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Deck +++ Glanz & Gloria +++ Catfight im Boulevard
Mittwoch, 17.11.2010
(107 Bewertungen)
Kommentare (4) Drucken
 
Alice Schwarzer vs. Kristina Schröder
 

Catfight im Boulevard

Die Feminismusdebatte „Schwarzer versus Schröder“ ist das Lehrstück von zwei Frauen, einem Streit und vielen ungewollten Gemeinsamkeiten. Das tut dem Unterhaltungswert des Ganzen zum Glück keinen Abbruch.
Geschrieben von:   
Im Jahr 2010 kämpft die Frau nicht mehr gegen den Mann, sondern gegen die klügere Frau © Screenshot aus dem Film San Antone, 1953


Kristina Schröder mag es irgendwie geschafft haben, an der Universität Mainz ihr Soziologie-Studium zu bestehen – aber einige der grundlegenden Studieninhalte scheinen komplett an ihrem Gehirn vorüber gezogen zu sein. Dieser faszinierende Umstand blitzte oftmals schon hier und da hervor, zum Beispiel, als sie wetterte, man müsse mal gegen die „Deutschenfeindlichkeit“ angehen. Da kenne sie sich aus, das habe sie am eigenen Leibe erfahren, das ginge ja so nicht weiter. Süß! Voll in die Falle der Mikro-Argumentation getappt, ohne auch nur mal einen Zentimeter nach vorn zu denken. Empirische Studien? Theoretische Überlegungen? Quatsch! Frau Schröder ist so clever, die braucht weder Studien noch Thesen, denn alles was sie sagt, stimmt einfach. Sie ist ja im Selbstverständnis quasi so etwas wie die heilige Dreifaltigkeit des Wissens, und das sollte die Menschheit nun mal langsam begreifen.

Sozialtheorie und biologisches Halbwissen


Und so glänzte sie auch letztens im SPIEGEL-Interview, in dem sie es sogar schaffte, die Debilitätsgrenze des Boulevards noch ein bisschen weiter unten anzusiedeln: Niemand soll Geschlechtsverkehr für absurd weil frauenfeindlich halten (sagt ja auch keiner). Homosexualität sei auch keine Lösung für die Unterdrückung der Frau (sagt ja auch keiner). Und überhaupt, da solle man sie nicht falsch verstehen, gegen „Feminismus“ habe sie eigentlich nichts. Aber sie fühle sich dazu befähigt, einen theoretischen Meilenstein der Geschlechter-Theorie abzuwatschen: „Ich stimme einer Kernaussage der meisten Feministinnen nicht zu, nämlich der von Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es." Dass das Geschlecht nichts mit Biologie zu tun hat, sondern nur von der Umwelt geschaffen wird - das hat mich schon als Schülerin nicht überzeugt.“ Bums, so einfach ist das! Ist aber auch irgendwie klar, denn was ein Wunderkind wie Frau Schröder schon zu Schulzeiten geschnallt hat, das konnte auch eine akademische Ausbildung nicht aus der Birne wegbügeln. Da ist es auch schnurzpiepe, dass de Beauvoir in „Das andere Geschlecht“ existenzialistische Terminologien unter die Lupe nimmt und die These vertritt, dass die Unterdrückung der Frau gesellschaftlich bedingt ist, und eben nicht eine irgendwie geartete Essenz der Frau. Aber das meinte Frau Schröder ja auch irgendwie. So ein bisschen. Weil sie ja auch möchte, dass man merkt, dass sie ihren gut dotierten Job aufgrund hochgradiger Befähigung erhalten hat. Aber so ist das eben, wenn man sozialtheoretische Werke, die man scheinbar noch nicht mal gelesen hat, mit biologischem Alltagswissen dekonstruiert – was dabei rum kommt, ist meistens ziemlich großer Murks.

Das Imperium schlägt zurück

Nicht großartig anders verhielt es sich übrigens mit der Schelte, die sich Schröder für ihre Dekonstruktion des Feminismus einfing. Das Imperium schlug nämlich zurück! Alice Schwarzer, der Peter Scholl-Latour der Feministinnen, fühlte sich nämlich in ihrem Winterschlaf gestört und forderte die junge Ministerin öffentlich zum Catfight im Schlammbecken des Boulevards. „Stammtischsprache! Inkompetent! Ungeeignet!“ schrie es aus ihrer Feder, und durch die Blume schrieb sie sich von der Seele, dass doch nun endlich jeder merken müsse, dass ein Rücktritt der Schröder absolut im Rahmen des Angemessenen liege. Tja, und da liegt leider der Haken: Dann müsste BILD-Autorin Alice Schwarzer vielleicht doch noch einmal vor der eigenen verdreckten Türe kehren. Sicherlich, die BILD-Zeitung ist nicht das allerkleinste bisschen anfällig für Stammtischsprache, und an den kleinen barbusigen Mädels, die sich auf der ersten Seite räkeln und Stuss plappern („Ich mag große Männer!“) wird sich Frau Schwarzer auch nicht stören. Das sind ja schließlich ihre Arbeitskolleginnen!

So sieht man, dass sich hier eigentlich zwei Schwestern im Geiste treffen – zumindest in Bezug auf die analytische Treffunsicherheit. Wie also kann man sich diesen Catfight unter Frauen erklären? Lässt dich das Ganze vielleicht unter dem Mantel des Mottos „Zwei Dumme – zwei Gedanken!“ oder "Boulevard of broken Dreams" subsumieren? Doch eigentlich braucht man darüber nicht weiter nachzudenken, denn eins ist schon immer klar gewesen: Weder für die Bekleidung politischer Ämter, noch für die Schreiberei für reißerische Gammelblätter sind übermäßige Gehirnfunktionen notwendig. Erinnern wir uns an dieser Stelle also einfach an die weisen Worte de Beauvoirs: „Wenn man uns sagt: 'Immer schön Frau bleiben, überlasst uns nur all diese lästigen Sachen wie Macht, Ehre, Karrieren, seid zufrieden, dass ihr so seid: erdverbunden, befasst mit den menschlichen Aufgaben …' Wenn man uns das sagt, sollten wir auf der Hut sein!“

Für den Unterhaltungswert wäre es gut, wenn das Niveau des Catfights noch ein bisschen weiter sinken würde. Dem Gehirnbrennwert wäre zuträglich, wenn ein bisschen Denkschmalz angerührt würde. Wir wählen "Tor 2" und werden pünktlich zu Weihnachten Schröder und Schwarzer noch mal de Beauvoirs  „Das andere Geschlecht“ schenken. Der einen zur Erstlektüre, der anderen zur Auffrischung.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Mareile, November 17, 2010

Das Problem an der Emanzipation sind die Frauen!
Großartiger Text, Nadia! Intelligent und zum Brüllen komisch! Es ist wirklich traurig, dass Simone de Beauvoirs revolutionäres Gedankengut, welches - nebenbei bemerkt - schon seit 1951 als Buch in Deutschland verbreitet wird, entweder gar nicht zur Kenntnis genommen-, oder (und das ist unendlich viel schlimmer) von genau den Frauen missverstanden oder bewusst miss-interpretiert wird, die die feministische Flagge für uns alle hissen sollten. Das Problem an der - nach wie vor lahmenden - Emanzipation sind nicht die Männer sondern die Frauen selbst! Diese These stammt übrigens nicht von mir. Sie ist Grundlage des fantastischen Buches "Der Cinderella Komplex - Die heimliche Angst der Frauen vor der Unabhängigkeit" von Colette Dowling. Eine Muss-Lektüre für jede moderne Frau!
geschrieben von Mareile, November 18, 2010

...
PS: Madame Schröder hat "Der Cinderella-Komplex" mit größter Wahrscheinlichkeit nicht gelesen. Und "Das andere Geschlecht" auch nicht. HOFFE ICH! Andernfalls wäre ihre Aussage so peinlich, dass ... ja, weiß ich auch nicht. Da fällt mir gar kein Vergleich ein ... Ich bin entsetzt.
geschrieben von Nadia Shehadeh, November 18, 2010

...
Liebe Mareile, ich stimme Dir voll zu, diese ganze "Ist-doch-so"-Mentalität von Frau Schröder ist einfach nur zum Wegdrehen. Und in einem Punkt muss ich Alice Schwarzer dann doch ein bisschen zustimmen: Man hat wirklich manchmal den Eindruck, als hätten die letzten vier Jahrzehnte nicht existiert. Und es gibt bestimmt Frauen und Männer da draußen, die irgendwas gecheckt haben (aber 80% gehören nicht dazu).
Aber egal, wir halten zusammen, through the good, the bad, the ugly! ;)
geschrieben von Max, Dezember 10, 2010

Hm
Wären Sie eine Person des öffentliche Interesses, Frau Shehadeh, könnten Sie gleich mit in den Ring springen: Auch Ihr Text zum Thema hält sich von Argumenten fern. Ihnen reicht es, ein Buch gelesen zu haben, in dem eine Autorin eine These vertritt, um Frau Schröder der Einfältigkeit zu bezichtigen. Dass Sie das tun, ist Ihr gutes Recht. Dass Sie bei allem Triumphgeheul falsch liegen, sage ich Ihnen hiermit: Glauben Sie nicht an den Gendermist. Irgendwann werden Sie mir dankbar sein. (Googlen Sie mal nach Gendertheorie und Kritik. Das erfrischt.)
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