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Deck +++ Alte Welt +++ Das hässliche (Peking-)Entlein
Montag, 01.11.2010
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Globalisierung
 

Das hässliche (Peking-)Entlein

Globalisierung ist das Zauberwort des 21. Jahrhunderts und keineswegs unumstritten. Man wähnt sich in einem Gleichgewicht der Mächte, doch längst schon ist klar, wer den Karren lenkt.
Geschrieben von:   
Chinas Wirtschaft schwimmt oben auf © Flickr overdrive_cz


In Deutschland produzierte Waren umweht noch immer der Unkaputtbar-Mythos des Qualitätssiegels „Made in Germany“, während der Standort selbst sich Hightech, Innovation und Wirtschaftlichkeit auf die schwarz-rot-goldene Fahne schreibt. Zu Recht, denn die deutsche Wirtschaft brummt wieder und in der Tat investiert man kräftig in allerlei Zukunftsträchtiges.

Ein großer Teil der Waren allerdings, die hierzulande über die Ladentheken gehen, sind natürlich weder in West- noch überhaupt in Europa produziert, sondern kommen Containerweise aus China, dem Reich der Mitte, und anderen Billiglohnländern, um hier bei H&M und Co. mehrere hundert Prozent Handelsmarge zu erreichen.

Doch was macht ein Land wie Deutschland zu einer Hightech-Nation? Keineswegs die Anzahl der Einwohner mit mehr Apps als Facebookfreunden, sondern vielmehr das geeignete Personal diese Wirtschaft voranzutreiben, kombiniert mit den entsprechenden Investitionen und Rohstoffen. Drei Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Streicht man einen dieser Faktoren, z.B. die Rohstoffe, weg, hat dies langfristig Auswirkungen auf die anderen beiden.

David gegen Goliath, Bergbau gegen Hightech


Genau dies ist nun geschehen: Die Volksrepublik China hat den Export von Seltenen Erden drastisch verknappt und die ersten Hightech-Firmen werden nur noch unzureichend mit Rohstoffen versorgt.

Seltene Erden sind weder Erde noch selten und erst recht keine Ayurveda-Gesichtspackung. Es handelt sich um Metalle wie Lanthan und Scandium, die von der Industrie zwar nur in homöopathischen Mengen benötigt werden, deren Zweck jedoch umso pikanter ist: Sie finden u.a. Verwendung in Elektromotoren, Windkraftanlagen, Hybrid-Motoren, Handys und Halbleitern, also genau der Art von Produkten, bei denen wir uns selbst gern auf die Schulter klopfen, weil wir damit in ein neues, ökologisches Zeitalter schreiten und ganz nebenbei noch technologische Standards setzen.

Doch China hat mit einem Anteil von 97% an der gesamten Weltproduktion praktisch ein Monopol auf die Förderung und den Export dieser Materialien. Das Problem sind nicht mangelnde Vorkommen, sondern dass außer China nur noch eine handvoll anderer Länder diese Rohstoffe überhaupt fördern, in verschwindend geringer Menge.

Erziehungsmaßnahmen für Dummies

Was machen also Deutschland und der Rest der industrialisierten Welt, wenn ihm die Highend-Rohstoffe ausgehen? Warum drosselt China die Produktion? Vielleicht um uns unsere Abhängigkeit vor Augen zu führen? Ein kleines Armdrücken zwischen Big Brother und der Anstandsdame im Westen, die zwar immer mal drohend den Zeigefinger erhebt, letztlich aber doch weder Mumm noch Muckis hat zu einer Backpfeife auszuholen?

Man möchte sich im Westen politisch zumindest so weit vom chinesischen Pseudo-Kommunismus distanzieren, dass Angela Merkel den Dalai Lama bewusst ins Kanzleramt bittet, oder Google der Zusammenarbeit mit der chinesischen Zensur abschwört. Auch wertet man es als gutes Zeichen, dass der Friedensnobelpreis in diesem Jahr an einen chinesischen Systemkritiker geht und man wähnt dies bereits als moralische Ohrfeige.

Doch insgeheim wissen wir, dass wir von China abhängig sind. Wir sehen das Regime der Volksrepublik als Antithese zu Demokratie, Kapitalismus und Globalisierung, ohne uns bewusst zu machen, dass wir ohne Höschen - im übertragenen wie im wörtlichen Sinn - dastehen, sollte der Große Bruder die Schotten eine Weile dicht machen.

Dies betrifft Warenströme in beide Richtungen. Denn China ist für viele Industriezweige der Boom-Markt schlechthin. Eine Welle, die man so lange reiten will wie es geht, bevor sie bricht und der Markt sich aufsättigt.

Ein Land, in dem Sicherheitsstandards ein Fremdwort und Grubenunglücke an der Tagesordnung sind, in dem die Industrialisierung im Hinblick auf Klima und Umwelt auf dem Stand des 18. Jahrhunderts ist und ein guter Teil der Bevölkerung unter dem Existenzminimum lebt und arbeitet, legt dem Westen Daumenschrauben an.

Vielleicht ist Chinas neu eingeführter Google-Earth-Ersatz „Map World“ eine gute Metapher, wer weltwirtschaftlich wirklich die Hosen an hat: China ist gemäß Zensur der Nabel der Welt und jenseits der Staatsgrenze wird das Testbild gesendet. Es heißt nicht umsonst das Reich der Mitte.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von jan, November 19, 2010

...
... denn niemals die Hand beißen, die einen füttert!
Witzig ist aber der treffend beschriebene Umstand, dass trotz gewisser Oberhandzüge China in den ein oder anderen Bereichen unterlegen ist - was aber nichts macht, da sich hier nur die ganzen Widersprüchlichkeiten der Weltgesellschaft zeigen. Das, was wir heute global haben, ist nicht viel mehr als eine nicht-lineare Gleichung. Bleibt spannend, wo es hinführt! ;)
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