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Deck -> Glanz & Gloria -> Dampflok vs. Gesamtkunstwerker
Dienstag, 01.06.2010
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French Open
 

Dampflok vs. Gesamtkunstwerker

Bei den French Open in Paris lief alles auf ein Traumfinale zwischen Rafael Nadal und Roger Federer hinaus. Es wäre ein Treffen zweier Tennis-Giganten geworden, doch leider kam alles ganz anders.
Geschrieben von: Timm Saalbach   
Keine leichte Kost: Das Finale könnte zum Treffen der Giganten geraten © Flickr Bah Humbug


Er ist zurück. Rafael Nadal hat die letzten drei Masters Turniere in Monte Carlo, Rom und Madrid gewonnen. Niemandem zuvor ist dies auf dem Weg zum größten Sandplatzturnier der Welt bisher gelungen. Im Finale in der spanischen Hauptstadt besiegte er seinen ewigen Widersacher Roger Federer – ein Vorgeschmack auf Paris? Hier hat er von 2005 bis 2008 dominiert bevor ihn im letzten Jahr eine Verletzung am Knie gegen den Schweden Robin Söderling in die selbigen zwang. Es folgte eine längere Verletzungsphase. Ein glücklicher Umstand für Roger Federer, sicherlich, der 2009 nach zahlreichen Anläufen endlich im Stade Roland Garros gewinnen konnte.

Es war sein 14. Grand Slam Titel, derjenige mit dem er den bisherigen Rekord des legendären Pete Sampras einstellte. Wenig später sicherte er sich seinen sechsten Wimbledon-Titel und zog damit am Amerikaner vorbei. Hier in Paris könnten sich die beiden bestimmenden Akteure des Weltherrentennis nun wieder treffen. Ihr letztes Grand Slam Finale liegt etwas mehr als ein Jahr zurück – bei den Australien Open in Melbourne 2009 siegte der Spanier. Während der sich nun in großen Schritten seinem Leistungs-Peak annähert, macht sich Federer mit jedem seiner Auftritte ein wenig unsterblicher.

Kraft gegen Ästhetik

Die Nummer zwei der Welt scheint bei den diesjährigen French Open kaum aufzuhalten. Kraftvoll und zielstrebig wie eine Dampflok tankt sich Nadal in seinem quitschig grün-blauen Outfit durch den roten Sand, lässt seine Gegner wie Sparings-Partner abblitzen, sie die Weite des Platzes spüren. Dabei wirkt er so unwiderstehlich und entschlossen wie Arjen Robben in der Endphase der letzten Saison. Federer dagegen mit seinen mittlerweile 28 Jahren auch altersmäßig einer der Anführer des ATP-Zirkus ist und bleibt ein ästhetischer Gesamtkunstwerker.

Selbst wenn er sich, wie in seinem Zweitrundenmatch gegen den Kolumbianer Alejandro Falla im ersten Satz über 20 leichte Fehler gönnt, Satzbälle abwehren muss und den Durchgang erst im Tiebreak gewinnt, nie kommt das Gefühl auf, er könnte ernsthaft ins Straucheln geraten. Immer unaufgeregt, unbeeindruckt, untouchable – sein Spiel bleibt eine Augenweide. Schmutzige Punkte gibt es für den Schweizer nicht, es regiert die Ästhetik, die Geschmeidigkeit bedingt durch perfekte Beinarbeit, die intelligente Ballwechselführung. Genau aus diesem Grund zieht er die Zuschauer in seinen Bann, genau deshalb erstarren seine Kontrahenten in bewundernder Erfurcht.

Match gegen die Bilanz

Damit reiht er sich ein in den Reigen seiner Vorgänger an der Spitze des Welttennis: Pete Sampras, Ivan Lendl, Björn Borg - Ästheten des weißen Sports. Auch Boris Becker kannte kaum einfache Punkte, auch wenn die Schönheit seines Spiels immer etwa aufwändig und angestrengt anmutete. Bei Federer scheint alles im Fluss, die gelebte Leichtigkeit.   

Am kommenden Sonntag kann der Schweizer seinen 17. Grand Slam-Titel erringen. Pete Sampras Rekord, der insgesamt 286 Wochen die Weltrangliste anführte, stellt er ohnehin mit Ablauf der French Open ein. Nadal dagegen wuchert mit einer 2010 makellosen Bilanz auf Sand. Drei Turniere gespielt, drei gewonnen. Auch der direkte Vergleich gegen den Schweizer spricht für Nadal: Mit 14:7 führt der Spanier, auf Sand liegt er sogar mit 10:2 Siegen in Front. Bleibt also abzuwarten, ob Federer seinen Titel verteidigen kann, oder sich wie in den Jahren 2006 bis 2008 dem mallorquinischen Sandplatzkönig ergeben muss.

Update: Der Traum vom Traumfinale ist ausgeträumt. Robin Söderling hat bei den French Open in Paris für eine Sensation gesorgt. Der Schwede bezwang den Vorjahressieger und Weltranglistenersten Roger Federer. Tja, so schnell kann's gehen.

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