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Deck -> Alte Welt -> Beständig fließt das Öl
Montag, 21.02.2011
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Kommentare (2) Drucken
 
Milliardenstrafe gegen Chevron
 

Beständig fließt das Öl

Der Ölkonzern Chevron wurde nach jahrzehntelanger Verschmutzung des Amazonasgebietes mit 8,6 Milliarden Dollar zur höchsten Umweltstrafe aller Zeiten verurteilt. Und doch stellt sich die Frage, wie viele Katastrophen es noch braucht, bis sich auch die Bevölkerung der Industriestaaten für den Umweltschutz interessiert.
Geschrieben von: Violetta Schäfer   
Umweltkatastrophen - nach wie vor ein Randthema © Flickr richardmasoner / Philibuster


Seit der verheerenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im April 2010 nehmen alle Anteil an den ihrer Existenz beraubten Fischern und den sterbenden ölverschmierten Tieren. Tatsächlich ist dies aber nur die Spitze eines ausgesprochen schmutzigen Eisbergs, der durch Menschenhand verursachten Umweltkatastrophen der letzten Jahre. Und während Barack Obama noch mit seinen Kindern im Golf von Mexiko planscht, um zu beweisen, dass alles nicht so schlimm ist wie es aussieht, hätte Ecuadors Präsident Rafael Correa das im Amazonasgebiet sicherlich nicht gewagt.

Denn dort verseucht der Ölkonzern Chevron schon seit Jahren das Amazonasgebiet, weil große Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden sickern. Jetzt wurde der Konzern nach einem fast zwanzig Jahre währenden Rechtsstreit zu einer Milliardenstrafe verurteilt. Nach Angaben des „Wall Street Journals“ soll es sich um eine Summe von ca. 8,6 Milliarden Dollar handeln, die für die Reinigung des verseuchten Regenwaldes und den Aufbau eines Gesundheitssystems für die betroffene Bevölkerung aufgewandt werden sollen. Darüber hinaus verfügte der Richter, dass sich der US-Ölmulti innerhalb von 15 Tagen nach der Urteilsverkündung öffentlich entschuldigen muss, andernfalls verdoppele sich die Strafe. Ein kleiner Erfolg für die Umwelt, handelt es sich hierbei doch um die bisher höchste verhängte Umweltstrafe. Und doch leben Mensch und Tier seit Jahrzehnten in einem verseuchten Gebiet, während sich ein arrogantes Unternehmen darauf beruft, dass es mit den Altlasten des von ihm in 2001 übernommenen Konzerns Texaco, der dort bis 1992 Öl förderte, nichts zu tun haben will.

Der selbsterwählte Preis, bisher zu Lasten anderer


Von Menschen verursachte Naturkatastrophen sind ja bei weitem keine Seltenheit, erinnern wir uns nur an den letzen Herbst, als sich eine Rotschlammlawine aus dem geborstenen Auffangbecken eines Aluminiumwerks über mehrere Orte im Westen Ungarns ergoss. Und auch Tankerunglücke stehen alle Jahre wieder auf der Tagesordnungsliste, droht doch schon jetzt die nächste Ölpest vor der Küste Norwegens. Manchmal erscheint es, als arbeite die Menschheit hart an ihrem eigenen Untergang. Kann man bei den jährlich aussterbenden Tier- und Pflanzenarten noch sagen, dass man sich noch nie besonders für die Natur interessiert hat, betreffen uns die letzten Katastrophen doch in zunehmendem Maße selbst.

Und trotzdem scheint Umweltschutz noch immer kein Thema zu sein, für das sich der Durchschnittsbürger wirklich interessiert, oder zumindest genug interessiert, um auch tatsächlich Konsequenzen für sein eigenes Leben daraus zu ziehen. Wir lieben unser Durchschnittsleben mit unseren Luxusproblemen einfach zu sehr, als dass wir auf unsere Autos, Flugzeuge und Plastikverpackungen wirklich verzichten möchten. Und zugegebenermaßen konnten wir uns bisher ja auch immer auf die Schulter klopfen, dass wir glücklicherweise nicht in Ungarn, Ecuador oder Florida leben müssen, aber die Sicherheit ist in diesem Fall ein Irrglaube. Die Globalisierung macht uns alle betroffen und nur weil wir die Auswirkungen nicht vor der eigenen Haustür sehen können, essen wir nichts desto trotz importierte Lebensmittel wie Fisch aus aller Welt.

Ein kleines Missgeschick, das kann doch mal passieren

Und die Verursacher? In den meisten Fällen spricht man von einem Unfall, von einer schrecklichen Katastrophe, für die man sich aber in letzter Instanz dann doch nicht verantwortlich fühlt. Klar, es war sicherlich keine Absicht, das werden uns auch die Betreiber des Atommeilers von Tschernobyl bestätigen, ebenso wie BP, das Aluminiumwerk in Ungarn und die Besitzer der havarierten „Waldhof“. Manchmal fragt man sich jedoch, ob es wirklich jedem Konzern mal passieren darf, dass zufällig Chemikalien in Flüsse geleitet werden, mal ein Tanker seine ewige Ruhe in den Weltmeeren findet oder eine Ölplattform in die Luft fliegt. Sicherheitsstandards kommen offensichtlich immer noch an zweiter oder dritter Stelle und solange eine Klage gegen Umweltsünder so langwierig und kostenaufwändig ist, wie man am Beispiel Ecuador sehen kann, braucht sich wohl kein Konzern wirklich zu fürchten. Und was macht Chevron? Bisher jedenfalls sieht der Konzern keine Notwendigkeit, sich zu entschuldigen oder gar zu versuchen, alles als einen Unfall darzustellen, schließlich wurden die offenen Ölbassins völlig bewusst zurückgelassen.

Ganz im Gegenteil, beleidigt wittert man nun eine große Verschwörung zwischen Präsident Rafael Correa und der einheimischen Bevölkerung und bezeichnet das Urteil darüber hinaus als unrechtmäßig und nicht durchsetzbar. Armer, armer Ölkonzern, wir sprechen hier unser offizielles Beileid dafür aus, dass ihr den Dreck, den ihr verursacht habt auch wieder wegmachen müsst. Ecuador kann sich ja zumindest glücklich schätzen, dass es keinen der zehn schmutzigsten Orte der Welt beherbergt, denn hier befinden sich nach einer Studie des Blacksmith-Instituts von New York eindeutig Russland und China an den Spitzenpositionen, wo Krebs, Lungeninfektionen und geistige Behinderungen von Kindern auf der Tagesordnung stehen, nachdem man Boden, Luft und Trinkwasser genug verseucht hat. Ist das nicht interessant, dass in diesen Gegenden tatsächlich noch Menschen leben, wo Chemiewaffen hergestellt wurden oder radioaktive Abfälle lagern? Aber wohin sollten die Menschen auch gehen, wo ihnen jemand eine Existenzgrundlage bieten würde? Umweltverschmutzung ist in den Entwicklungsländern nicht umsonst für bis zu 20 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Andere profitieren vom geförderten Öl, den hergestellten Waffen und Chemikalien, während sie ihren Hunger nach Geld und Macht stillen.

Die gegen Chevron verhängte Strafe ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, den die Bevölkerung des verseuchten Amazonasgebietes wohl hauptsächlich auf ihr Durchhaltevermögen zurückführen kann. Schlussendlich aber, liegt es in der Hand der erdölverbrauchenden Länder, Alternativen zu fordern und ihre Macht über den Markt auszunutzen. Aber der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht und so wird Umweltschutz wahrscheinlich erst dann aufhören etwas für Ökolatschenträger und radikale Veganer zu sein, wenn die Kinder im eigenen Land an den Folgen der Unachtsamkeit geldgieriger Firmen und der Passivität ihrer braven Eltern verrecken.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Mareile, Februar 21, 2011

...
Ich empfehle dazu noch den Film "The Age of Stupid - Warum tun wir nichts?". Aber Achtung: Guckt den Film am besten spät abends. Denn danach ist man so deprimiert und fertig mit den Nerven, dass man das Haus nie wieder verlassen möchte: http://ageofstupid.tao.de/
geschrieben von Marian, März 17, 2011

abgekartetes spiel
es sind ja nicht nur die ölkonzerne, die strafen erfahren müssten, sondern auch die politiker, die den konzernen erst den weg ebnen. das beispiel e10 in deutschland zeigt ja, wie die politik beiträgt, die bürger zu verwirren. deutschland kauft super statt e10 und zahlt gerne 10 cent mehr pro liter, um das eigene auto nicht zu zerstören. und wer verdient an dem ganzen spiel? na? ist doch alles abgekartet ...
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