angeht: Beim Duschen die Brause mit ausreichend Sicherheitsabstand lange auf die Füße richten, sodass sie auch ohne Schrubben sauber werden. Anschließend solange auf dem flauschigen Badezimmerteppich herumspazieren, bis die Füße von allein getrocknet sind. (Wenn’s schnell gehen muss: Trocken föhnen.) Sollte je die Notwendigkeit zur Fuß und Nagelpflege bestehen, einfach die Badezimmertür abschließend – dann wird niemand Zeuge des Gewimmers und der Grimassen. Noch ein Tipp für Angehörige: Wenn ihr Partner sie bittet, derart grauenvolle Torturen wie etwa eine Fußmassage zu unterlassen, respektieren Sie den Wunsch! Es sei denn, Sie sind scharf darauf, dass Ihnen (versehentlich) die Zähne herausgetreten werden.

5) Dishophobie (Ekel vor Geschirr)


Die Besonderheit von Dishophobikern ist, dass sie sich nicht vor Tellern und Tassen an sich, sondern vor dem Geruch von Geschirr ekeln. (Dieser erinnere angeblich an das modrige Aroma eines tropfnassen Rauhaardackels.) Zudem stinke Geschirr nicht immer – wenn es jedoch müffelt, ist an Essen nicht im Traum zu denken, da das Essen den Gestank prompt absorbiert und entsprechend schmeckt. Ein Glück nur, dass der Geruch verschwindet, sobald man den Teller oder die Tasse mit eiskaltem Wasser tüchtig abspült. In der Zwickmühle steckt der Geschirrphobiker allerdings, wenn er bei den Schwiegereltern in Spe zum Kennenlern-Dinner eingeladen ist und die Teller bestialisch stinken. Denn was ist wohl das geringere Übel? Sich das verdorbene Mahl krampfhaft hinunterzuwürgen oder seine zukünftige Schwiegermutter zu fragen: „Frau Maier, ihre Teller riechen so komisch. Könnten Sie die bitte noch einmal abspülen?“

Was Menschen machen, die sich vor Spiegeln, Puppen, Clowns, der Dunkelheit, Elektrizität oder gar Frauen fürchten oder sich vor Ohrringen, Holzstielen, Creme, Kaugummis, Bananen oder Styropor ekeln, ist in meinem Buch „Pfui Spinne, Watte, Knopf! 33 verrückte Geschichten über schräge Ängste, absurde Abneigungen und lustige Phobien“ nachzulesen. Philibuster verlost drei Bücher unter allen Lesern. Schnell eine Email mit dem Betreff „Pfui Spinne, Watte, Knopf!“ an post@philibuster.de senden und ein signiertes Exemplar sichern. Viel Glück!

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von RettichRüdiger, November 08, 2010

Ekel vor Geschirr?
Also ich denke dieser Ekel vor Geschirr lässt sich noch ertragen, solange man ihn dem Ekel vor der Schwiegermutter unterordnet. Das können die männlichen Leser sicher nachvollziehen ;)
geschrieben von Poppel, November 10, 2010

...
Ich hab also eine Bambakomallophobie und Papyrophobie. :D
Bei Watte ist es ähnlich grausam wie bei Pappe oder Papier dieses knartschende Geräusch ist echt widerlich.
geschrieben von Saskia, Mai 24, 2013

...
Wo ist die "Styropor-o-phobie" angesiedelt? Anfassen ist schon fies, aber schier abartig und beim bloßen Gedanken Gänsehaut-erzeugfend ist das Geräusch ...
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden


Neueste Beiträge

Meistgelesen