Montag, 28.02.2011
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Paul Watson und Sea Shepherd
 

Walkampf für die Weltmeere

Die Walfangsaison wurde in Japan vorzeitig für beendet erklärt. Doch wir sollten uns lieber nicht zurücklehnen, denn es warten noch größere Probleme darauf, gelöst zu werden.
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Auf Konfrontationskurs - Sea Shepherd © Flickr guano


Vor einer Woche tickerte eine Nachricht über den Äther, die einen Meilenstein für den kommerziellen Walfang bedeuten dürfte: Japan stellt den Walfang für diese Saison wegen der massiven Störmanöver der Tierschutzgruppe Sea Shepherd vorzeitig ein. Die Jagdsaison dauert normalerweise bis Mitte März. Japan begründete diesen Schritt damit, dass die Sicherheit der Crew auf der Walfangflotte durch die Angriffe durch Sea Shepherd nicht mehr gewährleistet sei.

Obwohl bereits seit 1987 ein internationales Moratorium gegen den Walfang in Kraft ist, gibt es Ausnahmen für indigene Völker, sowie für die Wissenschaft. Die selbstauferlegte Fangquote Japans liegt bei ca. 1000 Tieren pro Saison. In so einem hoch entwickelten Land wie Japan hätte man doch nicht gedacht, dass man 1000 Wale pro Jahr verschleißt und immer noch nicht hinter das biologische Geheimnis der Meeressäuger kommt. Tatsächlich landet das Walfleisch natürlich auf der Speisekarte, auch wenn es sich in den letzen Jahren immer schlechter verkaufen lässt, und die großen Lagerbestände dadurch reduziert werden sollen, dass man sie in die Schulspeisung gibt.

Emotionale Verklärung und gedankenlose Ignoranz


Dennoch findet sich das in westlichen Ländern emotional aufgeladene Bild der Meeressäuger – das vor allem durch Delfine transportiert wird – in den asiatischen Kulturen eher nicht wieder. Denn dort ist Wal- und Delfinfleisch ein ganz gewöhnliches Lebensmittel. Wir haben ja auch keinen sentimental verklärten Blick auf ein Schnitzel. Interessanterweise lehnt ein Großteil der Deutschen den kommerziellen Walfang ab, hat aber im besten Fall keine Meinung (im schlechtesten sind sie dafür) zum Fang von Haien, obwohl einige Arten inzwischen massiv vom Aussterben bedroht sind und niemand weiß, was das für das Ökosystem Meer bedeuten mag. Genauso wenig interessieren wir uns, wie unsere Schnitzel und Chicken Wings eigentlich gelebt haben, bevor sie eingeschweißt in Zellophan über die Ladentheke gehen. Das trifft vielleicht nicht zu, wenn es gerade mal wieder einen Dioxin- oder Gammelfleischskandal gab, denn dann konzentrieren wir uns für ungefähr vier Wochen auf die Herkunft unserer Lebensmittel, bevor wir wieder in alte Verhaltensmuster verfallen. Die Halbwertszeit für die Verantwortung gegenüber unserer Lebensführung ist leider stark abhängig von der medialen Präsenz dieser Themen. Wie wir hingegen die Welt sehen lassen wir uns lieber von Hollywood erzählen.

In den Sechzigern wurde kaum ein Kind ohne Flipper groß. Wale sind ja immerhin fast Delfine und stehen wie diese für das personifizierte Gute in der Fauna des Meeres. Walgesänge werden auf Meditations-CDs gepresst und den Burn-out Gefährdeten unserer Leistungsgesellschaft zur ultimativen Stressbewältigung empfohlen. Bei Haien hingegen denken die meisten gleich an den Film „Der Weiße Hai“ und gruseln sich bei jeder reißerischen Schlagzeile über den nächsten toten Surfer. Dass Steven Spielberg auf diese Weise fast die Ausrottung des Weißen Hais erreicht hat, ist ein trauriger Nebeneffekt. „Bestien“ haben eben keine Lobby, obwohl es im Schnitt gerade mal sechs Tote pro Jahr durch Haiangriffe gibt. Wenn man jetzt mal überlegt, wie viele Menschen jeden Tag in allen Meeren dieser Welt plantschen, muss man doch zu dem Schluss kommen, dass Mensch nicht gerade zur bevorzugten Nahrung von Haien gehört. Ist es zuviel verlangt, dass die Leute endlich mit dem Selbstdenken anfangen? Müssen ihnen Prominente wie Hannes Jaenicke erst jeden Bissen vorkauen? Anscheinend ja und das reicht immer noch nicht!

Wir sind nicht Teil des Problems. Wir sind das Problem.

Die Meere sind leer gefischt und dennoch ermöglicht uns die Globalisierung, dass wir Sushi zu jeder Zeit und an jedem Ort genießen können. Wir wollen im Urlaub am Mittelmeer am liebsten täglich frischen Fisch essen und machen uns nicht bewusst, dass dort der Fisch bereits von anderswo importiert wird, weil auch das Mittelmeer an den meisten Stellen bereits abgefischt ist.

Einen Dioxin-Skandal müssen wir für Fisch und Meeresfrüchte nicht fürchten, denn das Meer ist groß und jeder kann reinkippen, was er will. Doch wir sind bereits dabei uns selbst schleichend zu vergiften, denn die Schwermetalle, die im großen Stil in den Weltmeeren verklappt werden, landen letztendlich wieder auf unseren Tellern. Wer davor die Augen verschließt ist nicht nur ignorant, sondern geradezu gemein gefährlich, denn auf diese Weise vergiften wir unsere Kinder gleich mit.

Wer denkt, dass die Welt einen großen Schritt nach vorn gemacht hat, indem Japan für diese Saison den Walfang beendet hat, irrt. Das war noch nicht mal die Spitze des Eisbergs, aber es war immerhin ein guter Schritt, dem viele weitere folgen müssen. Wale sind nicht nur durch den Fang gefährdet, sondern auch durch Schiffslärm, Erkundungsexplosionen der Ölförderung, Militärsonar, etc. Dennoch ist die Arbeit von Sea Shepherd und anderen Organisationen extrem wichtig, allein schon um die Menschen immer wieder auf die Missstände aufmerksam zu machen, die unser aller Konsum verursacht.

Viel wichtiger ist aber vor allem die Botschaft, dass es nicht nur die ewig lächelnden Delfine und majestätischen Wale sind, die unseres Schutzes bedürfen. Es ist das gesamte Ökosystem Meer, das kurz vor dem Kollaps steht. Weil es ein großer und für uns weitgehend unbekannter Lebensraum ist, benutzen wir ihn wie es uns beliebt ohne Rücksicht auf Verluste.

Im Pazifik treibt ein mehrere Millionen Tonnen umfassender Plastikteppich, der die Größe Mitteleuropas hat. Selbst wenn wir ab morgen keinen Kunststoff mehr produzieren würden, würde der Plastikteppich noch Jahrtausende in den großen Strömen der Weltmeere unterwegs sein. Hat da mal jemand dran gedacht, der sich beim Discounter um die Ecke noch eine Plastiktüte extra geben lässt? Es ist kaum vorstellbar, wie viele Tiere qualvoll verenden, weil sie sich im Müll verheddern oder ihn fressen. Ausgerechnet Zwergstaaten wie Palau und Sansibar stellen die Verwendung von Plastiktüten unter Strafe. Sind die Industrienationen Maßnahmen wie diese zu faul oder zu feige? Wir haben uns so an unseren Lebensstandard gewöhnt, dass es praktisch unmöglich erscheint einen Schritt zurückzugehen. Alle reden drüber, aber wer handelt schon? Das können wir nicht mehr nur den Umweltschutzorganisationen überlassen. Da müssen wir schon selbst ran.