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Deck +++ Alte Welt +++ Des Pudels Kernenergie
Mittwoch, 15.09.2010
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Atomkraft
 

Des Pudels Kernenergie

Der schwarz-gelbe Atomkompromiss ruft den Zorn der jungen Generation auf den Plan. Doch noch ist sich der als unpolitisch abgestempelte Nachwuchs nicht sicher, auf welcher Seite er stehen soll.
Geschrieben von:   
Die Renaissance des Protests - Traum oder Wirklichkeit? © Flickr Philippe Leroy


Energie ist essenziell für die Generation Gadget. Stets mobil, stets erreichbar. Am besten in Kombination. Laptop. Smartphone, iPod – Stromfresser, die alltägliche Arbeiten erleichtern und vieles angenehmer machen. Wo allerdings der Strom für diesen Gerätepark herkommt, das hat lange niemanden wirklich interessiert. Für den Großteil kam er ohnehin: aus der Steckdose.

Doch jetzt regt sich Unmut bei den Jungen. Unerhört sei das, was sich die Merkel da erlaubt habe. Sich so einfach kaufen lassen von den Sesselfurzern der Atomloby mit ihrer schmutzigen Kernenergie. Damit die mit ihren abgeschriebenen Uralt-Meilern noch mal richtig abkassieren können. Was soll denn zum Beispiel nur aus dem ganzen radioaktiven Müll werden, der noch in tausenden von Jahren munter vor sich hinstrahlt? Man scheint sich einig im Lager der Neo-Atomgegner. Man muss irgendetwas tun. Doch was? Bilder erscheinen vor geistigen Augen, die sonst geübt auf Egoshooter-Massaker und im Sekundentakt wechselnde Statusmeldungen akkomodieren. Bilder von Menschen, die reichlich uncoole Klamotten tragen, in Ölzeug gehüllt mit riesigen gelben Fässern für Fotografen posieren. Und noch verrückter: sich nackt auf Bahngleisen festketten, um ihr Leben für den Stopp von Castortransporten zu riskieren. Wozu das alles? Soll dieses komisch anmutende Schauspiel die Monty Burns der Realwelt etwa davon abhalten, die Hunde von der Kette zu lassen, um das Hippiegesindel von den Äckern und Zugstrecken zu vertreiben?

Absolution vom Umwelt-Gott

Aus der Geschichte sollst Du lernen, hat diese Generation so oft von ihren Vorfahren hören müssen. Dann lernen wir halt und was lernen wir? Dass es nichts bringt, sich für Dinge einzusetzen, die man ohnehin nicht ändern kann - das Killerargument der Generation Facebook. Warum Pudding werfen, wenn man ihn auch vor dem Fernseher essen kann?

Und doch kämpft die junge Generation mit einem schlechten Gewissen, will die Kernergie eigentlich loswerden. Hat sich das Umwelt-Marketing etwa sublim ins Unterbewusstsein gefressen? Nachhaltigkeit, da war was. Kann man sich nicht für den Urlaubsflug nach Thailand freikaufen? CO2- Ausgleichszahlungen und so. Moderner Ablasshandel nach dem Schema: Kaufe jede Woche ein Kilo Fairtrade-Bananen und höre ausschließlich Musik von U2 schon seien Dir alle Umweltsünden vergeben.

Spaß beiseite. Was die Jugend vor allem umtreibt, ist das Gefühl, bei diesem Thema nicht richtig mitreden zu können. Zu viele verschiedene Meinungen grassieren, zu viele Falschinformationen werden über die Medien gestreut. Welche Risiken birgt die Kernenergie tatsächlich? Gibt es denn momentan wirklich Alternativen zur Atomkraft? Und wenn ja, welche? Ist ein schneller Atomausstieg wirklich machbar, oder nur ein Wunschdenken von Rot-Grün?

Fakt ist, dass es in der Tat Alternativen zur Atomenergie gibt. Zum Beispiel ließe sich durch die Energie, die in den Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee erzeugt wird, ein Großteil des deutschen Energiebedarfs decken. Dazu müsste aber die  Energie effizient zwischengespeichert werden und Deutschland über ein Leitungsnetz verfügen, durch das diese Energie quer durchs Land transportiert werden könnte. Nur: Die Speicherung von Energie in diesen Mengen ist technisch noch nicht wirklich gelöst und was die Leitungen angeht, sperren sich die Energieriesen. Warum unnötig investieren, wenn sich mit vorhandener und abgeschriebener Infrastruktur vortrefflich verdienen lässt?

Die Zukunft der Katastrophenhilfe?

Auch das Zauberwort „Elektromobilität“  ist mit Vorsicht zu genießen. Was hilft es, wenn sich jedermann ein – vergleichsweise teures - Elektroauto in die Garage stellt, aber damit nur die weitere Existenz der AKWs legitimiert? Denn wie soll dieser zu erwartende Hunger nach Starkstrom sonst gestillt werden? Durch Sonnenkollektoren auf dem eigenen Dach? Dazu müsste erst einmal die Leistungsausbeute dieser Technik drastisch erhöht werden.

Und dann erst der Atommüll. Wohin mit den giftigen Überresten einer ansonsten recht sauberen Art der Stromerzeugung? Vergraben? So lange bis die Lagerstätte undicht wird und der Kollaps droht? Ins Ausland verkaufen? Vielleicht das Zukunftsmodell der Katastrophenhilfe. Hey, Ihr Pakistanis, Euch steht das Wasser bis zum Hals? Kein Problem, wir helfen Euch. Nahrung, Medikamente und sauberes Wasser. Schicken wir alles. Wird Euch ja in Eurer Not nicht stören, wenn wir noch ein paar Container Atommüll mit dazupacken. Hauptsache der Dreck ist raus aus Deutschland.

Eine verzwickte Lage also für Deutschlands Protestnachwuchs. Man wird sehen, ob uns ein heißer Herbst ins Haus steht und ob sich die Jugend wirklich auf die Maisfelder der Republik wagt, um endlich den Aufstand zu proben. Oder ob sie den Kuschelkurs vorzieht und selbige lieber weiterhin bei FarmVille bestellt.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Saskia, September 15, 2010

...
Atommüll ist doch völlig überbewertet. Wenn wir Satelliten ins All schicken können, warum nicht auch die unwesentlich strahlenden Überreste unseres Elektrokonsums?

Die energie-sche Hängematte der AKWs ist aber auch einfach zu bequem: billig zu nutzen, und man muss sich vorerst auch keine Gedanken über große Investitionen in erneuerbare Energien machen. Hach, das Leben ist schön...- Symptombekämpfung statt mutig das Thema Zukunft anzugehen, aber das kennen wir ja schon von der Rente.
Ist ja nicht so als wären ohne Ausstieg vom Ausstieg die AKWs morgen abgeschaltet worden. Aber am besten beruhigen wir uns alle wieder. Wer weiß, ob die nächste Regierung nicht wieder alles zurückdreht.
geschrieben von Luke Zaring, Juni 23, 2011

Atomausstieg
Es geht den Energiekonzernen immer nur um ihren Gewinn. Sie kümmern sich nicht um unsere Natur, Hauptsache sie haben ihr Geld. Jetzt reden die Firmen davon, dass nicht ausreichend Energie produziert würde ohne die Atomenergie, jedoch ist dies erneut nur eine der vielen Ausreden um den Ausstieg aus der Atomkraft zu vermeiden. Auch die Regierung möchte den Energiekonzernen entgegenkommen, indem sie ihnen die Erlaubnis erteilen, die Stromkontingente der 7 Atomkraftwerke, die ab sofort abgeschaltet werden sollen, auf aktuellere Kraftwerke zu überschreiben. Meiner Meinung nach ist dies alles Nonsens. Ich werde weiterhin an Atomkraftdemonstrationen teilnehmen.
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