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Teil II - Fernsehkritik-TV
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Schalten Sie mal wieder ab! |
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Frisch mit einem Grimme-Online-Award ausgezeichnet, stellt sich Holger Kreymeier in seinem satirischen TV-Magazin "Fernsehkritik-TV" alle zwei Wochen den Widrigkeiten unseres TV-Alltags. |
| Geschrieben von: Thomas Diefenbach |
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Wehret Euch vor der Verdummung aus der Röhre © Philibuster
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Kennen Sie Fernsehkritik-TV? Diese Frage ist mir in den letzten Monaten schon öfter über die Lippen gegangen, jedoch wurde ich quasi ebenso oft von der Antwort im nächsten Moment enttäuscht. Unabhängig von den demographischen Umständen der Testpersonen, scheint es sich hierbei wirklich um einen nahezu unbekannten Juwel in der Weite des Internets zu handeln. Selbst beim Monaco Mob von mucbook.de - Treffpunkt der Münchner Bloggerszene - ließen sich nur unwissende, wenn auch immerhin neugierige Reaktionen ernten. Dabei war die Hoffnung nach mehr öffentlicher Wahrnehmung spätestens nach der Würdigung durch den Publikumspreis des Grimme Online Award (was könnte sonst als deutscher Oscar des Internets gehandelt werden?) beim treuen Zuschauer dieses satirisch-kritischen Fernsehmagazins doch gerade erst neu entfacht worden. Gefangen in der Berieselung Nun gut, vielleicht ist die allgemeine Tendenz nunmal eher dahingehend, dass beim Fernsehen die Frustrationstoleranz - oder Schmerzgrenze, je nach Programm - ungemein höher ist als in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens. Dass die Mattscheibe allemal zu dieser Obermenge gehört, kann man bei den aktuellen Fernsehquoten der Gesellschaft für Konsumforschung einsehen, Entwicklung beängstigend. Es bleibt der Trost, dass die virtuelle Welt der Röhrenkommunikation in Form des Internets an relativer und absoluter Bedeutung gewinnt - dort kann der Kunde immerhin aus einer größeren Menge von sinn- und unsinnigen Dingen auswählen. Aber zurück zum Thema: wieso lassen denn die Menschen in unserem Land vermehrt die Pantoffeln alleine zuhause und setzen sich auch öffentlich ein? Für Dinge, die sie oft nur peripher tangieren, während auf dem Schlachtfeld der öffentlich-rechtlichen und Privatsender jeder Tabubruch wie paralysiert zur Kenntnis genommen wird? Wir reden hier immerhin vom Medium Nummer 1. Einem Ort der Ablenkung, Unterhaltung, leider oft auch Erziehung und Bildung, das Hobby unserer Kinder, der beste Freund vom Arbeitskollegen, 24 Stunden am Tag und überall in Deutschland. Und das, obwohl die Bewertung des Angebots größtenteils kongruent ist - mindestens soweit, dass sich kritische Fernsehsendungen schon immer großer Beliebtheit erfreuen konnten. Neben Switch, Kalkofes Mattscheibe (der war übrigens "Stargast" der 53. Folge von Fernsehkritik-TV) und vielen weiteren Formaten, darf man auch nicht vergessen wie einst TV-Total - heute besser bekannt als das Rundum-sorglos-Entertainment-Konzept - einst seine Zuschauer an sich binden konnte. Die Mär von der Qualitätsoffensive Der Humor kommt auch bei dem hier vorgestelltem Format definitiv nicht zu kurz, aber der Schwerpunkt liegt trotzdem klar auf der Anklage unseriöser Programme, der Hinterfragung von scheinbar seriösen Sendungen und die Thematisierung aller sonstigen Themen in und um die Glotze herum. Als besondere Steckenpferde sind hier die Vorgehensweisen der auf breiter Front verhassten GEZ und den Betreibern von Call-In-TV hervorzuheben, bei welchen man sich oft schwer tut, den größeren Übeltäter auszumachen. Holger Kreymeier, der Macher von Fernsehkritik-TV ist ein Einzelkämpfer gegen die bösen Mächte der Neuzeit, der mittlerweile seine Zeit vollständig der Recherche widmen kann, nachdem sein früherer öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber diese Form der Freizeitbeschäftigung nicht mehr tolerieren wollte. Es ist jedenfalls die Zeit gekommen zu prüfen, ob die Entwicklung der Fernsehlandschaft der letzten zwanzig Jahre in unserem Sinne sein kann oder nicht. Fixierung auf Quote, Quantität vor Qualität, steigender Kostendruck etc. sind kein guter Nährboden für gutes Fernsehen. Leider sind "Qualitätsoffensiven" wie die des WDR bisher nur eine Fiktion, liebevoll in einer gefälschten Ausgabe der hausinternen "WDR Print" von den eigenen Mitarbeitern zur Debatte gestellt. Meiner Einschätzung nach ist es jedoch fraglich, ob solche definitiv vorhandenen Stimmungen auch bis zu den Entscheidungsträgern durchdringen werden, oder ob es dafür nicht die Unterstützung der Zuschauer bedarf, welche besser spät als nie ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. In meinen vier Wänden gibt es schon lange keinen Fernseher mehr. Während ich mir Gedanken mache, wie ich eines Tages meinen Nachwuchs vor der Verdummung aus der Röhre beschützen kann, läuft bei mir nur meine tägliche Seifenoper im Ersten über den Livestream pünktlich um acht Uhr, sowie alle zwei Wochen der Zusammenschnitt über die traurige Entwicklung unserer Fernsehlandschaft bei Fernsehkritik-TV - natürlich ebenfalls online. In diesem Sinne, "Schalten Sie mal wieder ab!". Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann seien Sie gespannt auf unsere nächsten Medien-Guerilleros. Um keinen Teil dieser Serie zu verpassen, empfehlen wir Ihnen, unseren RSS-Feed zu abonnieren oder - noch viel einfacher - Philibuster-Fan bei Facebook zu werden :) Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Paul,
November 10, 2010
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Auf der DVD "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" sollte man sich auch den Film zusammen mit den
Kommentaren von Moritz Bleibtreu und Regisseur Weingartner anschauen und anhören....diese "Kommentare zum Film" fördern noch mehr "Abgründe" aus der deutschen TV-Kultur zu tage...sehr informativ, um zu erfahren, wie "pervers" die Medien ticken. Dann wird noch klarer, wie wichtig FERNSEHKRITIK.TV ist.
geschrieben von Artjom,
November 10, 2010
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Ich habe vor ca. einem Jahr Fernsehkritik.tv für mich entdeckt und bin seit dem im Klaren über den ganzen Blödsinn der im Fernseher läuft, was ich vorher kaum gemerkt hatte. Die Aufklärung die Holger da betreibt ist hervorragend und ich hoffe doch, dass die Gerichtlichen Außereinandersetzungen mit 9 Live das Ganze nicht zestören wird.
In diesem Sinne: Schaut und unterstüzt Fernsehkritik.tv!
geschrieben von Vexxille,
November 11, 2010
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Er ist nicht der einzige aber der erste und steht nicht alleine da mit seiner Meinung das das Fernsehn keine quallität besizt nur noch die Quantität der masse an naja SCHEIßE ich kann es nicht besser ausdrücken und ich hoffe das alle Endlich mal aufwachen aus dem Dronröschen schlaf und nicht mehr einschalten.
geschrieben von Nemo,
November 11, 2010 ...
Das Fernsehen ist bunter geworden als noch vor zwanzig Jahren. In seiner Vielfalt ist es wohl nur noch vom Internet übertroffen. Hier wie dort muss man sich die Rosinen rauspicken und dem Medium mit einer gehörigen Portion Distanz begegnen. Dazu gehört auch Kritik wie sie von fernsehkritik.tv ausgesprochen wird.
Eine differenzierte Betrachtungsweise fördert dann auch zutage, dass Fernsehen nicht nur durchaus gutgemachte Unterhaltung wie Schlag den Raab, Stromberg, Harald Schmidt oder Kurt Krömer bieten kann, sondern auch Information, siehe das Nachtstudio, Alpha Centauri oder Menschen bei Maischberger. Doch genauso wie es Schundliteratur, billige Webseiten und niveauloseste Filme gibt, gibt es auch schlechtes Fernsehen. Warum es so schick ist, gerade darüber herzuziehen, verstehe ich nicht. Insbesondere die sich-selbst-schulterklopfenden Komplettverweigerer, die dann auch nur ihre Kinder vor dem größten aller Übel beschützen wollen (am besten sollte auch der Freundeskreis des Kindes danach selektiert werden) entziehen sich meinem Verständnis. Sicherlich, auch ohne Fernsehen wird eine Kindheit schön sein. Aber Sesamstrasse, Sendung mit der Maus, das Sandmännchen oder die Augsburger Puppenkiste, ich habe sie geliebt und nebenbei die Medienkompetenz aufbauen können, die in unserer Zeit immer wichtiger wird, gerade wenn man sich den vielen Mist anguckt, der die Medienwelt bevölkert. Im übrigen hat auch Holger Kreymeier schon betont, dass er Fernsehen nicht als generelle Verdummungsmaschine verdammen will. Vielmehr geht es um die schlimmsten Auswüchse - wobei man sich selbst bei denen mit einem gerüttelt Maß an ironischer Perspektive amüsieren kann, den wie so vieles im Leben ist es auch das Fernsehen nicht wirklich wert, sich darüber aufzuregen. Kommentar schreiben:
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Und doch ist es ja nicht so, dass es für "gebildetere Schichten" keine Alternativen gäbe. Aber es ist halt einfach so fuckin' bequem dem "dummen Bäuerle" bei der trotteligen Brautsuche zuzusehen. Da schmeckt das Feierabendbier doch gleich viel besser, das vom tristen Arbeitsalltag ablenken soll. Und da ist es auch kein Wunder, dass Weingartners idealistisches Manifest von den Zuschauern in Scharen gemieden wurde. Es ist einfach erreicht: Das Ende der Liebe.