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Deck -> Glanz & Gloria -> Gören-Überdosis beim Eurovision Song Contest
Freitag, 13.05.2011
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Kommentare (15) Drucken
 
Lena Meyer-Landrut
 

Gören-Überdosis beim Eurovision Song Contest

Über ein Jahr mussten wir Lena Meyer-Landrut auf nahezu allen Kanälen ertragen. Längst schon ist Schluss mit lustig, und deswegen bleibt für den Eurovision Song Contest vor allem eins zu hoffen: die fette Niederlage Deutschlands.
Geschrieben von: Nadia Shehadeh   
Lena Meyer-Landrut im Blitzlichtgewitter © Flickr TF28 | tfaltings.de


Richard Ford, der amerikanische Bestseller-Autor und Pulitzer-Preisträger aus den USA, würde Lena Meyer-Landruts nun mittlerweile einjährige mediale Omnipräsenz als Permanenz- oder vielleicht sogar Penetranzphase bezeichnen. Und zwar aus guten Gründen. Ihren Namen hat man inzwischen wahrscheinlich schon tausend Mal öfter gehört als den der eigenen Mutter. Ihre Tracks hat man im Radio mittlerweile so oft stoisch ertragen müssen, dass man inzwischen schon gar nicht mehr unterscheiden kann ob es sich da nun um „Musik“ oder um unangenehme Gehörgangsspülungen handelt. Und dann ihr Gesicht, immer und überall, in den Gossip-News, als Bestandteil der Opel-Kampagne, bei Sarah Kuttner, als Wachsfigur-Visage, und dazu aus dem Lena-Mund das immer gleiche Mantra: „Ich bin eben so, wie ich bin.“ Ich bin halt ich und deswegen habe ich Erfolg – eine Plattitüde, auf der schon andere prominente Knallchargen wie Zlatko aus der ersten Big-Brother-Staffel und Lucy Diakowska von den „No Angels“ herumritten – und zwar wenig nachhaltig, wie man heute weiß.

Zusammengeklaubter Hoppelhase

Aber was ist passiert? Damals, bei ihren ersten Auftritten in der Raab-Castingshow, da hatte man sich doch noch irgendwie einlullen lassen von diesem Anschein ungeschminkter Natürlichkeit und den charmant-unbeholfenen Hoppelhasen-Tanzbewegungen. Und heute, über ein Jahr später, sieht die Sachlage schon wieder ganz anders aus. Da kommt einem Lena Meyer-Landrut zuweilen vor wie die Armutsvariante von Björk. Wie ein zusammengeklaubtes Etwas der England-Hipster-Welle, die in den letzten Jahren und parallel zu Amy Winehouse Niedergang kleine Post-Britpop-Fräuleinwunder am laufenden Band ausspuckte: Duffy, Kate Nash, Adele. Duffy ist inzwischen durch, Kate Nash auch, und wahrscheinlich kann man einzig Adele noch eine etwas längere Halbwertzeit zutrauen. Und unser „Wunder von Oslo“, das wir letztes Jahr noch stolz feiern konnten, hat sich mittlerweile längst in eine klebrige und schleimige Pop-Version von Heinrich Bölls „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ verwandelt. Weil das, was heute vielleicht ebenfalls schon längst durch gewesen wäre, uns mit der weiteren Grand-Prix-Teilnahme Lenas aufgezwängt wurde wie eine unangenehme zweite Fahrt in einer Achterbahn – lustig zwar für den kurzen Moment, doch dann abrupt endend in latenter Übelkeit. Und weil das, was uns einmal irgendwie feierlich Spaß gemacht hat, sich letzten Endes auch wieder als leeres Glücksversprechen der Pop-Kultur entpuppt hat:
Lena Meyer-Landrut, das schnallten einige von uns recht schnell, war vielleicht doch die ganze Zeit nie mehr gewesen als eine beliebig austauschbare Symbolfigur der H&M-geschwängerten Illusion westlichen Individualismus – manifestiert in einer körperlich gewordenen Durchschnittlichkeit mit hübschem Gesicht, langer Wuschelmähne und Ballerina-Schuhen. Lena ist eine von uns, das Mädchen von nebenan, eine, der man zutraut, lieb und nett und umgänglich zu sein und Duckface-Fotos bei Facebook hochzuladen. Und vielleicht ist genau das das Problem: Glattpoliert bis in die letzte Pore wird uns hier ein Glanzabziehbild deutscher Mittelmäßigkeit vor die Nase gehalten – und zwar so insistierend, dass langsam vielleicht selbst Klopapier mehr Interesse bei uns wecken könnte.

„Germany: Zero points!“

Und trotzdem müssen wir damit leben, dass die kleine Göre morgen in Düsseldorf mal wieder unser Land vertreten wird – bei einem Gesangswettbewerb, der so uncool ist, dass er die ganze Aufregung eigentlich schon gar nicht mehr wert ist. Und trotzdem ist man vor allem eins: Genervt. Auch, weil man sich gar nicht ausrechnen möchte, was alles möglich wäre, wenn durchgeknallte Anrufer und diverse Jury-Fraktionen vielleicht wieder dafür sorgen könnten, dass Lena Meyer-Landrut erneut den Pokal einheimsen könnte. Gut, ein Vorbeischrammen Deutschlands am ersten Platz scheint laut Google-Prognose so sicher wie das Brot im Toaster, aber dennoch sollte man bedenken, dass unsere europäischen Nachbarn aufgrund der mangelnden Lena-Penetranz-Erfahrung noch relativ unbefangen und sympathisierend auf ihre Performance reagieren könnten. Aber an diese elende Variante möchten wir gar nicht denken. Stattdessen werden wir Lena Meyer-Landrut massiv die Daumen drücken, dieses Mal beim Eurovision Song Contest zu scheitern. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil wir es einfach nicht ertragen könnten, wenn Stefan Raab die Lena-Manie in einem Anfall größenwahnsinniger Geistesumnachtung nochmals zwangsverordnen könnte. Und weil selbst Lena es nicht verdient hat, noch ein weiteres Jahr in der Penetranzphase verharren zu müssen. Und deswegen werden wir uns im Gegensatz zu den Jahren davor dieses Mal wahrscheinlich sehr über folgendes Mantra freuen: „Germany: Zero points!“ Und zwar so oft es geht. Bitte. Danke.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Arnold, Mai 13, 2011

Gäääähhhnn
Gäääähhhnn.... und das bezieht sich auf diesen Artikel, nicht auf Lena - die hat mehr Witz.
geschrieben von Carsten, Mai 13, 2011

...
Genau, genau, lieb und nett hin oder her, aber Lena sucks. Bin froh wenn die Show des Grauens morgen gelaufen ist.
geschrieben von RalfeRalf, Mai 13, 2011

Lena
@Arnold: Haha, Du hast da wohl was falsch verstanden. Lena hat hat keinen Witz, sie IST einer :)
geschrieben von Dr. I. Steinert, Mai 13, 2011

...
Eines vorab: Ich bin kein ausgesprochener Fan von Frau Meyer-Landrut, ich stehe dieser etwas merkwürdigen jungen Sängerin neutral gegenüber - Leben und Leben lassen.
Doch jetzt zu diesem Artikel:
Der Autor dieses scheinheilig-besorgten Pamphlets klammert sich in ereifernder Weise an die 1. Person Plural, um sich selbst als "Sprachrohr aller Deutschen" zu inszenieren. Dass er die Leser bei einem derart hasserfüllten Auswurf zu Komplizen seiner Sache erklärt, ist schlicht anmaßend und beleidigend - ich verbitte mir die anbiedernde Vereinnahmung seitens eines solchen Giftspuckers. Sie sprechen in erster Linie nur für sich selbst - oder vielmehr gegen sich selbst. Für mich sprechen Sie ganz sicher nicht.
geschrieben von Carsten, Mai 13, 2011

...
Ach Gottchen. Da muss man aber schon selbst sehr scheinheilig-besorgt sein, wenn man sich hier an der 1. Person Plural stößt und im Zusammenhang mit der Autorin verbittert von der Inszenierung als "Sprachrohr der Deutschen" philosophiert. Mit Verlaub, aber ihr Kommentar: IST auch ein Witz.
geschrieben von RiotGrrrl!, Mai 13, 2011

Lena, oh Lena!
@Dr. I. Steinert: Hätten Sie denn lieber Lena Meyer-Landrut als "Sprachrohr der Deutschen"? Wenn man sich den kollektiven IQ unseres Volkes so anschaut, dann würde das ja sogar passen.
Stellen Sie sich das mal vor: Lena trällert die Neujahrsansprache, Lena wird Außenministerin, Lena würde uns in der Tat perfekt repräsentieren. In jeder Hinsicht. Damit auch jedem Hintlerwäldler auf der ganzen Welt klar wird: Deutschland muss bekloppt sein.

Hier schon mal ein kleiner Ausblick, wie Lena aus unseren Kindern miterziehen könnte: http://www.youtube.com/watch?v=PdFt3NEXcCYcc
geschrieben von ISCA, Mai 13, 2011

...
ich stehe auf deinem Artikel und Meinung....
am Anfang an dachte ich, der discoverer Raab versteht das nicht: Lena ist nicht Raab, der Mann der immer gewinnen wollte...
he/she will fail!!!
geschrieben von Chris, Mai 13, 2011

...
Das viel zu viel einer öffentlichen Person durch penetrante Dauerpräsenz auf allen Kanälen, der Tod des Zaubers der ersten Begeisterung, die leeren Versprechen des westlichen Individualismus und direkt am Anfang ein entscheidender Hinweis auf Richard Ford, den Zeremonien-Meister menschlichen Mittelmaßes: Dass das beim hier angeschlagenen Rotzton auch noch eher durch die Blume rüberkommt, spricht meines Erachtens noch mehr für die Schreiberin. Wer also im vorliegenden Text sowas wie "Hass" oder "Giftspuckerei" wittert, hat im Leben anscheinend zu viel Fernsehen geguckt.
geschrieben von realpirate, Mai 13, 2011

kaeseigel
jetzt mal alle nicht so ueppig werden - es wird ja keiner gezwungen zu gucken. Raabs haifischgrinsen in allen ehren, zickige artikel im deutschen feuilleton zuhauf und eine journaille, die aber auch so gar nicht los lassen kann, lassen aber auch keine rechte stille im blaetterwald aufkommen.
Ich mags...und ziehe mir jede minute dieser herrlichen nummer rein. Meine traute wenigkeit mit dem rest von europa vor dem elektronischen lagerfeuer vereint, laesternd mit der sippe und dem kaeseigel.
Kanns kaum erwarten :-)
geschrieben von Nadia Shehadeh, Mai 13, 2011

...
Das, was der realpirate sagt: Das hört sich nach einem guten Plan an.
geschrieben von Beobachter, Mai 13, 2011

Locker bleiben
Ich glaub so unintelligent ist Frau Meyer-Landrut gar nicht, daß sie nicht selbst genervt wäre vom inhaltsleeren Hype um sie und den ESC. Sie selbst machte sich lustig darüber, wie oft wir alle noch ihren diesjährigen ESC-Beitrag vor der Entscheidungsshow in Düsseldorf hören dürfen/müssen. Und sie selbst hat auch für den unwahrscheinlichen Fall des abermaligen Gewinns des "Pokals" bereits angekündigt, nicht nocheinmal antreten zu wollen, egal was Raab und Brainpool planen.

Also immer locker bleiben, den ESC und den Hype darum ignorieren oder ertragen und dem möglichen Gesangstalent Meyer-Landrut unvoreingenommen eine Chance einräumen, falls sie nach dem ESC eine echte Karriere anstrebt.
geschrieben von FrauSoundso, Mai 13, 2011

...
Applaus, Frau Shehadeh!
Wie oft habe ich schon den Kopf darüber geschüttelt, dass die Leute es offenbar nicht sehen wollen: Lena sieht zwar niedlich aus, aber das wars dann auch schon. Sie sondert jede Menge hirnlosen Girlie-Quatsch ab, und mit der Kernkompetenz einer Sängerin, dem Singen, ist es bei ihr auch nicht weit her. Die Nervenstärke, vor Millionenpublikum zu singen, haben gewiss nur wenige 19-Jährige, aber dazu muss man wahrscheinlich so ein aufgezogener Frosch sein wie Lena.
geschrieben von floh, Mai 14, 2011

Journalistin BR
Wie lautet Lenas Plan B?

Lena hätte nie zum 2. Mal in die Arena steigen sollen. Sie ist ein nettes Mädchen, inzwischen aber ist sie zwischen Arroganz und Unsicherheit stecken geblieben. Sich verstecken - warum? Hat sie Angst vor der eigenen Courage? Warum, liebe Lena, liessest Du es nicht bei dem 1. Erfolg? Merkst Su nicht, dass Du von einem besonders ehrgeizigen "Raben" auf die Bühne geschubst wirst. Ich fürchte, der Absturz wird unabwendbar werden. Austauschbar, nett, zickig, mittelmässig - das ist ein Teil von Lena. Ich hoffe, dass sie einen Plan B hat.

geschrieben von River runs Red, Mai 15, 2011

Ja nee ,is klar...
Meine Güte ,sie sondert jede Menge Girlie-Quatsch ab.....
Das Mädel ist grade mal 19 ,also mal schön den Ball flach halten.
Und wer guckt schon den ESC,dafür muss man ja schon grundsätzlich Grenzdebil sein.
Ausserdem tut der Autor hier so als wer das alles die Schuld von der Kleinen,sie macht halt nur das beste daraus und sieht nebenbei bemerkt, den ganzen Hype um ihre Person,ebenfalls als übertrieben an.Es gibt wirklich wichtigere Themen im Moment und mir ist es ehrlich gesagt scheiss egal wer da nun gewinnt.Da hättet ihr euch vor ein paar Jahren lieber über den Guildo Horn aufregen sollen, (Guildo hat euch Lieb) denn im gegensatz zu dem sieht sie wenigsten schnuckelig aus...
geschrieben von gangrel, November 15, 2011

pitten
welch zufall das lena zuvor in einer der zahlreichen sozialdramen RTL produktionen die einem seit geraumer zeit im deutschen tv hauptsächlich (neben den "wozu wirklich anstrengen, und arbeiten wenn man doch mit müll auf der bühne star werden kann" casting shows natürlich) schon zu sehen war und dort bereits an der "medien karriere" zu feilen. das ist eine kleine auf berechnung getrimmte deutsche obere mittelschichten tochter. bei ihr ist das jungfernhäutchen sicherlich kein opfer wahrer liebe gewesen.
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