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Deck +++ Glanz & Gloria +++ Höher, schneller, tödlicher
Montag, 22.02.2010
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Vancouver 2010
 

Höher, schneller, tödlicher

Wie die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver durch zahlreiche Unfallserien zu einem Spiegel für die ausgebrannte Leistungsgesellschaft werden.
Geschrieben von:   
Sport is Krieg ohne Waffen - George Orwell © Flickr Steffe


Populäre sportliche Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften werden nicht selten zu symbolischen Austragungsorten für politische Differenzen oder gesellschaftliche Missstände und halten damit der Leistungsgesellschaft einen Spiegel vor. So schickten die Nazis bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin etwa einen als Frau verkleideten Hochspringer ins Rennen, um den Start und den befürchteten Sieg der jüdischen Favoritin Gretel Bergmann zu verhindern. Bei der Fußball-WM 2006, dem "Sommermärchen", offenbarte sich dann, wie sehr es die Deutschen danach dürstete, endlich wieder als euphorische und nationalstolze Gemeinschaft auftreten zu dürfen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und auch an den aktuellen Olympischen Winterspielen in Vancouver lassen sich die Zeichen der Zeit ablesen. 

Begonnen hatte alles bereits mit dem Horrorsturz des Schweizer Skirennfahrers Daniel Albrecht. Am 22. Januar 2009 stürzte der 26-jährige beim Abschlusstraining in Kitzbühl derart schwer, dass er sich ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Hirnblutung sowie eine Lungenquetschung zuzog und drei Wochen im künstlichen Koma lag. Bei den Olympischen Winterspiele 2010 wollte er daraufhin nicht antreten. Eine weise Entscheidung. Was dem Zuschauer derzeit aus Vancouver als olympisches Kräftemessen auf die Mattscheibe flimmert, gleicht doch manchmal eher einem Bild des Grauens.

Sport ist Mord


Mitte der ersten olympischen Woche traten die Alpine Skirennläuferinnen im Olympic Park in Whistler zur Abfahrt an – und waren mit der viel zu steilen und schwierigen Strecke heillos überfordert. Die Schwedin Anja Pärson – wahrlich hochdekoriert in ihrer Branche – sowie fünf weitere Teilnehmerinnen, stürzten im Abfahrtslauf spektakulär. Knapp 60 Meter flog Pärson durch die Luft.  "Erstaunlich, dass Anja Pärson überhaupt laufen kann", so Schwedens Cheftrainer Ulf Emilsson. Hätte die 29-jährige nur ein wenig mehr Luft unter die Ski bekommen, ihr hätte es ergehen können wie dem an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas knabbernden Schweizers Daniel Albrecht.

Der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der kürzlich im Whistler Sliding Centre – der olympischen Kunsteisbahn – umgekommen war, und eine schwere Unfallserie beim Training der Zweierbobs riefen nun Kritiker auf den Plan. "Wir müssen wegkommen vom Prinzip 'Höher, schneller, weiter' und uns stattdessen am Grundgedanken des Sports orientieren", forderte Michael Vesper, Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbunds. Eine Absage an das Prinzip "Höher, schneller, weiter"? Ja, das sollten wir leisten – allerdings nicht nur im Sport! Was bei den Olympischen Winterspielen derzeit passiert, ist nämlich nichts anderes, als eine Übertragung der gesellschaftlichen Malaise auf die Ski- und Rodelpisten. Immer noch ein bisschen mehr, immer noch ein bisschen schwerer, immer ein bisschen mehr Druck. Und wer dabei auf der Strecke bleibt, hat eben verloren. In der Welt des Nichtsportlers werden diese Stürze und Verletzungen, die man sich auf den zu anspruchsvollen, zu komplizierten und zu schnellen Strecken immer häufiger zuzieht, nur anders genannt. In der Welt des Alltagskämpfers heißen sie: Chronische Erkältung, Burnout und Depression.

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