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Deck -> Glanz & Gloria -> Die nervigsten Konzertbesucher
Freitag, 15.06.2012
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Stereotypewriter (1)
 

Die nervigsten Konzertbesucher

Wir lieben Stereotype. Und wir lieben Listen. Und weil uns in den Clubs immer häufiger die immer gleichen Typen auf den Zeiger gehen, haben wir sie für Euch mal feinsäuberlich in die entsprechenden Schubladen gepackt. Könnt Ihr auch gerne ausdrucken und beim nächsten Konzertbesuch abgleichen.
Geschrieben von: Semia Belhadj   
© flickr / duziem


Weil ich so unfassbar hip und berufsjugendlich bin, verbringe ich große Teile meiner Freizeit damit, in irgendwelchen Clubs herumzustehen und mir Bands anzuhören, für die sich außer mir und ein paar auserwählten Stylern niemand zu interessieren scheint. Dennoch ist zu beobachten, dass selbst die unbekannteste Band mit dem gleichen Querschnitt an Konzertbesuchern aufwartet, wie man sie auch auf einem Lady-Gaga-Auftritt finden würde. Unterstützt von dem generellen Bedürfnis alles zu stereotypisieren, folgt nun eine erweiterbare Liste von häufig anzutreffenden Konzertbesuchern:

1. Die Hipsterprinzessinnen

Mädchen mit Frisuren die an Reinigungsgegenstände erinnern und schwarzen Oberteilen, die sich im halben Takt in der ersten Reihe wiegen und sich dabei an ihren Jutetaschen festhalten. Wichtig dabei ist, den Augenkontakt zum Sänger/Leadgitarristen der Band herzustellen, der sich in den meisten Fällen nur für die Weinflasche vor dem Verstärker interessiert. Sollte Blickkontakt hergestellt worden sein, werden die Augen allerdings sofort wieder geschlossen, um das Versinken in die Musik besser zu vermitteln. Vor allem bei Punk-Bands stellt dies eine große Herausforderung dar. In blickkontaktfreien Momenten werden auch gerne die Mädchen in den ersten Reihen, die genau so aussehen wie man selbst, mit bösen Blicken vergiftet.

2. Die Chill-Bros

Häufig Männer ohne Begleitung oder zu zweit, die sich ebenfalls in den ersten Reihen aufhalten und zu jedem Song, der gespielt wird, den rechten Arm heben und im Rhythmus mitbewegen. Der Kopf ist dabei entweder in den Nacken geklappt oder zu Boden gerichtet. Dabei wandern die Blicke sehr häufig zu den eben beschriebenen Hipsterprinzessinnen, die sich spätestens in dem Moment, wo der Chill-Bro seine Lippen schürzt, um totale Begeisterung zu signalisieren, angeekelt wegdrehen. Gerne stehen sie genau vor den Boxen und kämpfen mit den Schallwellen, die ihnen beinahe das Gras vom Joint wegblasen.

3. Die „echten“ Fans

Eine gemischtgeschlechtliche Gruppe von Menschen, die alle das T-Shirt der letzten Tour der Band tragen. Sie stehen ebenfalls sehr nah an der Bühne und versuchen so ziemlich alles, um Kontakt zur Band aufzunehmen. Dabei ist es nicht so wichtig, ob es der Leadsänger oder ein anderes Mitglied ist. In den Pausen zwischen den Songs rufen sie oft Dinge wie „Hey, kennst du mich noch?!“ in Richtung Bühne und verbringen dann die nächste halbe Stunde damit so zu tun, als wäre ihnen nicht das Herz gebrochen worden, als das Bandmitglied als Antwort auf seine Frage mit den Schultern zuckte. Laute „Woohoos“ und „Yeahs“ kommen zumeist aus dieser Richtung.

4. Der Musikjournalist

Steht irgendwo am Rand in der ersten Reihe und hat bereits nach der Hälfte des ersten Songs aufgehört, zuzuhören, und fummelt in seinen Taschen herum. In der Zwischenzeit schreibt er sich mit einer willkürlichen Person SMS darüber, dass er „von der scheiß Lokalzeitung schon wieder auf so ein komisches Konzert“ geschickt worden sei. Er sieht alle fünf Minuten auf die Uhr und überlegt, ob er nicht doch gleich wieder gehen soll und einen anderen Konzertbericht einfach umschreibt.

5. Das Pärchen

Zwei offenbar an den Mündern zusammengewachsene Personen, die ihre Speichelaustauschroutine nur unterbrechen, um sich gegenseitig festzuhalten und im Takt der Musik zu wiegen. Ähnlich wie bei den Hipsterprinzessinnen ist auch hier zu sehen, dass der eigentliche Rhythmus der Musik keine Rolle spielt. So wird zu jedem Lied geschwoft, als befände man sich auf einem Wildecker-Herzbuben-Konzert. In vielen Fällen wird das Konzert von dem Pärchen frühzeitig abgebrochen, um woanders dringlichere Dinge zu tun, die nicht auf sich warten lassen können.

6. Das getrennte Pärchen

Eine Person, die rückwärts zur Bühne steht, den Hals reckt und nach jemand anderen sucht. Sobald die gewünschte Person erblickt ist, darf sich wieder umgedreht werden. Dieser Zustand hält meistens nur für fünf Minuten an, dann dreht sich die Person wieder um, um in der Menge nach ihrem Seelenverwandten zu suchen.

7. Die alten Fans

Mit angeödetem Blick, verfolgen sie das Geschehen mit offensichtlicher Missbilligung. Das Gesicht drückt aus, dass sie das alte Album viel besser fanden und es nicht mögen, dass die Band jetzt so kommerziell geworden ist. Zur Bestrafung stehen sie da wie Zinnsoldaten und hoffen heimlich darauf, dass jemand aus der Band bemerkt, wie sehr sie unter der neuen Entwicklung leiden. Da dies aber nie passiert, ist der „alte Fan“ in der Regel zum Ende des Konzerts sturzbetrunken und geht weinend nach Hause.

8. Pretty Boy

Sieht auf den ersten Blick so ähnlich aus wie der echte Fan, mag die Band und das aktuelle Album aber sehr gerne. Er ist das stilistische Äquivalent zur Hipsterprinzessin, lässt sich aber nicht dazu hinreißen, sich zur Musik zu bewegen. In Extremfällen kann es zu leichten Kopfbewegungen kommen, sofern diese sich mit den in die Hosentaschen gesteckten Händen oder aber verschränkten Armen koordinieren lassen.

9. The Drunk Fuck

Eine Person, die die Band nicht kennt, aber nichts besseres zu tun hatte als sich „irgendwo zu betrinken“. Sofern sie während des Konzerts nicht von anderen Besuchern stabilisiert wird, neigt the drunk fuck dazu, auf andere Menschen zu fallen und in regelmäßigen Abständen Dinge zu murmeln, die niemand versteht. Manchmal erzählt er anderen Menschen auch von seinem ersten Led Zeppelin-Konzert 1903, wo Musik noch richtige Musik war, und schüttet dir dann sein Bier in deinen Ausschnitt oder auf deine Jacke.

10. Die coole Mutter

Immer in Begleitung ihrer Tochter, kostet es sie große Kraft, nicht über Körpersprache zu vermitteln, dass sie keine Ahnung hat, was da gerade auf der Bühne vorgeht, und sie lieber zu Hause wäre. Die Bestätigung suchenden Blicke ihres Kindes quittiert sie mit aufmunterndem Lächeln. Oft sind sie die ersten, die aus der Konzerthalle verschwinden, weil Muttern die letzten zwei Stunden ausschließlich damit zugebracht hat, zu überlegen, was Tochterherz essen soll, sobald sie wieder zuhause sind.

11. Der Merch-Parasit

Steht bereits vor Beginn des Konzerts am Merch-Stand und quatscht ein zufällig ausgesuchtes Bandmitglied voll. Steht auch nach den Konzert noch dort und wartet auf eine Gelegenheit, um weiterzuquatschen – kauft aber nichts.

12. Das Mädchen, das mal was mit dem Schlagzeuger hatte

Wirft dem Schlagzeuger, der sie nicht sehen kann, vielsagende Blicke zu und legt dabei ihr Dekolleté frei. Da sie auf der letzten Tour aber nur eine von vierundzwanzig Frauen war, mit denen der Schlagzeuger was hatte, erkennt dieser sie nicht wieder, und sie muss mit einem der alten Fans weinend nach Hause gehen. Der weiß wenigstens, wie grandios die Band mal war, und ist froh, an diesem Abend noch ein Mädchen abbekommen zu haben.

13. Der/Die Leidende

Hat offensichtlich starke Schmerzen und bringt dies zum Ausdruck, indem er von einem Bein aufs andere steigt, sich den Rücken streichelt und mit seinen Begleitern schmerzvolle Blicke austauscht. Sollten diese Signale erfolgreich sein und der oder die Leidende gutaussehend, findet sich zumeist ein Freiwilliger, der die Person den Rest des Konzertes über massiert.

14. Die total verrückten Mädchen

Eine Gruppe von Frauen in hübschen, kurzen Kleidchen, die Sekt trinken und im Kreis um ihre George, Gina und Lucy-Handtaschen stehen. Sobald die Band damit dran ist, das einzige Lied zu spielen, das die verrückten Mädchen aus dem Radio kennen, werden die Arme in die Luft geworfen und lauthals falsch mitgesungen. Den Rest des Konzerts machen sie Duckface-Gruppenfotos mit ihren iPhones oder unterhalten sich über die umstehenden Besucher.

Themen: Club Hipster Konzert Listen Musik Stereotypewriter
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von üsüslemöngue, Juni 15, 2012

stereotypes
cooler artikel!
stereotypes
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8vC4vdoEwPs
geschrieben von tapefruit, Juni 15, 2012

...
stark, vor allem der letzte typ ist in münchen weit verbreitet ^^
geschrieben von Michael Stepper, Juni 15, 2012

...
@tapefruit: Das habe ich gestern auch schon zu Semi gesagt :) Taschen ab einer bestimmten Größe sollten in Clubs ohnehin verboten werden. Genauso wie Rucksäcke, die US-Touristen so gerne mit sich herumschleppen!
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