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Popstar Mika
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"Meine Fans sind mein Kapital" |
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Er gilt als Paradiesvogel unter den Popstars, der libanesisch-britische Sänger Michael Holbrook Penniman alias Mika. Mit Philibuster sprach der 26-Jährige über die Bedeutung des Internets, den Tonträger 2.0 und Erfolg durch Internet-Piraten. |
| Geschrieben von: Michael Stepper |
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Michael Holbrook Penniman alias Mika © Universal Music
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Philibuster: Mika, Sie haben einmal von sich behauptet, das Internet habe Ihr Leben verändert. Was sehen Sie in diesem Medium?
Mika: Ich habe mein erstes Album aus der Sicht eines 16-Jährigen geschrieben, das zweite aus der Sicht eines 19-Jährigen. Wenn ich das im Rückblick betrachte war ich mit 16 ziemlich einsam. Heute muss in diesem Alter niemand mehr einsam sein, denn die Communities geben einem Halt und das Gefühl, dass immer jemand da ist. Wenn es mir heute schlecht ginge, würde ich auf Facebook gehen und mit meinen Freunden kommunizieren. Das konnte ich damals nicht. Von daher ist das Internet für mich vor allem ein Kommunikationsmedium, das Menschen verbindet und so gesehen eine neue Welt schafft. Philibuster: Glauben Sie, dass das Internet sich auch auf die Politik und die Demokratie auswirken wird? Mika: Nein, nicht zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube eher, dass das Internet Leuten eine Stimme gibt, dass sie aber noch nicht wirklich verstehen, wie man dieses Medium sinnvoll nutzt. Nicht jeder Trend auf Twitter verändert das Leben von Menschen. Diese Meinungsvielfalt im Internet bietet erst einmal viele Möglichkeiten, aber unterm Strich wird ja auch viel zu viel gequatscht. Nur weil jetzt jeder Musik im Internet veröffentlichen kann, heißt das noch lange nicht, dass es nun Meisterwerke hagelt. Ich sage oft befreundeten Musikern: "Wenn Du ein Demo bei YouTube hochlädst, das im Vornherein scheiße klingt, wird es durch die Tatsache, dass es nun jeder sehen und hören kann ja nicht besser …" Philibuster: Wie hat das Internet zu Ihrem Erfolg beigetragen? Mika: Heutzutage ziehe ich den Großteil meiner Inspiration aus dem Internet. Ich habe immer mindestens ein Fenster offen, das mir alte Musik auf YouTube zeigt, oder alte Filme und Bilder, zu denen ich sonst keinen Zugang hätte. Was meine Karriere angeht, war das Internet ein regelrechter Katalysator für meinen heutigen Erfolg. Ich war damals einer der ersten Künstler, der durch das Internet berühmt wurde. Ein schwedischer DJ hatte sich damals meinen Song „Relax“ illegal im Netz heruntergeladen, bevor das Album überhaupt veröffentlicht war, und den Song im Radio rauf und runter gespielt. Und bevor wir uns versahen, waren wir auf Platz sechs der schwedischen Charts gelandet und jeder wollte diesen Song und das Album haben. Philibuster: Sie wurden also durch Internet-Piraterie zum Star? Mika: Ja, so absurd das klingt. Ich will das nicht beschönigen, aber es gibt ja mehrere Fälle in denen Leute durch illegale Verbreitung ihrer Werke zu Ruhm kamen, obwohl sie vorher total unbekannt waren. Man muss aber auch sehen, dass die Musikindustrie in diesen Tagen durch Raubkopien und Filesharing ziemlich am Stock geht. Ich denke, das hat auch mit der Einstellung der Leute zu tun. Vor ein paar Jahren habe ich mir illegal alle Rufus-Wainwright-Songs heruntergeladen. Weil ich den Künstler aber so toll finde, habe ich mir im Nachhinein alle Alben gekauft. Heutzutage tauschen die Leute ganze Festplatten untereinander, auf der sich soviel Musik befindet, dass vielen Menschen das Gefühl für Künstler und Musik fehlt. Worauf soll man sich noch freuen, wenn man mehrere Gigabyte zugespielt bekommt, von denen man vielleicht ein paar Songs anhört und den Rest wieder vergisst? Philibuster: Wie sollte man vorgehen, um den Kaufanreiz wieder herzustellen? Das Kino befindet sich gerade in der einzigartigen Lage, dass die neue 3D-Technik das Kino wieder zum Erlebnis und dadurch interessant macht. Was wäre das im Falle der Musikindustrie? Mika: Es gibt bereits Versuche, dieses Bewußtsein für hochwertige Produkte wieder zu schärfen. Einerseits erscheinen gerade ja viele Sammlerboxen, die sich an Fans richten und durch besondere Aufmachung Wertigkeit vermitteln. Jüngere Kunden fehlt dieses Bewusstsein aber vollständig. Wenn man nur den Tausch von MP3s kennt, wird es schwer, einem das zu vermitteln. Philibuster: Steve Jobs und Apple versuchen gerade das Album digital wieder aufleben zu lassen … Mika: Und ich habe das Glück, einer der Test-Künstler zu sein. Daher ist dieser Versuch mit zehn Leuten ja gerade so spannend. Weil man auf die Fans hört und ihnen zusätzlich zur Musik nun ein ganzes Paket anbieten kann. Man kauft nicht mehr nur ein paar Songs. In meinem Fall bekommt man ein digitales Booklet, bei dem man sich auf 98 Seiten Fotogalerien, Videos, Songtexte und Zeichnungen ansehen kann, während man die Musik hört. Dazu kommt, dass es sich um ein virtuelles Album handelt, das sich automatisch immer auf den neuesten Stand bringt. Wenn es neue Fotos gibt, werden die automatisch hinzugefügt. Philibuster: Aber denken sie wirklich, dass sich die Leute dazu an den Rechner setzen? Früher hat man der Musik gelauscht und dabei in Ruhe das Booklet durchgeblättert und die Texte studiert. Der Rechner verleitet doch nur zur Ablenkung … Mika: Diese Frage ist berechtigt und man darf nicht vergessen, dass das ganze nur eine Möglichkeit ist, die Idee des Albums neu zu erfinden. Ich gebe Ihnen ja Recht, dass es schwierig ist, diese Idee Leuten zu vermitteln, die mit physischen Tonträgern aufgewachsen sind. Die Jugend ist für solche Versuche wesentlich aufgeschlossener und gibt sich auch nicht mit starren Tonträgern zufrieden. Philibuster: Wie wichtig ist dabei der Kontakt zu den Fans über Social Media? Mika: In diesen Zeiten kann man es sich nicht mehr leisten, nicht direkt mit seinen Fans zu kommunizieren. Meine Fans sind mein Kapital. Ich habe lange für meine neue Webseite gekämpft, die die Fans direkt einbindet. Wir haben ein Payback-System entwickelt, dass sich „Mikas Magic Numbers“ nennt. Wenn man nun irgend ein Produkt von mir kauft, erhält man einen Code, den man in virtuelles Geld umtauschen kann, für das man dann wiederum Produkte aus meinem Onlineshop kaufen kann. Das funktioniert, weil die Fans für ihre Treue etwas zurückbekommen. Das ist ein Geben und Nehmen, so funktioniert das Netz. Kommentare zu diesem Artikel:
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