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Kirchensteuer
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Alle Jahre wieder |
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| Weihnachten steht vor der Tür, und Christen überall auf der Welt wappnen sich für das in ihrem Glauben wichtigste Fest im Jahr. Und es könnte auch alles so schön, ja so besinnlich sein, wäre da nicht dieser kleine, klitzekleine Wehmutstropfen: die Kirchensteuer! |
| Geschrieben von: Tanja Etzel |
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Nicht einmal das Weihnachtsgeld ist der Kirche heilig © Flickr drinksmachine
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Ich bin katholisch, so lange ich denken kann. Mein ganzes Leben also. Nicht, dass ich mich dafür mit knapp drei Monaten hätte selbst entscheiden können. Vielmehr wollten meine Eltern wohl so etwas wie die „Familientradition“ fortsetzen – und schon hielt man mich in bester Absicht übers Taufbecken. Seitdem bin ich ein paar Jahre älter geworden. Aber weiser? Kein bisschen. Denn während im Freundes- und Bekanntenkreis einer nach dem anderen aus der Kirche austritt, halte ich tapfer die Fahne der katholischen Kirche hoch. Für mich kommt es gar nicht in Frage, aus rein finanziellen Gründen dem abzuschwören, was schon meinem Ur-Ur-Urgroßvater Trost spendete und Vertrauen gab. Über meinen Glauben brauche ich gar nicht zu diskutieren – natürlich unterscheidet der sich immens von dem, was die katholische Kirche predigt. Nicht, dass ich das so genau wüsste. Denn natürlich gehe ich nicht jeden Sonntag in die Kirche. Natürlich glaube ich auch nicht alles, was in der Bibel steht. Und natürlich lassen mir so manch historische Belege die Haare zu Berge stehen. Trotzdem: Monat für Monat zahle ich als treues Mitglied der Glaubensgemeinde meinen Beitrag. Und der ist nicht gerade gering! Für Raucher wäre jeden Tag eine halbe Schachtel drin. Man könnte jede Woche einen Film im Kino ansehen – ohne darauf achten zu müssen, ob nun gerade Kinotag mit ermäßigten Preisen ist oder nicht. Und würde ich das Geld brav beiseite legen, dann wäre nach einem Jahr ein entspannter Wellnessurlaub inklusive Spa-Anwendung oder ein aufregender Städtetrip mit Übernachtung im Designhotel drin. "Nehmen ist seliger denn Geben!" Doch so weit kommt es erst gar nicht. Denn so lange meine Lohnsteuerkarte das Kürzel r/k ausweist, ist mein Arbeitgeber angehalten, die streng errechneten Beiträge direkt abzuführen. Ein Posten mehr, der nur auf meinem Gehaltszettel, nie jedoch auf meinem Konto aufschlägt. Und weil Posten dieser Art so langsam Überhand nehmen, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich Jahr für Jahr aufs kommende Weihnachtsgeld zu freuen, mit dem dann auch mal größere Anschaffungen bewältigt werden können. In diesem Monat war es wieder so weit, endlich! Der Schreck fährt einem jedoch mit der Abrechnung in alle Glieder: Denn im wahrsten Sinne des Wortes "gutgläubig" wäre, wer nun erwartet, dass das katholische Kirchensteueramt die milde Gabe des Arbeitgebers verschont und seinen Schäfchen die Freude über das Manna in Geldform ungetrübt lässt. Nein, nein, selbst das Weihnachtsgeld ist der Kirche alles andere als heilig. Sie fordert ihren Obolus, ganz nach dem Motto "Nehmen ist seliger denn Geben!". In einem ersten Wutanfall sehe ich die Manifeste meines Glaubens erschüttert und möchte zeitgleich mit der Novemberabrechnung eine Sintflut über den Vatikan hereinbrechen lassen. Weil ich nicht Gott bin, wird das schwierig. Aber ich könnte zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass seine fetten Jahre vorbei wären. Und nächstes Jahr? Mich in der stressigen Weihnachtszeit in einen Kurzurlaub verabschieden. Das Geld dazu hätte ich dann ja. Warum so viele "könnte" und "hätte"? Weil ich niemals aus der Kirche austreten werde! Denn in einer Gesellschaft, in der Werte nicht mehr viel zählen, in der sich jeder selbst der nächste ist, in der Geld und Stellung ein Großteil dessen sind, was "wirklich zählt", tröstet es, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich achtet und respektiert. Ich glaube fest daran, dass Religion verbinden kann. Und dass der Glaube an eine "übernatürliche Kraft", die das eigene Schicksal in die richtige Richtung lenkt, in vielen Situationen Trost spenden kann. Und jetzt? Freue ich mich darauf, mit meiner Familie ein traditionelles Weihnachtsfest zu feiern. Bei uns mit Gans, Knödeln und Blaukraut. Und, natürlich!, einem Besuch in der Kirche. Kommentare zu diesem Artikel:
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