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Unterhaltungsfernsehen
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TV Fatal |
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US-Künstler John Mayer degradiert Stefan Raab bei "TV Total" zum Clown und zeigt, wie schlecht das deutsche Unterhaltungsfernsehen mittlerweile ist. Im Internet quittieren ehemalige Fans das mit Hohn. |
| Geschrieben von: Michael Stepper |
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Entertainer trifft Clown - John Mayer und Stefan Raab © Ferdinand Haschner / Philibuster
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Was herauskommt, wenn amerikanische Entertainerkunst auf deutsches Comedy-Verständnis trifft, ließ sich dieser Tage hervorragend bei TV-Total beobachten: Dort veranschaulichte US-Musiker John Mayer innerhalb von exakt 6 Minuten und 52 Sekunden, wie schlecht es inzwischen um das deutsche Unterhaltungsfernsehen steht. Mayer, der sich gerade auf Promotour für sein neues Album befindet, kam nicht umhin, sein Werk in Deutschlands einziger Late-Night-Show zu präsentieren, die diesen Namen (noch) einigermaßen zu Recht trägt: "TV-Total". Womit der US-Superstar aber nicht gerechnet hatte, war Stefan Raabs neuerliches Verständnis von Abendunterhaltung. Raab, der mit seiner Sendung berühmt geworden war, weil er geschmacklose Witze auf den schwachen Schultern von Randgruppen oder wehrlosen Individuen austrug und in Endlosschleifen wiederholte, hat nämlich schon vor längerer Zeit sein Konzept der allgemeinen Nachfragesituation angepasst. Ganz im Stile von Thomas Gottschalks "Wetten, dass ...?" lädt sich Raab nun täglich mehr oder weniger Illustre Gäste in seine Show, die sich die Präsenz auf Raabs Werbeplattform mit den Antworten auf pikante Fragen eines oft unvorbereiteten Moderators erkaufen. Hier geht es zum Video (Das Youtube-Video wurde inzwischen aufgrund eines Urheberrechtsanspruchs entfernt) Endstation Sprachbarriere Das mag bei Volksmusikanten, Sportlern und Casting-Band-Ausscheidern noch funktionieren. Bei John Mayer, der auch sonst mit allen Medienwassern gewaschenen ist, brach aber schon die natürliche Sprachbarriere dem - ansonsten um keinen Konter verlegenen - Moderator das Genick. Peinlich: In schlechtestem Pennäler-Englisch hangelte sich Raab von Frage zu Frage. Selbst Gottschalk, studierter Englisch-Lehrer und Wahl-Amerikaner, überlässt diese Aufgabe schon immer professionellen Dolmetschern. Der ansonsten selbsternannte Musikexperte schien nicht mit dem bisherigen musikalischen Werk seines Gastes vertraut, lobte es aber dennoch in den höchsten Tönen. Dazu erkundigte er sich versucht frech nach Mayers aktuellem Beziehungsstatus, war aber weder in der Lage seine Fragen für den Künstler verständlich zu formulieren, noch dessen schlagfertige Antworten zu verstehen, geschweige denn zu interpretieren. Zur Freude des anwesenden Studiopublikums nötigte er den US-Superstar schließlich auch noch zum Duett. In bester Mario-Barth-Manier gab Raab den Komödianten, der sich mit schlecht improvisiertem Text - dem für seine Entertainer-Qualitäten bekannten - Mayer haushoch geschlagen geben musste. So wurde Stefan Raab zum Opfer, das er in den Anfangstagen seiner Sendung gnadenlos durch den Kakao gezogen hätte. Mit dieser Aktion, die Gelegenheits-"TV-Total"-Zuschauern einen kalten Schauer der Fremdscham über den Rücken laufen ließ, machte Stefan Raab zweierlei deutlich: Erstens ist Deutschland im Vergleich zu den USA mehr denn je ein Entwicklungsland der Fernsehunterhaltung, das selbst internationale Superstars nicht - wie es US-Vorbilder à la John Stewart (The Daily Show) tun- mit dem nötigen Respekt behandelt. Zweitens scheint sich das deutsche Fernsehpublikum an dieser Lage traurigerweise nicht weiter zu stören. Der Moderator als Zielscheibe Punkt zwei gilt allerdings nur für das Studiopublikum. Wäre es jemals denkbar, dass Stefan Raab von seinen Zuschauern ausgebuht würde, wenn er solchen Blödsinn vor der Kamera aufführt? Wo doch das Studiopublikum der privaten Fernsehsender seit jeher einer Schafherde gleicht, die blökt sobald das Schild „Applaus“ in die Höhe gehalten wird. Außerdem würden solche Szenen sicherlich vor Ausstrahlung der Aufzeichnung dem Schnitt zum Opfer fallen. Das Netzpublikum hingegen hat Stefan Raab gnadenlos verrissen. So häufen sich zum Beispiel unterhalb des Videos auf der Webseite der Sendung die kritischen Kommentare, die mit Raab teilweise recht hart ins Gericht gehen. User JustSebon bringt es auf den Punkt: "Raab war mit John Mayer einfach überfordert, eben auch weil Mayer es nicht nötig hat, einem stammelnden Gastgeber, der es nicht hinbekommt, sein Publikum richtig zu unterhalten, zu unterstützen, indem er sich zum Affen macht. Nein, Mayer hat den Raab durch Ironie und Sarkasmus so richtig schön auflaufen lassen, eben weil er gemerkt hat, dass Raab total unengagiert, unvorbereitet auf ihn zugegangen ist". So scheint auch hier das Internet langsam zum Kontrollorgan einer Industrie zu werden, deren Modelle sich - von den Machern unbemerkt - mit der Zeit überholt haben. Der Moderator, der bislang heftigst austeilte, wird nun selbst zur Zielscheibe, denn das Netz vergisst bekanntlich nicht. Ob sich Stefan Raab dieser Tatsache bewußt ist und sie auf seine Art ignoriert, bleibt ein Geheimnis. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Marlene,
März 08, 2010 Mayer versus Raab
Nachdem ich diesen Artikel gelesen und das Video angesehen habe, möchte ich hier ebenfalls meine Meinung zum Fall Mayer versus Raab kund tun. Eines kann man ehrlich sagen: es war weder Stefan Raabs bester Tag, noch John Mayer ein sympathischer Gast.
Aber schon nach wenigen Minuten muss ich mich trotzdem auf die raabsche Seite schlagen. John Mayer steht bereits ab dem "take a seat" die Langeweile ins Gesicht geschrieben. Ich bin des Englischen durchaus mächtig, habe mich aber dennoch schwer getan, das schmollmündige Genuschel aufs erste Mal zu verstehen. Außerdem finde ich es gerade gut, dass Raab dem deutschen Zuschauerpublikum immerhin rudimentäre Englischkenntnisse zutraut, anstatt sie mit "professionellen Dolmetschern" einzuschläfern. In den ersten Minuten versucht Raab verzweifelt Mayer Bälle zuzuwerfen, die dieser mit arroganter Miene gelangweilt hinter sich wirft. Es wundert mich nicht, dass da keine annehmbare Konversation herauskommt. Als Gast bei TV Total sollte man auch etwas über sich selbst lachen können. Und es ist der "mit allen Medienwassern gewaschene" John, welcher zuerst unter die Gürtellinie greift, als er sich auf Stefans Schoß setzt und von seiner nicht vorhandenen Männlichkeit flötet. Die Frage ist, wem hier der nötige Respekt fehlt? Außerdem bin ich dankbar für ein "deutsches Entwicklungsfernsehen", das im Gegensatz zum kontinentalen Nachbarn nicht minütlich von Werbeblöcken unterbrochen wird, wo das Talk-Show Publikum lieber brav beim Applausschild klatscht und nicht einem wildgewordenen Affenkäfig gleicht oder Nachrichten keine von der Politik zensierte Kriegspropaganda sind. Von amerikanischen Sprachbarrieren bei deutschen Talkshow-Gästen ganz zu schweigen... Auch Größen wie Harald Schmidt bedienen sich wehrloser Randgruppen für ihre Witze - so wird nun mal Comedy gemacht. Hier schätze ich es, dass Raab vor internationalem Besuch keinen Kniefall macht, sondern jeden gleichermaßen durch den Kakao zieht. John Mayer mag ein Ausnahmemusiker sein - menschlich springt der Funke allerdings nicht wirklich über. Alles in allem habe ich den Eindruck, dass der Autor sich hier vorrangig einen Stefan Raab-Frust von der Seele schreibt, anstatt objektiv diesen TV-Auftritt zu kommentieren. Ein einfacher Metzgerlehrling am deutschen Entertainerhimmel schmeckt halt nicht jedem. Kommentar schreiben:
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Oder auch nicht, und Du hast Dir das einfach nur ganz preiswert aus den Fingern gesogen, weil Du nicht erkannt hast, dass hier eindeutig Mayer das A*****loch war und Raab schon tausend mal gezeigt hat, dass er auch mit großen Stars lustige und lockere Interviews führen kann. Mit Stars, die danach gerne wieder kommen und endlich einmal eine TV-Show in Deutschland kennenlernen, wo es nicht soo bierernst zugeht.