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Deck +++ Alte Welt +++ Energiewende, nein Danke!
Mittwoch, 20.04.2011
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Persönlicher Stromverbrauch
 

Energiewende, nein Danke!

Da ist sie endlich, die Chance zur Energiewende. Mit einem Paukenschlag hat Fukushima das geschafft, was Tschernobyl in den 80ern losgetreten, aber nicht zu Ende gebracht hat: Das dringende Umdenken in Sachen Energiegewinnung. Einschränken aber will sich wie immer niemand.
Geschrieben von:   
Die Energiewende beginnt im Kopf © x-ray delta one


Die Alt-68er werden es wahrscheinlich kaum für möglich gehalten haben, dass sie diese Zeit noch erleben dürfen, nachdem es ja im Herbst letzten Jahres nach einem herben Rückschlag aussah. Jetzt aber könnte es soweit sein: Die Chancen für eine alternative Energiepolitik könnten momentan nicht besser stehen.

Und doch verheddert sich Deutschland gerade in einem Gewissenskonflikt. "Atomkraft, nein danke!" weht noch auf den übrig gebliebenen Fähnchen der letzten Demo, deren Mitglieder  kaum die Turnhalle einer mittelgroßen Schule gefüllt hätten. Irgendwie wollen wir ihn ja schon, den Ausstieg. Aber irgendwie wollen wir auch unsere Rechner die ganze Nacht laufen lassen, wenn es sein muss. Wollen wir Highend-Geräte betreiben und uns die Arbeit von immer mehr elektrischen Dienstleistern abnehmen lassen. Energieeffizienz ist ein tolles Wort in unserer schönen, neuen Welt. Und so rühmt sich so mancher, dass er nur Haushaltsgeräte mit Energieeffiziensklasse A++ betreibt und erwartet sich dadurch die ökologische Absolution in der Gesellschaft. Er hat damit seine Schuldigkeit getan, denkt er. Dabei geht es hier gar nicht um grün oder nicht grün. Denn im ersten Schritt werden die fossilen Energien stärker angezapft, wenn wir die Atommeiler vom Netz nehmen, was etwaigen Klimazielen nicht gerade entgegen kommt.

Finanzierung? Nicht unser Problem!

Das Problem liegt mal wieder beim Verbraucher, denn der Markt reagiert nur auf Geldströme. Der Marktwirtschaft ist es völlig egal, ob Strom grün oder braun ist oder im Dunkeln leuchtet. Sie richtet sich danach, wo die Kohle ist (diesmal im übertragenen Sinn). Investitionen in "sauberen" Strom werden nur dann getätigt, wenn das Geld fließt, weil die Nachfrage da ist. Wie gut die Ökobilanz von Windrädern und Sonnenkollektoren tatsächlich ist, bleibt mal dahin gestellt. Tja, und selbst wenn die Nachfrage da ist, wie der sogenannte Japan-Effekt jetzt zeigt, sieht es mit den Investitionen trotzdem schlecht aus. Da gibt es Bürgerbegehren, weil die neuen Überlandleitungen durch Wohngebiete gehen und bei der Frage nach der Finanzierung schauen alle betreten weg und hoffen, dass nicht sie die A-Karte ziehen.

Aber wenn wir uns doch grundsätzlich einig sind, dass Atomkraft nicht das Non-plus-ultra ist, und wir mittelfristig aus dieser Art der Energiegewinnung aussteigen müssen, warum sind wir dann nicht bereit, auch dafür zu zahlen? Klar kommen da zusätzliche Belastungen auf die Bürger zu, denn die Energieriesen werden ihre Investitionen zu hundert Prozent abwälzen wollen und für Familien mit schmalem Einkommen heißt das mehr als nur den Gürtel enger zu schnallen. Trotzdem leben wir noch lange nicht energieoptimal, will heißen, es gibt noch viel Spielraum zum Stromsparen. Aber wenn sich niemand einschränken will, werden wir ewig bei der Frage nach der Finanzierung hängen bleiben. Diese Geisteshaltung scheint allerdings symptomatisch für unsere Gesellschaft zu sein: Veränderung ist toll, so lange sie mich nicht einschränkt. Ach ja, und anfangen können ja erstmal die anderen. Auch wenn inzwischen ein paar Leute mehr ihren Stromtarif gewechselt haben, bleibt die grundsätzliche Frage bestehen: Sind wir bereit, für die Veränderung auch mehr zu bezahlen? Das Benzin ist da ein prima Beispiel. Alle beklagen sich über das steigende Preisniveau, aber bevor man aufs Fahrrad umsteigt, muss dann doch noch ein bisschen mehr passieren.

Schätzen lernen ...

Wir müssen uns mal die Frage stellen, ob wir wirklich bereit sind, für unsere Ideale unser persönliches Befinden zurück zu stellen. Die Industrie tut alles mögliche dafür, dass wir genau das eigentlich nicht brauchen. Elektrogeräte mit hoher Energieeffizienz oder Stromsparlampen sind auch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber ein bewußter Verzicht an der einen oder anderen Stelle kann ja auch durchaus mal eine heilsame Erfahrung sein, zumal man das besser zu schätzen lernt, was man nicht im Überfluss hat oder nutzen kann. Bewusster Konsum, statt Dauerstandby auf allen Kanälen. Als Konsumenten haben wir auch Macht, wir müssen sie nur zu nutzen wissen und nicht die Verantwortung auf die Politik abwälzen.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Hajo, April 20, 2011

...
Endlich ein vernünftiger Beitrag zu diesem Thema. Nicht nur Konstant-HighTech sondern anfangen selbst sich zu beschränken. Ins gleiche Horn geblasen:
http://hajos-kontrapunkte.blog...ay-of.html
geschrieben von Buena-"Olf"-ventura, Mai 27, 2011

...
Das ist mal eine schöne Auflistung der energetischen Schizophrenie: Tatsächlich kann die Energiewende nicht davon befreien, dass jeder und jede den persönlichen Energiekonsum überdenken muss - und nicht nur das - sondern auch entsprechend zu handeln hat. Das alte Lied: Umweltbewusstsein ist in Deutschland hoch - Umwelthandeln hingegen nicht und was letzteres angeht sind Frauen hierzulande (mal wieder) die Vorreiter. Das sag ich als männlicher Geschlechtsgenosse. Aber wir sollten doch bitte nicht die Frage der Treibhaus- und klimaaktiven Gase von der Frage der Energieproduktion abkoppeln, was die Schreiberin aber teilweise tut. Trotzdem fein thematisiert! Mich nervt es auch ohne Maßen, dass die Hersteller von Erneuerbaren Energieträgern weder Umwelt- noch Sozialbilanzen ihrer Produkte kommunizieren. Ich weiß das, denn ich recherchiere mir zu diesem Zusammenhang gerade die Augen trocken. Und? Fehlanzeige! Das Eigeninteresse der Branche in der Post-Fukushima Phase lässt das scheinbar doch nicht so große Interesse an Nachhaltigkeit auf der Standspur zurück, ganz ohne Warndreieck.
geschrieben von Buena-"Olf"-ventura, Mai 27, 2011

Teil 2
(...) Dabei steckt im Begriff Energiewende - noch stärker in Energierevolution - genau diese Anforderung an Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und den/die Einzelne_n. Die jahrzenhte lang betriebene Propagandapolitik und Desinformation der Atomlobby (die momentan ja - extrem scheinheilig - "mehr Realismus" in der Energiedebatte fordert, dabei doch selbst große Expertise im Lügen und Verschleiern ausgebildet hat) sollte die EE-Branche für sich tunlichst vermeiden. Die Energiewende muss nachhaltig (!) sein. Dafür müssen wir über die Öko- und Sozialbilanz von Photovoltaik, Solarthermie, Windkraft (Stichwort: Seltene Erde in zwei Komponenten-Rotoren, deren Abbau extrem umweltschädigend ist und krebserregende Substanzen hervorbringt), Geothermie etc. reden und ernsthaft diskutieren. Die alten Verhältnisse dürfen gerade hier und jetzt nicht reproduziert werden. Und es besteht auch gar kein Grund diese Probleme auszusparen: Denn verglichen mit der CO2-Bilanz der Kohlekraft oder den Halbwertszeiten, die die Atomenergie mit sich bringt, ist der Fussabdruck der Erneuerbaren auf jeden Fall kleiner. Da gilt nun mal: Kein Grund für Duck and Cover. Wenn in 200.000 Jahren noch Menschen leben weil wir heute nmit Atomenergie noch 50 Jahre lang das Klima "gerettet" haben, hilft ihnen das auch nicht viel, wenn sie Gorleben aufmachen weil die Menschheit vergessen hat, was das Zeug anrichtet, das dort drin liegt. So sieht's nun mal aus, beim Gegenüberstellen von Kohle und Atom. Also ist die Thematisierung von Umwelt- und Sozialbilanz der Erneuerbaren dringend nötig, denn hierin - da komme ich wieder zur Ausgangsthese des Artikels zurück - liegt die Grundbedingung um die Menschen zu einer faktischen, wirksamen Reflexion ihres Energiekonsums zu bewegen. Deshalb, liebe Exil-Hessin, nicht mit dem Verweis auf Klimaschutz der Atomkraft Vorschub leisten, sondern die Kritik radikalisieren - pardon, vertiefen und ausweiten. Atomenergie ist, ob ihrer vermeintlichen Klimaneutralität, nicht erst seit 5 Jahren eine Technologie von vorgestern. Die Atom- und Kohle-Oligopolisten hatten lange genug Zeit um ihre bescheuerte Brücke(ntechnologie) zu bauen. Heute wollen sie immer noch nicht sagen, wie lange diese Brücken denn ihres Erachtens sein soll und ob sie überhaupt jemals ein anderes Ufer erreichen möchten. Jede Investition in die überkommenen, nicht-nachhaltigen Energiequellen ist eine nicht getätigte Investition in die Erneuerbaren und deren Optimierung. Das Kriterium muss Nachhaltigkeit sein und diesbezüglich hat die Erneuerbaren-Branche noch einige Hausaufgaben zu erledigen wie ich dargelegt habe. Aber "wir" dürfen die Klimafrage nicht von der Energiequellenfrage abkoppeln (dann landen wir bei der Idee CO2 ohne Wissen der Langzeitfolgen in den Boden zu pumpen), und müssen die Energiewenden-Debatte offen führen. Zur Wende gehört nämlich nicht nur das Umschwenken auf EE, sondern auch die Frage des Rückbaus der alten AKWs, von denen einige Bauteile genauso lange strahlen werden, wie die Brennstäbe selbst (z.B. der Reaktorkern, der nicht auseinander gebaut oder dekontaminiert werden kann). Was bedeutet dieser letzte Hinweis auf die Größe der Herausforderung Energiewende konkret? Wieder ein mal lediglich, dass in die Energiewende so schnell wie möglich investiertwerden muss - finanziell, sozial, geistig. Die Herausforderung ist groß genug. Zeit und Investition in Forschung (zu Trägern, Netzen, intelligenter Steuerung und Speicherung zwischen Produktions- und Verbrauchsspitzen, Verbesserung der Öko-Bilanz der EE etc.) wurden schon lange genug nicht getätigt. An der Stelle brauchen wir nicht den Hinweis darauf, dass Atomenergie CO2 neutral Strom produziert, sondern die Thematisierung der ungleich besseren Nachhaltigkeitsbilanz der EE die einhergehen muss mit der Aufforderung diese Bilanz beständig zu verbessern. Übrigens: 10% des Wasserhaushaltes im Niger wird bei der Förderung von Yellow-Cake (= Uran-Grundstoff) aufgewendet. Auch das gehört zur Bilanzierung der Umweltfolgeschäden von Energieträgern. Und weiter und ganz allgemein gilt: In the long run machen die konventionellen Energieträger den Erneuerbaren diesbezüglich der Nachhaltigkeits-, Öko- und Sozialbilanz keine Konkurrenz.

Adios und Äppler-Power.
geschrieben von Saskia_Schäfer, Mai 30, 2011

...
Hallo Olf (ich bleib mal bei Olf, das ist kurz und knackig),

ich gebe dir ja in weiten Teilen recht und finde es toll, dass deine intensive Recherche endlich ein Ventil gefunden hat.

Aber nur für den Fall, dass du es überlesen hast: Ich habe keineswegs die Frage nach der Energiegewinnung vom Klimawandel an sich abgekoppelt, sondern lediglich mal in den Raum gestellt, dass der Verbraucher nicht nur den Atomausstieg fordern, sondern auch mal für seine selbst gesteckten Ideale einstehen sollte. Und das geht nur, wenn er sich an den eigenen Stromzähler packt. Es geht um die Macht des Konsumenten, den Atomausstieg nicht auf der Straße medienwirksam zu erstreiten, sondern die Energiekonzerne über den bewussten Bezug von sogenanntem Ökostrom in der einzigen Sprache anzusprechen, die sie verstehen: Kohle. Also ich meine Geld. Aber leider wollen zwar ganz ganz viele unserer Mitbürger den Atomausstieg, aber er darf nichts kosten und nicht die Landschaft verschandeln. Und hier wäre langsam mal ein Umdenken angebracht.
Das ist die Essenz des Textes. Nicht mehr. Und auch nicht weniger.

Trotzdem finde ich deinen Kommentar (ich betrachte die beiden mal ganz frech als einen) großartig. Danke dafür und weiter so!

Beste Grüße von der Exil-(Nord-)Hessin (also nix mit Äppler, aber trink trotzdem einen für mich mit)
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