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Deck +++ Alte Welt +++ Die schwedische Torte des Grauens
Mittwoch, 18.04.2012
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Rassismus-Skandal
 

Die schwedische Torte des Grauens

In Schweden gibt es einen handfesten Rassismus-Skandal, in den die Ministerin für Kulturfragen, Lena Adelsohn Liljeroth, involviert ist. Auslöser: Eine Menschen-Torte nach Blackface-Manier, die eine wimmernde Frau darstellt.
Geschrieben von:   
© Video Screenshot via Pontus Raud - YouTube


Wir haben also: Eine Ministerin für Kulturfragen. Dazu eine unsägliche Installation, die den Torso einer Frau, die beschnitten wird, darstellt - ein Tortenkörper auf einem Tisch, durch eine Tischluke steckt der Künstler seinen Kopf, und immer, wenn jemand den Kuchen anschneidet, beginnt er zu wimmern. Man kann gar nicht so viel Kuchen essen wie man kotzen möchte.

Lena Adelsohn Liljeroth ist die betreffende Ministerin, Makode Aj Linde der Künstler, der mit seiner Aktion auf Genitalbeschneidung aufmerksam machen möchte. Die Installation ist das Machwerk des Grauens: Ein Körper in Autoreifenschwarz, der Künstlerkopf von Aj Linde in den grellsten Farben angemalt – ein Alptraum-Blackfacing, wie es nur im Buche steht. 

Topfschlagen im Rassismus-Minenfeld

Es ist Topfschlagen im Rassismus-Minenfeld, die Bilder sind so abartig, dass man vielleicht im ersten Fall noch von einer Provokation ausgeht: Ist das Gebahren der Gäste vielleicht auch Teil der Performance? Wollen sie zeigen, wie wunderbar unsouverän bisweilen mit dem Thema Genitalbeschneidung und/oder Rassismus umgegangen wird – auch vonseiten der Politiker? Oder, anders: War es vielleicht der Plan des Künstlers, die Anwesenden hochgehen zu lassen, um damit dem Publikum vor Augen zu führen, wie unreflektiert zum Beispiel die höchste Kulturbeauftragte des Landes ist?



Hehre Hoffnungen, doch keine wird zutreffen. Man hat einen Künstler, der einzig provozieren will, und dafür auch Opferhäme in Kauf nimmt. Auf seiner Facebook-Page bringen Freunde und Anhänger ihre Unterstützung zum Ausdruck: Sie hätten begriffen, wie toll die Aktion ist, sie wüssten, dass es um eine gute Aktion geht, und so weiter. Dabei ist die ganze Aktion einfach nur abartig, der rassistische Duktus und die frauenfeindlichen Elemente der Installation kaum auszuhalten. 

Gruselige Performance

Der Künstler wird zum Zulieferer des Schlechten, die Konsumenten zeigen sich von ihrer besten – nämlich, der unreflektierten – Seite. Dass niemand äußert, wie befremdlich die ganze Situation der Performance ist, macht sie dabei noch gruseliger. Liljeroth hampelt zwar ein bisschen unbeholfen herum, und ihr Lächeln ist durchaus auch in Anstrichen ein verunsichertes, als sie mit dem Messer in dem „Kuchen“ rumstochert, und dennoch: Hier zeigt sich die Macht des ganzen Kollektivs, das gemeinsam Reproduktionen von Rassismus und Gewalt gegen Frauen huldigt. Und das Schlimmste: Das alles in einem Zusammenhang, in dem eigentlich auf genau diese Missstände aufmerksam gemacht werden sollte. Die Ministerin verweist bei Kritik inzwischen auf den Künstler. Der wiederum bezieht sich auf seine Künstlerfreiheit. Bei so "kompetenten" Künstlern und Kulturministern in Europa braucht es eigentlich auch fast keine rechtsgesinnten Hinterwäldler mehr.
 
Themen: Rassismus Schweden Torte
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Robert, April 19, 2012

...

hier ein google-uebersetzter artikel, vom Kuenstler in Aftonbladet veröffentlicht:


I was born in Stockholm 1981st My mother is Swedish, Dad West African immigrants. One of my earliest memories is when my mom and I, five years old, chasing away a gang of skinheads after they struck down racist comments about me in the old town. That we live in a racist society and that I get treated differently because of my skin color are the things I came to realize early in my life. It is these issues that have become the core of my art.

Many of my most important works are included in the series Afromantics. Here I make use of mass cultural symbols and reshape them in a historical narrative manipulation. Greek busts and Moomins - or, most recently, Venus - is given a new, black life is redefined into a raspolitisk slapstick world. Face painting is that I consistently use is derived from the U.S. minstrelshowerna where white painted themselves to ridicule blacks. When the caricature face romantiserandet of the exotic and ideas of paradise collides with reality's history of apartheid and oppression, new images and context that forces the viewer to a racist gaze. The meeting will be bizarre and often provokes nervous laughter that sticks in my throat - and, at best, a nagging aftertaste of self-examination.

When KRO invited me to design a cake, I made it obvious to a Afromantic. The Minister of Culture would be the first to arrive with the cake knife, whispering "your life will be better this way" and tuck into my cake body, then bring the pie chart on my "blackface"-painted face and feed me with what she has cut loose from the genital Party on Afromantics-cake (my vagina), I had not imagined in my wildest dreams.
Nor would I have imagined the kind of reaction my cake performance would bring. Then I came home from cake party on Sunday night, all individuals in the Al-Jazeera and the New York Times to Eva-Lena Nynashamn, nobody responded. Sad, angry, menacing, but mostly overjoyed reactions flowing in at a pace that is difficult to keep up in.
A feeling of disgust spread, however, in the body when I get compared to Breivik and my work is called racist. Nonsense! It is not. I am not a racist, Minister of Culture is the culture and the ladies who applaud the picture is not. But the world we live in it. It is only when the hidden racism made visible that it can be broken. This is what my art to highlight. Based on this premise, I'm not afraid to say I succeeded pretty well with my cake.

Makode Linde
geschrieben von Sven, April 20, 2012

...
Diese Aktion ist absolut gelungen, denn sie ruft genau das klamme, erschreckende Gefühl bei mir hervor, das ich beim Anschauen eines Videos einer Beschneidung hatte.
Ich hätte noch jeden seinen Kuchen vor einem Originalvideo essen lassen, denn anscheinend haben die sehr wenig Ahnung vom Schrecken der Genitalverstümmelung.
Angesichts der Intensität dieses Kunstprojektes frage ich mich, wie die Autorin so reflexartig auf "frauenfeindlich" und "Rassismus" kommt!
geschrieben von Nadia , April 23, 2012

...
"No one, including the artist seems to have consulted Black African women at the forefront of the movement to end the practice of female genital cutting, often with little resources and in direct and dangerous conflict with their own communities. We echo Shailja Patel in stating: “What makes the cake episode so deeply offensive is the appropriation, by both artist and his audience, of African women’s bodies and experiences, while completely excluding real African women from the discourse. It is a pornography of violence.”

---> http://blackfeminists.org/2012...entot-cak/
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