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Mein Philibuster
Deck +++ Serien +++ Guerilla Media +++ "Talkshows würden mich niemals einladen"
Mittwoch, 13.10.2010
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Kommentare (8) Drucken
 
Teil I - Der Spiegelfechter
 

"Talkshows würden mich niemals einladen"

Seit 2007 schreibt Jens Berger als "Der Spiegelfechter" über Politik aus einer alternativen Perpektive. Für unsere neue Serie "Guerilla Media" sprach er mit uns über Gegenöffentlichkeit und die Trägheit der deutschen Blogszene.
Geschrieben von:   
Unwahrscheinliches Szenario - Jens Berger bei Beckmann © Philibuster


Philibuster: Jens, immer öfter liest man im Zusammenhang mit politischen Blogs – auch beim Spiegelfechter – den Begriff „Gegenöffentlichkeit. Sind deutsche Mainstream-Medien denn überhaupt noch glaubwürdig?

Jens Berger: Grundsätzlich ja, es geht bei der Gegenöffentlichkeit nicht darum, faktische Fehler der Mainstream-Medien auszubügeln. Die existieren natürlich, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr die Nachrichtenauswahl und vor allem die Kommentierung. Gewisse Themen werden totgeschwiegen oder nur unzureichend aufgegriffen und so ziemlich alle Themen werden innerhalb eines Meinungsspektrums kommentiert, dessen Bandbreite sehr schmal ist. Da kommt die Gegenöffentlichkeit ins Spiel, als Korrektiv, aber mehr noch als Ergänzung.

Philibuster: Inwiefern trägt der Spiegelfechter zu dieser Bewegung bei?

Jens Berger:
Der Spiegelfechter versucht vor allem, Themen die tagesaktuell und in aller Munde sind, aus einer anderen Perspektive heraus zu beleuchten. Ich bin sozusagen, der Talkshowgast, der zwar etwas zum Thema beizutragen hat, der aber nie eingeladen werden würde. Leider kann so natürlich kein Dialog entstehen. Zum Glück sorgen meine Kommentatoren aber dafür, dass ich nicht zu viel „ex cathedra“ predige, sondern meine Positionen auch im Dialog verteidigen muss.

Philibuster: Was genau versteht Du unter „Spiegelfechterei(en)“?

Jens Berger:
Das sind verbale Scheingefechte, die geführt werden, um von der eigentlich Problematik abzulenken. Der Name „Spiegelfechter“ ist somit natürlich selbstironisch, da ich eben diese Spiegelfechtereien bloßstellen will.

Philibuster: Ende der 60er-Jahre formierten sich in Deutschland diverse Kleinst- und Alternativzeitungen. Siehst Du in linkspolitischen Blogs eine Renaissance dieser Bewegung?

Jens Berger: Ja, auf jeden Fall. Blogs sind eine Demokratisierung der Zeitung. Jeder kann sein eigener Verleger, sein eigener Chefredakteur und sein eigener Leitartikler sein. So zumindest die Theorie, was man daraus macht, liegt in der Macht der Menschen. Leider ist das Potential, das Blogs bieten, noch lange nicht ausgeschöpft, da zu wenige Leute „den Arsch hochkriegen“.

Philibuster:
Jahrelang haben deutsche (Polit-)Blogger im Vergleich zu ihren US-Kollegen ein Schattendasein geführt. Inzwischen scheint man aber auch hierzulande strategische Allianzen zu bilden. Der egozentrische Alpha-Blogger scheint auszusterben. Erwacht Deutschlands Bloggerszene endlich aus ihren Dornröschenschlaf?

Jens Berger: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Eigentlich sprechen wir schon seit fünf Jahren davon, dass die deutsche Bloglandschaft erwachsener wird. Auch wenn da in der Tat positive Entwicklungen zu verzeichnen sind, haben wir hierzulande immer noch einen Rückstand, der nicht kleiner, sondern größer wird, da die internationale Bloggerszene sich ebenfalls weiterentwickelt.

Philibuster: Auch das Volk scheint sich langsam wieder für Politik zu interessieren. Projekte wie Stuttgart 21 oder die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke lassen die Bürger nicht mehr kalt. Es regt sich Widerstand und konservative Medien warnen bereits vor „bürgerkriegsähnlichen Zuständen in naher Zukunft“. Besteht doch noch Hoffnung für Deutschland?

Jens Berger: Natürlich, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Was in der Tat neu ist, ist der innere Widerstand der bürgerlichen Mittelschicht. Die linke Szene war schon immer für alternative Medien und eine kritische Betrachtung der veröffentlichten Meinung zugänglich. Die politischen Eliten scheinen es sich mittlerweile aber mehr und mehr mit ihrer eigentlichen Kerngruppe zu verscherzen. Das lässt in der Tat hoffen, da die Kerngruppe auch einen Hebel auf die Politik hat.

Philibuster: Was motiviert Dich jeden Tag aufs Neue, Deine virtuelle Feder zu spitzen?

Jens Berger: Das Schönste am Schreiben ist ja, dass man selbst Tag für Tag neue Sachen lernt und seinen Hintergrund erweitert. Das ist für mich Motivation genug. Um so schöner ist es natürlich, wenn man merkt, dass man auch gelesen wird und - zumindest im sehr kleinen Rahmen - auch die öffentliche Meinung beeinflussen kann.

Philibuster: Wie sieht für Dich die Zukunft der deutschen Medienlandschaft aus? Wird es irgendwann ein gesundes Gleichgewicht zwischen Mainstream- und Alternativmedien geben?

Jens Berger: Das hoffe ich zumindest, nur dass ich da nicht unbedingt den klassischen Blog als Alternativmedium auf gleicher Augenhöhe sehe. Gemeinschaftsprojekte oder Onlinezeitungen, die aus der Szene heraus kommen, sollten allerdings eine sehr gute Chance haben, eine etablierte Gegenöffentlichkeit zu werden. Der Weg ist steinig und es gibt bis dahin noch einige Klippen, die umschifft werden müssen. Aber ich bin guter Dinge, dass es dennoch in nicht allzu ferner Zukunft zu einem gesunden Gleichgewicht kommen könnte. 

Informationen zum Spiegelfechter:

Online seit: 04.02.2007
Themenschwerpunkte: Politik im Allgemeinen, Wirtschaftspolitik im Speziellen

Hat Ihnen dieses Interview gefallen? Dann seien Sie gespannt auf unsere weiteren Gesprächspartner. Um keinen Teil dieser Serie zu verpassen, empfehlen wir Ihnen, unseren RSS-Feed zu abonnieren oder - noch viel einfacher - Philibuster-Fan bei Facebook zu werden :)

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tom, Oktober 13, 2010

Schöne neue Blogwelt
Jens Berger hat völlig Recht, wenn er sagt "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.". Zu einer alternativen Medienlandschaft gehört nämlich vor allem eine entsprechende Leserschaft. Und so lange sich diese noch mit BILD und Co zufriedengibt, werden die Alternativmedien wohl auch in den nächsten Jahren ein Produkt des journalistischen Underground bleiben.
geschrieben von Roberto J. De Lapuente, Oktober 13, 2010

...
Berger sieht aus wie Berger, Stepper wie dieser ARD-Quasselkopp...

Schönes Interview; und richtig umgänglich der Jens - wenn ich Jens nicht schon kennte, jetzt würde ich ihn kennen wollen!
geschrieben von MCBuhl, Oktober 13, 2010

@ad sinistram: Bild genauer anschauen!
Roberto, das IST dieser "Quasselkopp" - klick auf das Bild und schau es dir von Nahem an

:-)
geschrieben von Michael Stepper, Oktober 13, 2010

Re: @ad sinistram: Bild genauer anschauen!
@MCBuhl: Alles andere hätte ich auch als Beleidigung aufgefasst ;)
geschrieben von no0ne, Oktober 13, 2010

...
Ah schön, die Serie fängt mit einem meiner Lieblingsblogger an, sehr sehr schön. Jens kenne ich ja schon und ich bin mal gespannt, was hier noch für Leute vorgestellt werden.

Ansonsten gebe ich Roberto recht, die Möglichkeiten sind vorhanden, nur "die deutschen" interessieren sich leider kaum für politische Themen. Es fehlt ein Antrieb, dass man sich auch dann interessiert, wenn nicht gerade Milliarden vergraben oder die Nachbarschaft verstrahlt wird. Man muss den Politikern ständig auf die Flossen gucken, denn diese großen Ereignisse wie S21 etc. sind gerade durch die Fehlentscheidungen und wegen geringem Interesse erst zustande gekommen.
geschrieben von Guardian of the Blind, Oktober 13, 2010

Blogs und klassische Medien
Was natürlich auch wünschenswert wäre ist, dass die Blogs auf die "klassischen Meiden" zurückwirken, dass diese sorgfältiger arbeiten und ausgewogener berichten/ kommentieren.
Ich denke, dass man in den letzten Jahren schon beobachten kann, dass die Tendenz in den deutschen Medien nicht mehr ganz so eindimensional ist, wie sie es zuvor war, dass nicht mehr ausschließlich eine neoliberale Linie vertreten wird.
Und vielleicht hat ja auch die "Gegenöffentlichkeit" zumindest einen kleinen Anteil daran ...
geschrieben von Geraldine, Februar 27, 2013

...
Wenn man Eure Kommentarregeln anklickt, landet man bei "about:blank". Könnt Ihr das korrigieren? Sonst weiß man gar nicht, was man darf oder auch nicht.
geschrieben von Michael Stepper, Februar 27, 2013

...
Liebe Geraldine,

vielen Dank für den Hinweis, aber bei mir öffnet sich nach Klick auf die Kommentarregeln ein Overlay, das folgenden Text enthält:

"Kommentare sind erst nach Freischaltung durch die Redaktion sichtbar. Wir bitten um Verständnis, dass wir Kommentare, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind oder in irgend einer Weise beleidigend erscheinen, nicht veröffentlichen."

Mit unserem Relaunch in Kürze gehört das alte Kommentarsystem aber ohnehin bald der Vergangenheit an :)

Herzlichst,

Michael
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