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Deck +++ Alte Welt +++ Möge die Macht mit uns sein
Montag, 13.06.2011
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EHEC-Entwarnung
 

Möge die Macht mit uns sein

Auch nach der Entwarnung verbreitet sich die Panik um EHEC immer noch wie eine Krankheit. Spanier hetzen gegen Deutsche und Bauern gegen die Medien. Doch der Boykott zeigt auch, welche Macht wir Verbraucher ausüben könnten, wenn wir nur wollten.
Geschrieben von:   
Auch nach der Ehec-Entwarung gilt: der Verbraucher hat es am Ende in der Hand © Flickr kellerabteil


Beim Gedanken an EHEC erfasst viele Deutsche, aber auch Ausländer das kalte Grauen. Zugegeben, mich irgendwie auch. Eine Krankheit, an der man selbst als junger Mensch ohne Vorerkrankung sterben kann oder womöglich lebenslang mit Nierenschaden an die Dialyse muss, ist sicherlich nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Hinzu kommt, dass es uns in der Straßenbahn oder der Fußgängerzone manchmal nicht anders geht, als den Hühnern in der Massentierhaltung. Krankheiten verbreiten sich auf engem Raum einfach sehr viel schneller. Unser Glück, dass niemand den „Betrieb Deutschland“ zur Seucheneindämmung keult.  

Gurken und Sprossen - die Absteiger der Beliebtheitsskala

Jetzt nach der Ehec-Entwarnung ist es mal wieder interessant zu sehen, wie schnell alle ihr Konsumverhalten ändern konnten, kaum waren die Warnungen vor Gurken, Salat, Sprossen und Co. in allen Medien veröffentlicht. Da sah man Bauern im Fernsehen, die ihre wahrscheinlich tadellosen Salate noch auf dem Feld vernichteten und Spanier, die voller Hass gegen die Deutschen predigten. In diesem Jahr sind wir außerordentlich erfolgreich darin, uns andere Länder zum Feind zu machen, vor allem nach der Enthaltung im Sicherheitsrat bei der Frage, ob man nun gegen Lybien vorgehen solle oder nicht. Als Deutscher hat man es dieser Tage eben nicht leicht, wenn deutsche Kinder nicht nach Ungarn fahren dürfen, weil man dort Angst hat, man könnte sich mit der „Gurkengrippe“ anstecken. Auch Schweden warnt vor Reisen nach Deutschland. Der Wahnsinn scheint sich schnell zu verbreiten, ja sogar noch schneller als EHEC selbst, und jeder, der liest, fernsieht oder im Internet surft, steckt sich mit diesem Wahnsinn an. Da werden selbst Regeln wie „Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen“, die wir wahrscheinlich das letzte Mal im Kindergarten gehört haben, wieder als Verkaufsschlager der Zeitungen im Kampf gegen EHEC angepriesen. Mich für meinen Teil belustigt die Berichterstattung in den Medien eigentlich eher, wenn ich in der Tageszeitung Rezepte für Salatsuppe finde oder Spiegel Online mit Titeln wie „Die Pest 2.0“ und „Der Feind im Essen“ auffährt.

Leben im EHEC-Alltag

Trotz der ausgesprochenen Entwarnung kommt man manchmal nicht umhin, sich wieder mit dem Thema EHEC zu befassen: Als ich vor kurzem abends unterwegs war, stellte uns die nette Bedienung zu unserem Bier gleich noch ein Glas Salzstangen auf den Tisch, das zuvor auf dem Tresen gestanden hatte. Lecker, EHEC-Stäbchen, dachte ich mir. Da hat man sie dann sofort wieder vor Augen, die Statistiken, wie viele Menschen, die in einer Bar von den Erdnüssen essen, sich auch tatsächlich die Hände nach dem Toilettengang gewaschen haben. EHEC erzieht uns dazu, uns mal wieder etwas eingehender mit der eigenen Körperpflege (und der der anderen auseinanderzusetzen) und vielleicht ist das auch gut so. Trotzdem braucht man sicherlich nicht sofort eine Neurose zu entwickeln, unsere Umwelt ist voller Keime und trotzdem haben alle, die das hier lesen können schon ein recht stattliches Alter erreicht. Wann macht sich denn mal wieder jemand Gedanken über Salmonellen? Oder über BSE? Oder SARS? Es gibt zahlreiche Krankheiten und trotzdem wird nur relativ selten jemand krank.

Die ganze Sache hat jedoch auch eine ganz andere, aber nicht minder interessante Seite: Und das ist das Potential, dass im Gurkenboykott steckt. Da warnt jemand vor Gurken und sofort stellen (fast) alle ihren Konsum ein und hören auf Gurken zu kaufen. Warum bloß hat noch niemand vor den hohen Benzinpreisen gewarnt? Vielleicht würden die Menschen ja dann auch mal ein paar Wochen darauf verzichten, dann würden uns Shell und Co. sicherlich ernst nehmen, denn Preise abzuschauen macht bekanntlich auch nur Spaß, solange es dabei hilft sich die Taschen voll zu machen. Doch anscheinend ist die Trägheit der Bevölkerung einfach zu groß, da braucht es schon Fukushima, um Atomkraft in Frage zu stellen und EHEC, um über Methoden der modernen Landwirtschaft nachzudenken. Angst bringt die Menschen dazu, Bauern in den finanziellen Ruin zu treiben, doch der Wille die eigenen Interessen zu vertreten hat noch kaum jemanden irgendwohin gebracht. Und doch liegt es in letzter Instanz in der Hand der Käufer, was und zu welchem Preis gekauft wird. Der Verzicht vieler straft mehr, als  es die Demonstrationen weniger vermögen.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Irina Morosov, Juni 13, 2011

Immer wieder diese Vieren
Irgend wie kommt jedes Jahr etwas neues, entweder die Vogelgrippe, dann die Schweinegrippe. Wann hört das endlich auf? Wenn man es sich so überlegt, darf man nicht essen und nichts trinken. Man muss sich den eigenen Garten anschaffen und dann wird alles gut. Aber kann ja nicht dagegen ankommen und muss das alles mitmachen und abwarten bis es endlich vorbei ist.
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