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Deck +++ Alte Welt +++ Ground Zero Tolerance
Mittwoch, 08.09.2010
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Kommentare (3) Drucken
 
Terror-Trauma
 

Ground Zero Tolerance

Auch neun Jahre nach 9/11 hat New York die Terror-Anschläge auf das World Trade Center noch immer nicht überwunden. Der geplante Bau einer Moschee auf dem Ground Zero provoziert die Angehörigen der Opfer.
Geschrieben von:   
Mondlandung in New York City: Ground Zero im Jahr 2006 © Flickr Drew Spencer


Es sind bewegende Tage für diese amerikanische Familie, die Bardens. Am Dienstagabend, den 31. August, spricht Präsident Barack Obama zur Nation und erklärt den Irakkrieg für beendet. Ein Krieg, den die heute im US-Bundesstaat Ohio lebende Familie nie richtig verstanden und für unnötig gehalten hat. Anders der Afghanistan-Krieg, an dessen Auslöser sie sich umso deutlicher erinnern kann: Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York City am 11. September 2001. Julia Barden, die Mutter der Familie, nimmt an jenem 11. September an einer Konferenz in der Metropole teil, nahe des berühmten Times Squares. “Der Tagungsort dieser Konferenz hat mir das Leben gerettet”, sagt sie heute rückblickend- denn er veranlasste die gebürtige New Yorkerin nicht in ihrem sonst favorisierten Marriot-Hotel am World Trade Center zu übernachten, sondern in einem näher am Times Square gelegenen Hotel. Trotzdem plant sie für den Abend des 11. Septembers eine Visite mit Freunden in der sogenannten “Greatest Bar on Earth”. Im 107. Stock des World Trade Centers, an das heute nur noch Ground Zero erinnert.

Kopfkino in Endlosschleife

Vor dem Feierabend in der Bar erwartet sie ein langer Arbeitstag mit einem vollen Terminkalender. Am Morgen des 11. September startet die in der Kabelindustrie arbeitende Mutter mit puertoricanischen Wurzeln von ihrem Hotel aus zur Konferenz. Sie läuft an den Studios des TV-Networks ABC vorbei. Dort wird im Schaufenster rund um die Uhr das hauseigene Programm abgespielt.

Als sie sich der Menschentraube vor den Bildschirmen nähert, merkt sie schnell, dass die Stimmung gedrückter ist als an anderen Tagen. Die Bilder des ersten Flugzeugs, das etwa um 08:46 Uhr in den Nordturm einschlägt, flimmern über den Bildschirm. Der Platz vor dem Schaufenster der ABC-Studios ist überdacht, so dass den dort versammelten Menschen der Blick auf das World Trade Center versperrt ist. Doch als sie im TV das zweite Flugzeug in den Tower fliegen sehen, wird die Stimmung ernst. Mrs. Barden wechselt die Straßenseite und blickt gen Himmel. Dort ist nur noch Staub zu sehen, später wird sie aus der Zeitung erfahren, dass das zweite Flugzeug direkt über ihren Kopf geflogen ist. „Es war sehr seltsam. Das World Trade Center stürzt nur etwa vier Meilen entfernt ein und man hört nichts. Im Kopf spielt sich nur ein wirres Kino aus schockierenden Bildern ab“ Zu diesem Zeitpunkt geht sie noch von einem Unfall, nicht aber von einem Terroranschlag aus - und so setzt sie ihren Weg zur Konferenz fort. „Ich wollte dort normal erscheinen. Es ist keine gute Idee, als Frau im Berufsleben Gefühle zu zeigen.“ Dass dieser Tag einmal als „9/11“ mit den schlimmsten Terroranschlägen überhaupt in die Geschichte eingehen würde, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Von den einstmals imposanten Twin-Towers bleibt nur der mahnende Ground Zero. Das historische Ausmaß wird ihr erst bewusst, als sie den Konferenzraum betritt und ein Arbeitskollege, der sonst eher nüchtern wirkt, nicht mehr mit dem Weinen aufhören kann. „Da wussten wir, es ist verdammt ernst.“ Doch alleine um sich abzulenken, ging die Konferenz weiter. Die Gedanken aber waren woanders. Mrs. Barden konnte ihrem Mann und ihren drei Kindern, die zu dem Zeitpunkt in Virginia (neben Washington D.C) lebten, aufgrund der abgebrochenen Mobilfunkverbindung in New York vorerst keine Entwarnung geben.

Patriotismus versus Religionsfreiheit

Eine schnelle Heimkehr war unmöglich, da fast ganz Manhattan rund um Ground Zero gesperrt war. Im Laufe des Tages konnte sie dann ihren Mann benachrichtigen, der sich erinnert: „Mein ältester Sohn sprach nur davon, dass er eines Tages der Air Force beitreten möchte, um unser Land zu verteidigen.“ Der Sohn mittleren Alters wurde aus seinem Klassenzimmer gezogen und benachrichtigt, dass es seiner Mutter gut gehe - hatte vorher aber noch nichts von den Anschlägen gehört. Mrs. Barden sagt heute: „Ich bin nach Virginia zurückgefahren, da mein jüngster Sohn kurze Zeit später Geburtstag hatte. Als ich auf der Autobahn aber das attackierte Pentagon sah, wäre ich am liebsten umgekehrt, um meine Stadt zu verteidigen.“ Noch heute hält Mrs. Barden jedes Mal inne, wenn sie auf der Uhr die Zeit 9:11 sieht, überwunden hat sie dieses Schockerlebnis noch nicht. Dieses Jahr wird sie das erste Mal an der Jahrestrauerfeier an Ground Zero teilnehmen. Nebenan werden Menschen aus dem ganzen Land gegen die geplante Moschee demonstrieren. Mrs. Barden betont im Hinblick auf die Demonstration: „Die Religionsfreiheit in unserem Land ist eines der Dinge, auf das ich als Amerikanerin sehr stolz bin.“ Trotzdem zwinge sie ihr patriotisches Mitgefühl, zu ihren Landsmännern zu stehen, die so nah an dem Ort, an dem 9/11 geschah, keine Moschee wollen. „Menschen auf der ganzen Welt übersehen, wie stark sich Amerika noch mit dem 9/11-Trauma grämt, vor allem meine Heimatstadt New York City hat das noch immer nicht überwunden.“

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Physioblogger, September 27, 2010

Man kann soetwas nicht vergessen!
Wie soll man auch soetwas vergessen können?

Ich glaube das wir noch in 100 oder mehr jahren davon sprechen werden!

Gruß:
Physioblogger
geschrieben von Bless Pascal, September 27, 2010

Sprechen?
@Physioblogger: Ich denke, dass wir dann nicht mehr drüber "sprechen" werden. Wenn erst einmal das "Kulturzentrum" nahe an Ground Zero steht, wird die Stimmung - auch wenn ich es nicht hoffe - irgendwann umschlagen. Und dann sprechen wir nicht mehr drüber, dann tragen wir den Kampf der Kulturen offen aus. Fragt sich nur, ob wir dann überhaupt noch wissen, für welche Kultur wir überhaupt einstehen.
geschrieben von SpinDoctor, September 28, 2010

...
Dass die Amerikaner dieses Trauma so schnell nicht überwinden ist doch verständlich. Warum aber jetzt von Seiten der Muslime dermaßen provoziert werden muss? Wobei auch darauf verwiesen werden muss, dass es sich bei den Provozierern mal wieder um eine Minderheit handelt. Vielen New Yorker Musilimen stinkt diese Provokation ja ebenfalls. Das erinnert auch irgendwie an den ewigen Kampf Israel/Palästina. Immer ist es eine Minderheit (oft alterssture Männer), die Hass schüren und alles nur noch schlimmer machen. Man kann das Kulturzentrum ja bauen, ebenso Moscheen in deutschen Großstädten. Aber warum immer gleich solche gigantischen Bauwerke, die für eine gewisse Übermacht stehen? Irgendwo leuchtet dann ein, dass auch in einer aufgeklärten Demokratie Religionsfreiheit ihre Grenzen hat.
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