| |||||||||||
|
Silvio Berlusconi
|
|||||||||||
Bunga-Bunga-Bananenrepublik |
|||||||||||
| Während in der letzten Woche hunderte Flüchtlinge aus Tunesien die kleine Insel Lampedusa überrannten, wurde klar: Dank Silvio Berlusconis Herrschaft wirkt Italien wie ein Stück Nordafrika mitten in Europa. |
| Geschrieben von: Saskia Schäfer |
|
Italien - ein Stück Nordafrika mitten in Europa © Flickr OxyBlue/Tooby
|
|
In den vergangenen Tagen ist Italien öfter in der Presse als Berlusconi in seinen minderjährigen Gespielinnen. Die humanitäre Notsituation auf Lampedusa wird dabei immer stärker vom Privatleben des italienischen Ministerpräsidenten überschattet. Doch während den Tunesiern, von denen einige nun eine Perspektive in Europa suchen, der große Wurf gelungen ist sich vom Joch der Diktatur zu befreien, steht Italien noch ganz am Anfang der Auflehnung gegen ihren Despoten, auch wenn der in einer anderen Liga spielt. Er hat wohl keine Angst, dass die Italiener sich was abgucken könnten. Auch wenn die Situation in Italien keineswegs mit der in einigen arabischen Ländern vergleichbar ist, so findet sich aber dennoch eine wichtige Parallele: Nämlich, dass das Volk sich irgendwann gegen ihre korrupten, egomanischen Tattergreise von Machthabern auflehnt. Eine Bananenrepublik mitten in Europa Doch für Berlusconi ist das alles kein Thema. Der aalt sich indessen abwechselnd in Selbstbräuner und in medialer Aufmerksamkeit, während die italienische Frauenwelt rebelliert und ihren Frust auf die Straße trägt. Hauptsache, die Damen tragen heiße Unterwäsche und haben das Verfallsdatum noch nicht überschritten. Eigentlich kollidiert sein ausschweifendes Privatleben kaum mit seinem Amt, schließlich ist die Zielgruppe seiner amourösen Zuwendungen noch gar nicht wahlberechtigt. Aber besser pädophil als schwul, oder? In jedem anderen Land begeht man mit Eskapaden dieser Art politischen Selbstmord, in Italien wird man viermal zum Ministerpräsidenten gewählt. Auf Wikipedia sind die Absätze „Skandale und Affären“, sowie „Interessenskonflikte“ jeweils viermal so lang wie der Absatz „Politisches Programm“. Wer glaubt, korrupte Politikergreise gäbe es nur in Nordafrika, darf sich in Europa ruhig ein bisschen umschauen, vielleicht wird man ja fündig. Da ist es doch erstaunlich, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der EU einen Staatslenker hat, der nach eigenem Gutdünken Gesetze verabschieden lässt, die ihm und seinen Ministern Immunität vor Strafverfolgung garantieren. Wäre dieses Gesetz nicht im vergangenen Monat durch das Verfassungsgericht gekippt worden, hätten wir jetzt nicht diesen überaus amüsanten Fall von Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger, der nun die italienischen Gerichte beschäftigt. Wie können Krankenschwestern und Polizistinnen Wertschätzung für ihre Arbeit erwarten, wenn selbst das Staatsoberhaupt ihre Arbeitskleidung nur als Geschenkverpackung blutjunger Mädchenkörper kennt? Auch einer der Gründe, warum so viele Frauen letztes Wochenende auf die Straße gegangen sind, denn zuviel Sexismus tut so einer Gesellschaft nicht gut. Tutti-Frutti mit Bunga-Bunga Man blickt hierzulande mit derselben morbiden Faszination nach Italien, die man auch bei einem Verkehrsunfall mit viel Blut auf dem Asphalt erwarten würde. Genau genommen ist es eine Mischung aus fassungslosem Erstaunen (dass der mit so was echt durch kommt) und zehennägelaufstellendem Ekel (dass junge Mädchen mit dem alten Sack Bunga-Bunga machen). Doch während Berlusconi selbst sich für seine „göttlichen Qualitäten als Liebhaber“ rühmt, ist es ihm anscheinend nie seltsam vorgekommen, dass er dann doch immer für den Sex und die Orgien bezahlen muss. Da entbehrt es auch nicht einer gewissen Komik, dass die eine oder andere Dame sogar einen Ministerposten erhielt oder auf der Parteiliste für die Europawahl stand, obwohl oder gerade weil man sie als Model oder Showgirl kannte. Man stelle sich die Tutti-Frutti Parade im Bundestag vor. Was für ein Spaß! Silvio Berlusconis aktuelles Verhängnis war süße 17 und laut erster eigener Falschaussage des Ministerpräsidenten eine Nichte von Husni Mubarak. An dieser Stelle schließt sich der Kreis fast wieder und man wünscht den Italienern ein bisschen was von Mut und Stehvermögen der Tunesier und Ägypter, um diese lächerliche Witzfigur eines Ministerpräsidenten endlich vom Thron zu stoßen. Verdient haben die Italiener – und vor allem die Italienerinnen – dieses Staatsoberhaupt nicht. Aber sie haben ihn gewählt. Kommentare zu diesem Artikel:
Kommentar schreiben:
|
Angela Merkel (10) Blogger (15) Blogs (13) Deutschland (12) Facebook (37) Fernsehen (19) Film (7) Frauen (8) Fußball (21) Internet (14) Karl Theodor zu Guttenberg (13) Medien (12) Musik (9) Netz (10) Philibuster (8) Protest (11) Rapper (7) Social Media (17) Südafrika (16) Tunesien (9) Twitter (7) Umweltschutz (10) WM 2010 (27) ZDF (8)
Nachlesen kann man das z.B. hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/ruby-sexaffaere-verfahren-gegen-berlusconi-beantragt-das-nachspiel-eines-anrufs-1.1057493