Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Alte Welt +++ Bunga-Bunga-Bananenrepublik
Mittwoch, 16.02.2011
(97 Bewertungen)
Kommentare (2) Drucken
 
Silvio Berlusconi
 

Bunga-Bunga-Bananenrepublik

Während in der letzten Woche hunderte Flüchtlinge aus Tunesien die kleine Insel Lampedusa überrannten, wurde klar: Dank Silvio Berlusconis Herrschaft wirkt Italien wie ein Stück Nordafrika mitten in Europa.
Geschrieben von:   
Italien - ein Stück Nordafrika mitten in Europa © Flickr OxyBlue/Tooby


In den vergangenen Tagen ist Italien öfter in der Presse als Berlusconi in seinen minderjährigen Gespielinnen. Die humanitäre Notsituation auf Lampedusa wird dabei immer stärker vom Privatleben des italienischen Ministerpräsidenten überschattet.
Doch während den Tunesiern, von denen einige nun eine Perspektive in Europa suchen, der große Wurf gelungen ist sich vom Joch der Diktatur zu befreien, steht Italien noch ganz am Anfang der Auflehnung gegen ihren Despoten, auch wenn der in einer anderen Liga spielt. Er hat wohl keine Angst, dass die Italiener sich was abgucken könnten. Auch wenn die Situation in Italien keineswegs mit der in einigen arabischen Ländern vergleichbar ist, so findet sich aber dennoch eine wichtige Parallele: Nämlich, dass das Volk sich irgendwann gegen ihre korrupten, egomanischen Tattergreise von Machthabern auflehnt.

Eine Bananenrepublik mitten in Europa

Doch für Berlusconi ist das alles kein Thema. Der aalt sich indessen abwechselnd in Selbstbräuner und in medialer Aufmerksamkeit, während die italienische Frauenwelt rebelliert und ihren Frust auf die Straße trägt. Hauptsache, die Damen tragen heiße Unterwäsche und haben das Verfallsdatum noch nicht überschritten. Eigentlich kollidiert sein ausschweifendes Privatleben kaum mit seinem Amt, schließlich ist die Zielgruppe seiner amourösen Zuwendungen noch gar nicht wahlberechtigt. Aber besser pädophil als schwul, oder? In jedem anderen Land begeht man mit Eskapaden dieser Art politischen Selbstmord, in Italien wird man viermal zum Ministerpräsidenten gewählt.

Auf Wikipedia sind die Absätze „Skandale und Affären“, sowie „Interessenskonflikte“ jeweils viermal so lang wie der Absatz „Politisches Programm“. Wer glaubt, korrupte Politikergreise gäbe es nur in Nordafrika, darf sich in Europa ruhig ein bisschen umschauen, vielleicht wird man ja fündig. Da ist es doch erstaunlich, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der EU einen Staatslenker hat, der nach eigenem Gutdünken Gesetze verabschieden lässt, die ihm und seinen Ministern Immunität vor Strafverfolgung garantieren. Wäre dieses Gesetz nicht im vergangenen Monat durch das Verfassungsgericht gekippt worden, hätten wir jetzt nicht diesen überaus amüsanten Fall von Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger, der nun die italienischen Gerichte beschäftigt.

Wie können Krankenschwestern und Polizistinnen Wertschätzung für ihre Arbeit erwarten, wenn selbst das Staatsoberhaupt ihre Arbeitskleidung nur als Geschenkverpackung blutjunger Mädchenkörper kennt? Auch einer der Gründe, warum so viele Frauen letztes Wochenende auf die Straße gegangen sind, denn zuviel Sexismus tut so einer Gesellschaft nicht gut.

Tutti-Frutti mit Bunga-Bunga

Man blickt hierzulande mit derselben morbiden Faszination nach Italien, die man auch bei einem Verkehrsunfall mit viel Blut auf dem Asphalt erwarten würde. Genau genommen ist es eine Mischung aus fassungslosem Erstaunen (dass der mit so was echt durch kommt) und zehennägelaufstellendem Ekel (dass junge Mädchen mit dem alten Sack Bunga-Bunga machen). Doch während Berlusconi selbst sich für seine „göttlichen Qualitäten als Liebhaber“ rühmt, ist es ihm anscheinend nie seltsam vorgekommen, dass er dann doch immer für den Sex und die Orgien bezahlen muss. Da entbehrt es auch nicht einer gewissen Komik, dass die eine oder andere Dame sogar einen Ministerposten erhielt oder auf der Parteiliste für die Europawahl stand, obwohl oder gerade weil man sie als Model oder Showgirl kannte. Man stelle sich die Tutti-Frutti Parade im Bundestag vor. Was für ein Spaß!
 
Silvio Berlusconis aktuelles Verhängnis war süße 17 und laut erster eigener Falschaussage des Ministerpräsidenten eine Nichte von Husni Mubarak. An dieser Stelle schließt sich der Kreis fast wieder und man wünscht den Italienern ein bisschen was von Mut und Stehvermögen der Tunesier und Ägypter, um diese lächerliche Witzfigur eines Ministerpräsidenten endlich vom Thron zu stoßen. Verdient haben die Italiener – und vor allem die Italienerinnen – dieses Staatsoberhaupt nicht. Aber sie haben ihn gewählt.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Martin, Februar 16, 2011

Eine kleine Korrektur am Rand:
Die junge Frau ist eben _nicht_ die Nichte von Mubarak. Berlusconi behauptete das damals nur, um sie aus dem Polizeigewahrsam heraus zu bringen. Heute gibt er vor, er habe das damals wirklich geglaubt (weil er sonst afaik auch Behinderung der Justiz an der Backe kleben hat).
Nachlesen kann man das z.B. hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/ruby-sexaffaere-verfahren-gegen-berlusconi-beantragt-das-nachspiel-eines-anrufs-1.1057493
geschrieben von Michael Stepper, Februar 16, 2011

...
@Martin: Vielen lieben Dank für den Hinweis, da hatten wir parallel schon nachgebessert :)
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

Meistgelesene Artikel


Neueste Beiträge

Meistgelesen