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Angela und Guido
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Der Untergang des Abendlandes |
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| Ein verirrtes E-Mail-Protokoll gewährt Einblicke in den politischen Alltag: Wie Angelas Machtwort zum Kauf der Steuersünder-CD in die Welt trat und Guido dabei assistierte. |
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Ein Herz und ein Söhnchen - Guido und Angela regieren das Land © galleryy.net
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Die Nacht hängt tief über Berlin, als sich der gepanzerte Audi mit Guido Westerwelle im Fonds dem Kanzleramt nähert. Angela Merkel wiederum ist vor einer Stunde aus Paris eingetroffen. Sie ist müde, aber in ihr rumort die Nachricht von Obamas wütendem Beschluß, der Spekulationswut der Banken endlich entgegenzutreten.
Merkel: Guido, du wirst gleich aufschreien. Wir müssen die Daten-CD kaufen! Keine Panik, aber auch deine Leute müssen zahlen. Es geht hier um viel mehr, als ein paar Steuerbetrüger hart ranzunehmen. Obama hat recht: Keine Kapitulation vor rücksichtslosen Gierlappen. Muss ich leider so sagen … Westerwelle: Angela, das kannst Du nicht machen. Das sind unsere Wähler. Wenn das Herrschaftswissen abgeschafft wird, verschwindet jeder Info-Vorteil bei Geschäften. Damit stirbt die Grundlage des freien Unternehmertums. Vorhin habe ich mit den Schweizern telefoniert und ich gebe dir recht, dort schrillen die Alarmglocken. Auch ich kann meine Bauchschmerzen nicht leugnen. Nee, Amerika, du weißt … Außerdem dürfen wir keine Hehlerei dulden. Das geht schon rechtlich nicht. Gauner muss man festnehmen. Merkel: Ich gebe dir Recht, einerseits. Andererseits: Wir müssen aus der Krise Konsequenzen ziehen. Das hat Dings gestern auch betont, also Döpfner … Und der Wähler will auch, dass diese Betrüger endlich zur Verantwortung gezogen werden. Westerwelle: Hehlerei bleibt Hehlerei. Mutti, entschuldige, rutscht mir so raus, diese Kopierer sind rücksichtslose Diebe! Denen was abzukaufen … totaler Wahnsinn. (Laut) Strafbar ist das, aber hallo. Das dürfen wir nicht übersehen! Merkel: Klar, ich führe unsere Wähler auch nicht gern als Schurken vor … schon wegen der Spenden (sie lacht). Schau hier (sie reicht ihm eine Liste): Ohne sie, da, Ganzdorfer auch drauf, Hemmlin … jahrelange Spenden. Auf den CDs werden wir viele nur zu bekannte Namen finden. Wie damals. Zumwinkel … Westerwelle: Unserer Klientel kann ich einfach ihr hart verdientes Geld nicht wegnehmen (er zündet sich eine Zigarette an, bläst den Rauch hörbar aus der Lunge). So würden wir die Wirtschaft kaputt machen. Deswegen habe ich auch die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels durchgesetzt. Merkel: (wird lauter) … und dir laufen rasant die Wähler weg. Da musst du dringend auch deinen engsten Leuten ein Zeichen setzen und bald einen Parteitag ... Aber nicht nur ihr verliert, auch bei uns und den Bayern sieht es nicht gerade günstig aus. Rüttgers, wer weiß … da macht mir auch die Atomkraft Sorge. Wir müssen also Vertrauen zurück gewinnen. Unsere Klientel sehe ich daher inzwischen nicht mehr nur im bürgerlichen Milieu, sondern zunehmend weiter links. Neue interessante Jagdgründe … (sie lacht) Westerwelle: Das ist nichts für uns! Das geht Richtung Oskar, das macht mich krank … Merkel: Erinnere dich an Steinbrück. Der hat ein tolles Geschäft gemacht! Und das lief doch gut. Hinterher keine juristischen Einwände. Auch weil’s die SPD war, konnte sich unsere Klientel nicht beschweren. Das kam bei den Wählern sehr gut an. Obwohl es ihnen letztlich nichts genützt hat. Sind ja immer weiter abgestürzt. Jetzt sind wir dran, weil sonst alles hops geht. Das war ja damals noch nicht so … Westerwelle: Es bleibt Diebstahl! (steht auf und läuft hin und her) Damit wären die Höchstverdiener unserer Gesellschaft reglementiert, sogar bloßgestellt. Wir würden ihnen ihre Pfründe wegnehmen, einfach so … Merkel: (sinnt vor sich hin) Die Wähler sind längst nicht mehr dumm, ändern sich … die Nichtwähler … sie werden zur größten Partei. Guido, Steuergeschenke werden inzwischen genau registriert … Westerwelle: (spitz) Sie helfen der Wirtschaft. Merkel: Moment bitte mal, eine SMS von Sabine. Sie schreibt: Den Kauf nicht anheizen! (Enttäuscht) Hier spricht die Ministerin und nicht die Liberale. (Leicht ironisch) Sie wird dir auf eurem Parteitag beistehen … Westerwelle: Ach diese Altliberalen, die sterben eh aus … vorher noch mal den Mund aufreißen. Angela, ich bin überzeugt: So lange wir immer wieder Steuererleichterungen schaffen, wird der Wähler das danken … du, da bleibe ich stur. Merkel: Da wäre ich mir nicht so sicher. Die glauben nicht mehr, dass wir uns das leisten können. Du kennst doch die Umfragen: Ihr habt fast die Hälfte verloren. Wir sollten versuchen, unser System vor dem sicheren Absturz zu retten … durch den Kauf der CD. Guido, das wäre das richtige Signal: Spekulationen einschränken, den Kapitalfluss wieder regulieren. Der Staat muss da ran! Westerwelle: Vielleicht denken die derzeit so was und strafen uns ab. Aber (hämisch) hast du schon mal gehört, dass der brave Bürger mehr Steuern zahlen will? Merkel: Guido, alles alte Kamellen … alles ganz anders. Mit Steuersenkung gefährdest du unsere Wirtschaft, also genau deine Leute! Außerdem läuft das alles doch schon lange: jetzt Dein Angebot an die Taliban, Lösegelder an die Piraten in Somalia und für entführte Touristen, früher übrigens auch die Freikäufe von der DDR ... da hat sich was verändert und der Mann auf der Straße wird es uns auch in diesem Fall danken. Bei den Landtagswahlen in NRW und spätestens bei der nächsten Bundestagswahl. Westerwelle: Willst du sagen, wir sind an allem schuld, wir haben uns geirrt? Wir waren doch gezwungen, zu deregulieren. Das ist die Globalisierung. Die gehen ja sonst weg, irgendwohin, ans Schwarze Meer oder sonst wo in die Pampa. (Äfft nach) „… wenn ihr keine besseren Bedingungen schafft ...“. Ich war mir sicher, die Wirtschaft wächst, wenn wir die engen Auflagen abschaffen. Ging doch auch prächtig. Dann bleiben die Leute, arbeiten hier, freiwillig. Und mehr! Keine Streiks wilder Horden, keine Straßenkämpfe … Merkel: Dieses Deregulieren war zuviel, die haben doch das Ganze an die Wand gefahren. Und solange wir das noch nicht besser wissen, müssen wir als ersten Schritt diese Datendiebe bezahlen. Alles kaufen, um der Unzucht - denn das ist es: Unzucht! - um ihrer Herr zu werden. Den Banken zeigen ... es geht um Verpflichtung. Das Bankgeheimnis gibt es nicht mehr, Wolfgang ganz deutlich, und die Schweiz muss aufschließen, sich dem anschließen, überall … (triumphierend) du und ich, wir setzen uns jetzt mit den Käufen zusammen mit Obama an die Spitze dieser notwendigen Entwicklung. Westerwelle: (erschöpft) Damit wird der Kapitalismus abgeschafft, Angela. Die Geschäfte brummen nicht mehr, der Staat schmiert ab. Merkel: (mit Druck) Die sind doch schon wieder dabei. Ohne mit der Wimper zu zucken, wird schon wieder gezockt. Joe Ackermann, ich hasse langsam doch auch dieses Grinsen … der macht die Wirtschaft kaputt. (Fröhlich) Ich als Bundeskanzlerin bestimme die Richtlinien der Politik, Du erinnerst Dich! Karikatur mit freundlicher Unterstützung von gallery.net Kommentare zu diesem Artikel:
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