Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Glanz & Gloria +++ Amerika braucht Superhelden
Montag, 12.04.2010
(17 Bewertungen)
Kommentare (3) Drucken
 
Tiger Woods
 

Amerika braucht Superhelden

Für seine außerehelichen Aktivitäten öffentlich gegeißelt und geläutert kehrt Tiger Woods auf die Bühne seines Sports zurück. Jetzt bastelt er an seiner eigenen Unsterblichkeit.
Geschrieben von:   
Tiger Woods: Superheld auf dem Grün © Flickr / Keith Allison


Tausende Zuschauer und Fans strömten kürzlich an die Magnolia Lane, die Zufahrtsstraße zum berühmten Augusta National Golf Club, um die Wiederankunft eines gefallenen Stars zu feiern. Begeisterung gepaart mit Neugier trieb sie zum PGA-Master (eines der vier großen Major-Turniere im Golfsport) nach Augusta, im US-Bundesstaat Georgia, wo Tiger Woods seinen ersten Auftritt nach fünfmonatiger Abstinenz absolvierte. Seine Leistung konnte der 34-Jährige wie gewohnt abrufen, er startete gar so gut wie nie ins Turnier. Sichtlich genoss er das Bad in der Menge und die Begeisterung um seine Person. Doch nicht überall löst sein Name eine derartige Euphorie aus.

Hört man sich – nicht ganz repräsentativ – im Münchner Nachtleben um, schütteln neun von zehn Frauen nur mit dem Kopf. Einige schieben gar „So ein Arschloch“ hinterher. Diese und ähnliche Schimpfworte, das Resultat der Frage nach dem besten Golfer und reichsten Sportler aller Zeiten. Sein Auftritt stieß auf geteilte Reaktionen: während Sponsoren, Veranstalter, Fans und schließlich auch die Sportpresse dankbar sind, dass die Geld- und PR-Maschinerie Woods wieder läuft wie geschmiert, ihn zudem nach seinem öffentlichen Gnadengesuch als rehabilitiert ansehen, bleibt er für viele ausschließlich der Betrüger.
   
In der Umfrage wird deutlich: Es muss untragbar demütigend sein, zu erfahren, dass dein Mann mit mindestens 19 Gespielinnen zugange war. Die Mehrheit der Befragten meint: Es ist recht und billig, dass Woods den demütigenden Gang nach Canossa antritt, wie geschehen bei der Pressekonferenz am 19. Februar, als der Geläuterte um Vergebung für sein Fehlverhalten bat – eine öffentliche Katharsis, perfekt inszeniert.

Hero mit heruntergelassenen Hosen

Woods trug über Jahre das Image des Saubermanns vor sich her: Cool Daddy, die Ehefrau ein norwegisches Top-Model, keine Skandale, sportliche Höchstleistung – er war der Inbegriff des multimedialen Super-Heroes. Der 34-Jährige hat seinen Sport verändert, durch ihn schnellten die Preisgelder der PGA-Tour in bisher unbekannte Höhen, Politik und Wirtschaft hofierten ihn, sein Sportvermarkter machte aus ihm die erfolgreichste Werbefigur der Welt. Am Ende ist er abgehoben und tief gefallen.

„Ich wusste, dass ich falsche Dinge tue, aber ich war überzeugt, dass für mich normale Regeln nicht gelten. Ich hatte das Gefühl, mein ganzes Leben hart gearbeitet zu haben und nun das Recht, die Versuchungen um mich herum zu genießen“, so Woods bei seiner öffentlichen Selbstgeißelung. Der Sünder flehte um Gnade. Und genau das wollten seine Landsleute sehen – Amerikas Sehnsucht nach öffentlicher Sühne. Die hat er ihnen geliefert – auch wenn die Zeremonie für manche einfach nur grotesk wirkt.

Auferstehung eines Geläuterten

Woods Comeback wird nicht von allen umjubelt, auch wenn Golf-Fans begrüßen, den besten ihrer Sportart endlich wieder auf dem grünen Rasen zu sehen. Ungeachtet seiner Fehltritte wurde Woods erst kürzlich zum zehnten Mal in den letzten 13 Jahren zum Spieler des Jahres gewählt. Doch beginnt mit seiner Rückkehr nicht viel mehr? Eine Art Reinkarnation? Das zweite Leben des Tiger Woods?

Auch Bill Clinton musste nach seiner speziellen Praktikantinnenbetreuung öffentlich Buße tun. Heute hat Amerika seinem Ex-Präsidenten verziehen. Eine große Rolle spielte dabei, dass sich die betrogene Ehefrau Hillary öffentlich hinter ihren Mann stellte. Anders Elin Nordgren. Die zeigte ihrem Tiger erstmal die kalte Schulter. Jetzt weigert sie sich, wie US-Medien melden, mit ihm zusammen in den Familienurlaub zu fahren.

Clinton hingegen scheint nach seiner „Reinwaschung“ glaubwürdiger den je. Der Ex-Präsident hat sich seinem Volk angenähert, ist jetzt einer von ihnen, gedemütigt und wiederauferstanden, um Botschafter für Frieden und Freiheit zu sein. Nicht ohne Grund wurde er zum Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen ernannt. Wo immer auf der Welt ein Krisenherd brodelt, man schickt Bill Clinton, den MacGyver der internationalen Diplomatie. Tiger Woods ergeht es möglicherweise ähnlich, denn das amerikanische Volk, es verzeiht und es braucht seine Super-Helden. Tiger Woods ist einer von ihnen.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Marlene K., April 12, 2010

Also sorry,
den letzten Satz hätte sich der Autor sparen können - Tiger Woods ist alles andere, als ein Super-Held!

Ich halte das ganze ohnehin für eine einzige Farce - warum muss sich jemand öffentlich für sein Sexualleben rechtfertigen? Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nebenher +/- 19 Damen beglückte - das einzige, was daran verwerflich ist, ist die Tatsache, dass er einen anderen Menschen, nämlich seine Frau, sehr damit verletzt und eine Familie aufs Spiel gesetzt hat.

Ihr kann man nur wünschen, die Konsequenzen daraus zu ziehen, denn wer +/- 19 Mal betrügt, kann es mit Treue und Ehrlichkeit nicht ernst meinen - und wird es auch in Zukunft nicht.
geschrieben von Marla Peters, April 29, 2010

kein Held
ich sehe Tiger Woods in der Tat nicht als Helde

a) hat Golfspielen irgendwie überhaupts nicht heldenhaftes an sich

und

b) ist fremdgehen doch nur als zu menschlich

aber irgendwie auch nichts was die Öffentlichkeit etwas angehen würde ...
geschrieben von Tom, April 29, 2010

Woods
@Marla: Sehe das ähnlich. Man kann Sportler, Filmstars immer wieder zu Helden verklären, wenn sie sich einen (oder mehrere) Ausrutscher leisten und sich dann medienwirksam wieder aufrappeln. Der Otto-Normalo hingegen kann sogar Leben retten und wird mit viel Glück im Lokalblatt erwähnt. Und Fremdgehen ist sowieso schon lange kein allzu großer Fauxpas mehr. Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Golfball ;-)
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

Meistgelesene Artikel

Ähnliche Artikel


Neueste Beiträge

Meistgelesen