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Pakistan und Anne Will
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Spenden zweiter Klasse |
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Täglich fordern die anhaltenden Überschwemmungen in Pakistan weitere Opfer. Ein selbstgerechtes Deutschland hingegen hat nichts besseres zu tun, als darüber zu diskutieren, ob Spenden für "Schurkenstaaten" auch politisch korrekt sind. |
| Geschrieben von: Nadia Shehadeh |
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Wenn Kinder zum Opfer politischer Querelen werden © Flickr Jason Tanner
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Wegen der schweren Überschwemmungen droht Pakistan eine Hungerkatastrophe. Millionen Menschen fehlen Nahrung und sauberes Wasser, ein Drittel der seit Juli geborenen Kinder des Landes sind akut vom Tode bedroht. Spendengalen mit Staraufgebot kommen für diesen finsteren Landstrich natürlich nicht in Frage – stattdessen wird an vielerlei Stelle lieber darüber gestritten, ob man dem „gefährlichsten Land der Welt“ überhaupt Spenden zukommen lassen sollte. So geschehen jüngst bei Anne Will: Ihre Sendung widmete sich abendfüllend dem Thema „Pakistan braucht Ihre Hilfe! Spenden trotz Terror und Korruption?“. Ein Kracher-Sujet, ausstaffiert mit illustren Gästen, die auch der Frage „Wenn ein Sack Reis umfällt, wer hat ihn umgetreten?“ fundiert auf den Leim gegangen wären. Scharmützel-Peter und Plänkel-Anne Es wundert nicht, dass neben den üblichen Verdächtigen auch Peter Scholl-Latour („Äh, kenn ich alles, weiß ich alles, nicht wahr, äh, ich hab auch schon mit allen Taliban-Anführern, äh, Tee getrunken, nicht wahr, und, äh, weil ich marginal arabisch spreche, äh, bin ich sowieso auch Experte für Pakistan, Afghanistan, die Türkei, äh, und überhaupt die ganze Welt, äh, und den ganzen Planeten natürlich, nicht wahr...“) im Studio vor sich hinnuschelte. Wozu in der Armee von Wissenschaftlern rumstochern, die zum Teil sogar fundiert ihren Beitrag zur Deutung des islamischen Fundamentalismus leisten, wenn Opa Peter ganz gemütlich mit der gleichen sprachlichen und gedanklichen Infrastruktur wie zu Beginn der Orientforschung rumhantiert? Genau. Warum also spenden? Topfschlagen im Minenfeld Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Alles begann bestens, mit schrecklichen Bildern und Entwicklungshilfe-Experten, die das Elend konkret beschreiben und beziffern konnten. Kurz keimte Hoffnung auf: Sollte es dieser Sendung tatsächlich gelingen, die Menschheit vorm Bildschirm darüber aufzuklären, dass das Lamentieren um die Spendenwürdigkeit Pakistans einfach nur anmaßend und peinlich ist? Doch weit gefehlt. Es all ihren Kolleginnen nachtuend, die sich nach der Tagesschau-Karriere ambitioniert dem Fettnapf-Topfschlagen widmeten, stellte Will nämlich Fragen, von denen eine bumsblöder als die andere war. So wie es halt oft passiert, wenn ehemalige Nachrichten-Sprecherinnen nicht mehr vom Blatt ablesen, sondern eigene Sprachabsonderungen aus sich heraus pressen. „Warum“, philosophierte Plänkel-Anne, solle man für ein zutiefst „islamisches“ (hoppla!) und „frauenfeindliches Land“ wie Pakistan spenden? Selbst Scharmützel-Peter konnte da nichts mehr retten, denn schon phantasierte Will weiter, ob es vielleicht und auch nur dann gerechtfertigt sein könnte, wenn das Spenden an den Transport „westlicher Werte“ gekoppelt werde. Würden die Amerikaner ja schließlich auch immer so machen. Autsch. Konstruktion des Fremden Die Frage jedoch, warum nur so wenige dem Land helfen wollen, konnte in dieser Runde nicht geklärt werden. Irgendwas hemmt die Deutschen am Ausfüllen von Überweisungsträgern und Versenden von Spenden-SMS, um Pakistan in der Not beizustehen. Vielleicht sei es das Misstrauen gegenüber islamischen Extremisten, vielleicht die nicht vorhandene durchschlagende Schockwirkung der verhältnismäßig „harmlos“ wirkenden Bilder dieser schleichenden Katastrophe in Pakistan, so die Plappernasen bei Will. Im Angesicht des gescheiterten Versuchs der Sendung, das Publikum nicht hinsichtlich einer doktrinär-vorgefassten Konzeption aufnahmefähig zu machen, kann man dabei vielleicht auch zu folgendem Schluss kommen: Dass die diskursive, orientalistische Inszenierung eines Landes wie Pakistan – von allen darin befindlichen politischen und sozialen Brandherden mal ganz abgesehen – dazu beiträgt, dessen Bewohner als absolut fremde und zweitklassige Menschen zu diskreditieren, die unsere Spenden, also unser Geld vielleicht nicht wirklich verdienen. Philibuster hat es getan. Bei folgenden Organisationen könnt Ihr einfach per SMS spenden: Der Betrag von 5 Euro wird zzgl. der Standard-SMS-Gebühr mit der nächsten Handyrechnung bezahlt, 4,83 Euro je SMS gehen direkt an die Organisation. Folgende Hilfsorganisationen haben SMS-Spendendienste eingerichtet: Aktion Deutschland Hilft Das Kennwort Pakistan als SMS an die Telefonnummer 8 11 90 führt zu einer Spende in Höhe von 5 Euro. Deutsches Rotes Kreuz Das Kennwort DRK als SMS an die Telefonnummer 8 11 90 führt zu einer Spende in Höhe von 5 Euro. humedica e.V. Das Kennwort DOC als SMS an die Telefonnummer 8 11 90 führt zu einer Spende in Höhe von 5 Euro. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Ghostwriter,
August 25, 2010
Freie Meinungsbildung?Nicht im Westen.
Sehr Schöner Beitrag, mich ekelt es einfach nur an wie in den medien mit diesem Thema umgegangen wird, da spiegeln sich soviele dinge wieder die immer der Islamischen Welt vorgeworfen werden wieder, sobald es nicht um ehemalige Sklaven der Westlichen Welt geht oder um arme kleine Asiaten, sondern um vermeintliche "Terroristen" in einem Staat mit 140 Millionen "Frauenvergewaltigenden/unterdrückenden" Westen Hassenden Männern und überhaupt sind sie alle ehh Taliban, deswegen, eben weil sie alle taliban sind, darf ihnen anscheinend nicht geholfen werden egel ob es sich um Jung Taliban handelt oder Weibliche taliban, is ja ehh alles das gleiche..da spendet man doch lieber anderorts, der Westen ist wohl doch nicht so Frei in seiner Meinung, hier zeigt sich das Ergebniss Jahrelanger Hetze gegen Muslime in aller Welt, deswegen angagieren sich auch nur Muslime für Palästinenser und alle anderen denken, das die 1,4 milliarden Muslime ehh alle Terroristen und Vergewaltigerseien.
geschrieben von Claudi,
September 24, 2010 Gibt es ...
... eigentlich inzwischen konkrete Vergleiche der Spendenergebnisse zu Haiti und Pakistan? Aber noch mal zum Thema des Artikels. Ich finde es höchst merkwüdig, dass sich gerade der öffentlich rechtlicht Rundfunk immer wieder zu großen, scheinheiligen Spendengalas hinreißen lässt - aber eben nur, wenn das betroffene Land irgendwie "sympatisch" rüberkommt. Wie der Fall Haiti ja gezeigt hat. Aber dass in Pakistan auch Menschen leben und nicht nur Terroristen, das ist keine großen Meldungen wert. Ziemlich traurig, oder?
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