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Mein Philibuster
Deck +++ Serien +++ Guerilla Media +++ Wenn einer eine Kaffeefahrt tut
Freitag, 25.02.2011
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Teil III - Der Poppe
 

Wenn einer eine Kaffeefahrt tut

Reportagen über Kaffeefahrten sind im Wortsinn kalter Kaffee. Thomas Poppe alias "Der Poppe" aber ließ seine Follower bei Twitter live teilhaben, als er auf den Spuren von Günter Wallraff wandelte und die Abzocke von Omas und Opas beschrieb.
Geschrieben von:   
Der Poppe - investigativ per Twitter © Thomas Poppe


Philibuster: Thomas, Du bist mit Deiner #PoUnCo-Aktion in der letzten Woche „undercover“ auf Kaffeefahrt gewesen und hast mit Deiner Live-Berichterstattung tausende Twitterer und Blog-Leser in Atem gehalten. Wie bist Du auf die Idee zur Story gekommen?

Thomas Poppe: Die Idee kam im Rahmen meines Volontariats. Unter der Rubrik "Poppe probiert's" habe ich schon so einiges Dinge durchgetestet. Meist waren das irgendwelche „Randsportarten“ für einen TV-Beitrag a la „Raab in Gefahr“. Dennoch gab es auch schon Innovatives: Den Rollstuhlcheck zum Beispiel, bei dem ich unsere Städte auf Tauglichkeit getestet hab. Und dann war da noch: Ein Tag als Bettler, Ehrlichkeitscheck mit (bewusst) verlorenen und vergessenen Handys oder Geldbeuteln und natürlich meine Nacht als Obdachloser bei Minusgraden. Die Kaffeefahrt-Idee kam auf, als die Mutter einer älteren Kollegin eine Einladung bekam. So kam es zur Idee meiner Teilnahme.

Philibuster: Du hast es bereits gesagt – das ist ja nicht die erste investigative Aktion dieser Art. Was kommt als nächstes?

Thomas Poppe: Idealerweise könnte ich mir vorstellen, solche Aktionen jede Woche zu machen. Es macht Spaß, birgt einen gewissen Nervenkitzel und es ist natürlich nicht karriere-unförderlich. Und, vor allem: Man kann etwas damit bewegen, oder zumindest viele Menschen zum Nachdenken anregen. Leider ist es jedoch schwer, Ideen für solche Aktionen zu entwickeln und diese dann auch auszuführen. Meist ergibt sich so was aus Zufall - wie eben beim Brief an die Mutter meiner Kollegin.

Philibuster: Obwohl Kaffeefahrten seit jeher negativ diskutiert werden, finden sich immer noch SeniorInnen, die sich solche Fahrten antun. Wie kommt das?

Thomas Poppe: Dass die Senioren mitmachen und diese ganzen „Mindgames“ reinfallen hat zwei Gründe: Langeweile und Einsamkeit. Viele haben weder Kinder noch Partner und verbringen Tag für Tag in ihrer Wohnung. Durch eine solche Fahrt versprechen sie sich Abwechslung, das klassische "Mal rauskommen und was anderes sehen". Von Abzockereien haben fast alle schon gehört, viele waren auch schon auf mehreren Fahrten dabei. Sie denken dann aber, sie kennen alle Tricks, sie lassen sich nichts aufschwatzen, sie nutzen nur die kostenlosen Leistungen. Nach zehn Stunden Gehirnwäsche knicken sie dann aber doch ein. Die Verkäufer sind extrem clever und finden immer wieder neue Wege den Willen der Rentner zu brechen.

Philibuster: Gab es irgendwas, was Dich besonders betroffen gemacht hat?

Thomas Poppe: Mich hat besonders die Art erschüttert, mit der die Kunden „geködert“ wurden. Es wurde massiver Druck ausgeübt, indem den SeniorInnen zunächst immer wieder Tugenden eingehämmert wurden, die dann in Verbindung mit einem Kauf wieder auftauchten. Wer für die Organisatoren als "Nicht-Käufer" ausgemacht wurde, wurde gnadenlos als abschreckendes Beispiel fertiggemacht und bloßgestellt. Teilweise wurde heftig gedroht und beleidigt. Man kann das eigentlich noch nicht mal in aller Deutlichkeit erahnen, wenn man meinen extrem ausführlichen Bericht liest. Man muss das wohl live erlebt haben um es ganz zu verstehen - aber eine solche Fahrt gönne ich nicht mal meinen schlimmsten Feinden.

Philibuster: Was hat Dir diese Fahrt insgesamt „mitgegeben“?

Thomas Poppe:
Ich würde mir wünschen, dass wir "jungen Leute" wieder etwas mehr auf die ältere Generation eingehen und achten. Das muss sich nicht mal so sehr auf diese Kaffeefahrten beziehen. Kleinigkeiten wie "Guten Tag" sagen, im Bus den letzten Platz anbieten oder die Oma mal wieder besuchen und einfach eine Stunden statt zehn Minuten bei ihr bleiben - das kostet uns nicht viel. Und es bringt etwas Licht in den oft tristen und einsamen Alltag unserer Senioren.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von ohminus, Februar 25, 2011

Heilmittel?
Als jemand, der selbst im Medizinprodukte-Bereich tätig ist, war mein Gedanke: Man müsste mal klären, ob die Produkte unter das Heilmittelwerbegesetz fallen. Da wird irreführende Werbung nämlich mit einem Jahr Gefängnis oder mit Geldstrafe geahndet....
geschrieben von Marian, März 17, 2011

Oma und Opa
Immer wieder eine Schweinerei. Aber solange Oma und Opa auf diese Scharlatane reinfallen, wird man wohl nicht viel machen können. Da helfen wohl nur große Infokampagnen gegen diese Art von organisiertem Verbrechen. Oder öffentlicher Aushang der Gesichter der Verkäufer à la: Kaufen sie DIESEM Mann nichts ab!
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