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Deck +++ Glanz & Gloria +++ Rumoren an der Basis
Dienstag, 10.11.2009
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FC Bayern Krise
 

Rumoren an der Basis

Das Verhalten der Fans ist oft ein besserer Gradmesser für den Zustand eines Vereins als die Ergebnisse auf dem Platz und Beteuerungen aus der Führungsriege. Wahre Größe zeigt sich in der Niederlage – bei den Spielern und an den Stammtischen.
Geschrieben von:   
Der Fan als Spiegelbid seiner Mannschaft © Flickr XM&&LL


So schnell zufrieden zu stellen und wieder versöhnt mit ihrem Verein Fußballfans auch sind, genauso ehrlich und unbarmherzig gehen sie mit ihren Kickern ins Gericht. „Hohl, dumm, einfach nur scheiße, wie eine Schülermannschaft“ waren am Samstag beim Spiel der Bayern gegen die Knappen aus Schalke noch recht harmlose Kommentare. Beim einen oder anderen Champions League-Spiel soll man auch schon andere Kraftausdrücke gehört haben. An Bierbänken, gerstensaftbeeinflusst flucht es sich leicht, keine Frage. Doch beschrieben die impulsiven Adjektive die Flaute des Rekordmeisters vortrefflich. Diese Mannschaft versinkt im Mittelmaß, in der Meisterschaft sechs Punkte hinter dem Tabellenführer auf Platz acht, ein drohendes Aus in der Königsklasse, schon wieder mitten in der leidigen Trainerdiskussion – zumindest glaubt man dem Rascheln im Blätterwald – und weit und breit keine Besserung in Sicht. Dies ist zweifelsohne nicht der Anspruch eines Vereins, der sich selbst eher auf Augenhöhe mit den Großkopferten des europäischen Rasensports sieht: Chelsea, Real, Barca. Bayern hinkt meilenweit hinterher.

Hadern mit dem Fußballgott

Über die Ursachen der Bayern-Krise wurde viel geschrieben, Ursachenforschung betrieben, zu einer Lösung ist man bisher nirgends gelangt. Der Frust der Fans und auch der Spieler auf dem Grün ist durchaus nachzuvollziehen. Nicht zu verstehen ist allerdings, weshalb dieser Verein in seinem Elend so unangenehm unsympathisch daherkommt. Weltfußballer wie Arjen Robben, einst Chelsea- und Real-Veteran, fällt nach jedem kleinen Schubser theatralisch zu Boden, so dass es sogar den Reporter schon „nervt“. Nach einem Foul streckt er seinen Gegenspieler wutentbrannt nieder. Auch vom schmerzlich vermissten Franck Ribery kennt man diese überharten frustrierten Kurzschlussreaktionen. Bei den genannten Protagonisten handelt es sich angeblich um die Stützen der Mannschaft. Luca Toni packte gar nach seiner Auswechslung kurzerhand die Tasche und verschwand aus dem Stadion. Über den kritischen Rundumschlag des Philipp Lahm in einer der großen überregionalen Zeitungen – mit dem er obendrein gegen vertragliche Regeln verstoßen hat – und den gewählten Zeitpunkt, lässt sich sicher diskutieren. Die Folgereaktion der Vereinsführung – eine Strafe von 10.000 Euro – dagegen zeigt abermals, wie dünnhäutig der Rekordmeister derzeit unterwegs ist: Autoritäres Kräftemessen statt überlegtes, weitsichtiges Handeln im Sinne des Vereins. Im Großen und Ganzen haben sie sich zwar bemüht auf dem Platz, von einem Ruck, der angesichts der Situation durch die Mannschaft hätte gehen müssen, war leider auch an diesem Samstag wenig zu spüren. Stattdessen Ratlosigkeit, Unverständnis, und die Frage, warum ihnen nur dieser Fußballgott gerade nicht gewogen ist – alles, nur leider kein aufopferungsvoller Kampf. Hoffnungsvoll kann dieses Gebaren den Fan in den Stadien und an den Bildschirmen der Republik kaum zurücklassen. Und so ist es kein Wunder, dass sich die Unzufriedenheit in wütenden verbalen Äußerungen entlädt.

Bedingt krisensicher

Dem Fußballfan fehlt sicher oft das Verständnis dafür, weshalb ein Spielsystem nicht anschlägt, die Philosophie des Trainers nicht ihren Zweck erfüllt oder Spieler manchmal einen rabenschwarzen Tag erwischen. Was ihnen jedoch nicht entgeht, ist die Einstellung der Akteure, überhartes Einsteigen, Frustfouls, mangelndes Engagement, resignierte Gesten, ein verzweifelter Trainer auf der Bayern Bank, während sein Artgenosse wild wie ein Derwisch durch seine Coaching-Zone wirbelt. Das vielbeschworene, teils arrogante „mir san mir“ eines FC Bayern München scheint nicht krisensicher, die eigenen Ansprüche des Vereins an Größe und Standing sind in schweren Zeiten kaum mehr wahrnehmbar. Mannschaften in der Form- und Sinnkrise sind keine Seltenheit: Bestes aktuelles Beispiel: der VfB Stuttgart. Bei den  Schwaben jedoch ist der unbedingte, zwar teilweise auch krampfhafte, dennoch vorhandene Willen zu spüren. Selbst als Nicht-Fan möchte man helfen, denn diese Mannschaft bemüht sich, ackert, kämpft auch für das Bleiben ihres Trainers. Sie trotzen ihrem Pech auch wenn sie dabei oft nur fairer Verlierer bleiben. Die Fans würdigen das durch Mitgefühl, Empathie. Kaum sind unflätige Äußerungen eines Stuttgart-Anhänger über die Ihren zu hören. Stattdessen fiebern sie mit, zittern und bangen, während sich die Enttäuschung bei den Bayern meist in Schadenfreude verwandelt. So wird der Fan zum Spiegelbild seiner Mannschaft.

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