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Deck +++ Breitseite +++ Kultur auf der Kippe
Dienstag, 06.07.2010
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Rauchverbot
 

Kultur auf der Kippe

Gerade haben die Bayern für ein "kategorisches" Rauchverbot votiert. Jetzt will man das Qualmen gar bundesweit untersagen. Gut für die Gesundheit, aber schlecht für die Kunst. Eine Polemik.
Geschrieben von:   
Und Eva tat es trotzdem © Flickr bobster855


Dies ist eine kategorische Polemik. Deshalb steigen wir gleich mit Hitler ein. Der hatte 1944 den Schaffnerinnen das Qualmen in deutschen Straßenbahnen kategorisch verboten und erklärt: „Eine deutsche Frau raucht nicht.“ Deshalb durfte seine Frau Eva auch nicht, was selbstredend dazu führte, dass sie sich kategorisch heimlich eine ansteckte. Der kleine Mann versuchte dann noch einige andere Ideen durchzusetzen. Sein kategorisches Scheitern ist dokumentiert.

Soweit also der starke Staat, nein: Start dieses Textes und die kleinste Form zivilen Ungehorsams. In diesem Fall von Eva Braun. Aber es soll hier nicht um die 1984er-Kontrollobrigkeit gehen, die im Namen von Einigkeit und Recht und Freiheit kategorisch alles reglementiert, was sie zu fassen bekommt, weil der Bürger nicht weiß, was gut für ihn ist – oder weil er eigentlich überhaupt nichts weiß. Schließlich haben sich 61 Prozent der Bayern, die am Bürgerentscheid teilnahmen, völlig zwanglos für das sogenannte „kategorische“ Rauchverbot entschieden.

Wer trägt freiwillig Opas Hose auf?

Die bayerische Bierstuben- und Festzeltgemütlichkeit jedenfalls ist nicht in Gefahr. Schließlich ist man Zwang dort gewöhnt. Gerade zur der Zeit, in der kategorisch Oktoberfest ist. Im Ernst: Wer trägt schon aus freiem Willen die speckige Lederhose von Opa auf oder stürzt sich mit Stimmungshütchen und Gamsbart ins Biergetümmel um eine beschleifte Dame in Leibchen und Schürze zu erobern?

Sorgen wir uns nicht um Bayern. Sorgen wir uns um die Kunst. Was wäre sie wohl ohne den kategorischen Missbrauch von Nikotin und anderen Substanzen? Balzac, Dostojewski, Baudelaire oder Céline wären Jurist, Großgrundbesitzer und Arzt geworden. Schade nur um das linke Ohr von Van Gogh; wohingegen man den zerfließenden Ohren beziehungsweise Uhren von Salvador Dali keine Träne nachgeschickt hätte.

Mit der Zigarette ist Staat zu machen

Sorgen wir uns um die Philosophie. Friedrich Hölderlin, der nicht nur Gedichte schrieb, sondern sich auch staatstragende Gedanken machte, verfasste seine Tragödien- und Gesellschaftstheorie im Aufsatz „Das Werden im Vergehen“ (1799), vom Wechsel der Staatsformen nach dem Vorbild einer brennenden Zigarette. Diese werde, so Hölderlin, eben erst dann zu dem, was sie ist, indem sie verglüht, beziehungsweise vergeht.

Und jetzt wäre der Augenblick, da man den Schriftsteller Charles Bukowski zitieren müsste, der sich kategorisch durch die Kunst, diverse Bars und Frauen soff und immer eine Zigarette an hatte. Davor, danach und während dessen. Aber das brächte es mit sich, dass man die primären Geschlechtsmerkmale beim Namen nennt. Und das wäre dann wohl das nächste, das man verböte. Kategorisch.

Themen: Bayern Kippe Kultur Rauchverbot
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Delo, Juli 06, 2010

Nicht vergessen...
Und Helmut Schmidt wäre schon längst tot.
geschrieben von Schosl, September 07, 2010

...
Der Artikel ist eine klassische Themaverfehlung: Ich stimme der Autorin prinzipiell ja zu, nur wurde in Bayern nicht das Rauchen verboten, sondern das Rauchen in Gaststätten u.ä. Wäre tatsächlich das Rauchen verboten worden: volle Zustimmung.
Genauso wie seit dem Verbot "anderer" Substanzen diese dennoch immer noch das Bewußtsein großer wie kleiner Geister erweitern - nur halt nicht (mehr) im öffentlichen Raum, sondern draußen oder in privaten Räumen -, so wird das auch beim Rauchen geschehen. Kein Grund also, sich um das Genie der Künstler künftiger Generationen zu sorgen.
geschrieben von Mareike, September 25, 2010

Die Hässlichkeit des Tabakkonsums
Da gebe ich Schosl Recht: Es wurde ja nicht das Rauchen an sich verboten. Zudem wird die Raucherei nur zu gerne hochstilisiert. Vor allem, weil man sich bestimmte Hollywood-Ikonen gar nicht erst ohne Glimmstängel vorstellen kann. Wenn man aber mal kurz nicht an Jimmy Dean denkt, sondern den lederhäutigen Eckkneipenbesitzer mit seinem fiesen Aschenbecher-Atem, dann erscheint die Sache gleich weniger glamourös. In jungen Jahren mag das durchaus noch durch Schönheit auszugleichen sein, aber ab 40 wird es schwierig, als Raucher nicht mit dem Label "eklig" versehen zu werden.
geschrieben von Dina Vier, September 26, 2010

Strawberry Smokes
Ach Blödsinn, Frau Weddeling. Als wären auch nur eines der großen Werke der Qualmerei zu verdanken. Das ist ebenso hirnrissig wie das Argument, die Beatles hätten ihre größten Songs unter Drogeneinfluss geschrieben. Lennon hat selbst einmal zugegeben, dass die Lieder, die ihnen im Rausch als geniale Ergüsse erschienen, sich schon am nächsten Morgen als unsägliche und aus dem Takt geratene Fehlversuche entpuppten.
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