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30 Jahre Grüne und Greenpeace
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Grüne Gewissensbisse |
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Umweltschutz steht dank Stuttgart 21 und dem BP-Disaster hoch im Kurs. Die Bevölkerung rennt den Rettern des Planeten die Türen ein, übersieht dabei aber, dass sie selbst Teil des Problems ist. |
| Geschrieben von: Saskia Schäfer |
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Die Aktivisten werden es schon richten © Ferdinand Haschner / Philibuster
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In diesem Jahr feiert das grüne Gewissen der Republik seinen 30. Geburtstag und das gleich in zweifacher Hinsicht: Wurden sowohl die Grünen als auch Greenpeace Deutschland in den Revoluzzertagen ihrer Teenagerzeit noch belächelt, haben sie sich heute in der politischen Landschaft hinreichend etabliert. Eine aktuelle Forsa-Umfrage macht die Grünen nun gar zum Sieger einer imaginären Bundestagswahl und schustert ihnen 25% der Wählerstimmen zu, womit sie vor der SPD lägen. Dies dürfte für die ehemals ökologisch-pazifistische Alternativpartei immerhin ein Quantensprung zum realen Vorjahresergebnis von 10,7% sein. Doch damit nicht genug, hätte derzeit sogar Greenpeace ein Wählerpotenzial von 26%, würden die Verantwortlichen in ein Parteibuch investieren. Gehen wir realistischerweise davon aus, dass Greenpeace und die Grünen sich einen Teil der Wähler teilen, verblüfft das Ergebnis dennoch: Deutschland scheint verdammt grün hinter den Ohren zu sein. Grüne Gewissensbisse Die Retro-Debatte über Atomstrom und das Nutzenprofil von Stuttgart 21 für die Bäume im Schlossgarten der schwäbischen Hauptstadt hat die Deutschen am Schopf des ökologischen Bewusstseins gepackt. Doch können wir uns am Selbigen aus dem Sumpf medialer Meinungsmache herausziehen? Wie grün sind die Deutschen tatsächlich? Waschen nur die CDU/CSU-Wähler ihre Joghurtbecher aus, bevor sie im Gelben Sack landen? Während man vor der eigenen Haustür den moralischen Aufstand für die gute deutsche Eiche probt, spielen die Ereignisse andernorts in einer anderen Liga. Die Abholzung des Regenwalds im Amazonasgebiet ist natürlich furchtbar, aber was für schicke Gartenmöbel man dafür bekommt! Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist zwar weit weg, doch die Empörung über BP war dafür umso größer. Zum Boykott wurde aufgerufen! Trotzdem ist ARAL als alleiniger Vertriebspartner für BP Mineralölprodukte Marktführer in Deutschland. Was also steckt hinter der ökologisch abbaubaren grünen Farbe am Lattenzaun von Max Mustermann? Öko heißt heute nicht mehr Birkenstock und Knäckebrot, sondern gehört zum Lebensgefühl unserer Generation wie Wellness und Facebook. Öko ist in. Spätestens seit Edeldesigner nicht mehr nur auf nachwachsende Rohstoffe wie Nerz und Krokodil setzen, haben sogar Brigitte, Joy und Glamour eine Meinung zum Thema. Deshalb sind Anti-Falten-Cremes heutzutage auch aus Gemüse und nicht mehr aus Chemie. Hauptsache, man kann sich berieseln lassen und auf Youtube Zeuge sein, wie Greenpeace-Aktivisten ihren Job machen. Zwischen Mülltrennung und Bio-Gemüse findet der größte Teil des persönlichen Engagements bei Farmville statt. Wen interessiert Massentierhaltung und Überfischung, wenn es bei Aldi und Co. Rumpsteak und Tigergarnelen zum Geiz-ist-geil-Preis gibt? Lieber Teil der Lösung, statt des Problems Die Grünen haben schon lange ihre radikal ökologische und pazifistische Attitüde abgelegt. Joschka Fischer in Turnschuhen wird für die Facebook-Generation mehr und mehr zu einer urbanen Legende. Die Opferung einer oppositionellen Überzeugung für eine dauerhafte politische Zukunft kann man ihnen kaum zum Vorwurf machen, schließlich sind die Grünen, was sie sind: In erster Linie eine Partei. Greenpeace hingegen ist in den vergangenen 30 Jahren zur größten deutschen Umweltschutzorganisation gereift und ist darüber hinaus finanzstärkstes Länderbüro der Gesamtorganisation. Als gemeinnütziger Verein finanziert sich Greenpeace durch Spenden und ist damit überaus erfolgreich. Doch die Spendenbereitschaft vieler Bürger ist symptomatisch: Man will sich als Teil der Lösung fühlen, nicht als Teil des Problems, wie Paul Watson, ehemaliges Greenpeace Mitglied einst seinen Austritt aus der Organisation begründete. Überlasst den Aufwand und das Risiko den Aktivisten; Heutzutage kann man alles kaufen, auch ein gutes Gewissen. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tom,
Oktober 18, 2010
Mal im Ernst
aber wer wäscht denn bitte heutztage noch Joghurtbecher aus? Ich höre immer nur das Argument "Landet doch alles auf der gleichen Müllhalde" und schwupps landet der Becher im Restmüll. Und nur weil Mr. Coldplay sich "Fairtrade" auf die Hand schreibt, reist er zu seinen Konzerten doch mit dem eisernen Vogel an, der nach wie vor schädlicher für die Umwelt ist als jedes Monster-SUV.
geschrieben von Natalia,
Oktober 18, 2010
Was gibt es schöneres?
Mal satirisch gefragt: Was gibt es schöneres als eine gepflegte Stunde Greenpeace-Videos bei YouTube gucken? Bei einer großen Portion Popcorn. Schön im Trockenen, während die Sozialarbeiter der Meere - flink wie Wiesel - den japanischen Harpunen ausweichen und das Salzwasser nur so spritzt. Und dann das Happy-End, wenn der Wal quicklebendig von Dannen ziehen darf, während der 25-jährige Biologie-Student an Bord des Walfangsbootes Stockschläge bezieht. Ist ja für einen guten Zweck, kann man ja mal machen. Free Willy!!!
geschrieben von DasFlo,
Oktober 18, 2010 Grünes Deutschland
"Wie grün sind die Deutschen tatsächlich?", fragt die Autorin und beantwortet die Frage einen Absatz früher: "Deutschland scheint verdammt grün hinter den Ohren zu sein."
Man könnte auch sagen "unreif". Unreif Politik in die Tat umzusetzen und politische Verantwortung zu übernehmen. Immerhin hat man sich doch eine nette Riege an Volksvertretern zusammengewählt. Die werden es schon richten. Und wenn nicht: dann bleiben immer noch die Aktivisten. Kommentar schreiben:
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Kann doch nicht so verkehrt sein, denn die Popstars machen es doch genau so. Und was Bono und Chris Martin für gut befinden, muss schließlich ökologisch korrekt sein. So denken sicherlich viele und lassen die Aktivisten weiter im Meer kämpfen, während sie vor ihren Bildschirmen Bananen mampfen und Paul Watsons "Wale Wars" "total spannend" und "echt mutig" finden ...